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„Sheriffs“ im Einsatz gegen Schattenwirtschaft

Rund 2.000 Mal rücken die steirischen WKO-„Pfusch-Sheriffs“ pro Jahr aus – für die Unternehmer und gegen die Schwarzarbeit. Wir haben sie begleitet.

Die Mitarbeiter des Erhebungsdienstes sind steiermarkweit im Einsatz.
© Foto Fischer Die Mitarbeiter des Erhebungsdienstes sind steiermarkweit im Einsatz.
Wenn Geld „schwarz“ in den Säckel wandert, dann bedeutet das nicht nur unfairen Wettbewerb gegenüber allen redlichen Wirtschaftstreibenden, sondern auch milliardenschweren finanziellen Schaden (s. Story unten). Aus diesem Grund ist der Erhebungsdienst der WKO Steiermark auch im Auftrag der Fachgruppen und Mitgliedsbetriebe rund 2.000 Mal im Jahr unterwegs, „um zu informieren und den Rechtszustand herzustellen“, erklärt der Leiter Leopold Strobl. „Wie wichtig unsere Arbeit ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass diese nun auch ausdrücklich im Wirtschaftskammergesetz verankert wurde.“
Ob kosmetische Heimarbeit, Kaffee im Buschenschank oder Reparaturen in der Autoservice-Station: Zu tun gibt es für die steirischen WKO-„Pfusch-Sheriffs“ reichlich, wie die Recherche „on tour“ mit Fritz Klamminger zeigt. Seit 30 Jahren ist er schon mit dabei, erzählt er und verweist mit einem Schmunzeln auf Holzlatten, Eimer und Hunde, mit denen er bereits „willkommen geheißen“ wurde. Kein Wunder, dass ob dieser „Einführung“ die Spannung steigt.
Der erste Auftrag des Tages ist eine Erhebung eines unternehmerischen Leistungsumfangs. Will heißen: Es gibt eine Anfrage, ob der Betrieb auch alle nötigen Berechtigungen für die angegebenen Offerte hat. „Es kommt oft vor, dass Mitbewerber mit Fragen dieser Art an uns herantreten“, erklärt Klamminger, „meist lässt sich eine Beschwerde durch ein Gespräch aber rasch aufklären“.
Und damit sollte er Recht behalten – auch am nächsten Stopp: Hier mahnt die Behörde offene Forderungen ein, doch der Plausch am Gartenzaun ergibt, dass alles längst überwiesen worden ist. Von der Firmenbuchprotokollierung bis zur Ermahnung aufgrund eines lückenhaften Homepage-Impressums folgt Station auf Station, bis die Tour am Postkasten endet: Kein Chef daheim, Klamminger hinterlässt seine Karte und schätzt die Chancen auf den erbetenen Rückruf auf 50 zu 50: „Sonst komme ich wieder vorbei“, nimmt er es sportlich.
„Viele wissen oft wirklich nicht, dass sie sich außerhalb ihrer erlaubten Befähigungen bewegen“, erzählt Klamminger. „Wir klären sie darüber auf, was zu tun ist, um wieder auf rechtlich sicheren Wegen zu gehen. Damit ist der Fall erledigt.“

Geduld und Verständnis seien deshalb seine wichtigsten Begleiter im Job – zumindest so lange sich die Klienten nicht als unverbesserliche Wiederholungstäter oder als besonders renitent erweisen. „Wenn es wirklich kein Einsehen gibt, dann folgt natürlich die Anzeige bei der zuständigen Behörde.“


„Pfusch“ bewirkt Milliardenschaden

Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt – allein in diesem Jahr werden in Österreich „19,29 Milliarden Euro an Wertschöpfung durch Pfusch quer durch alle Branchen erwirtschaftet werden“, rechnet Wirtschaftsprofessor Friedrich Schneider vor, von diesem „Pfusch-Anteil“ entfallen auf die Steiermark 2,23 Milliarden Euro. „Durch diese Schattenwirtschaft entgehen dem Staat rund 2,2 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben“, betont Schneider. Die Finanzpolizei versucht, diesem schädlichen Treiben einen Riegel vorzuschieben – schließlich bedeutet jeder Pfusch-Euro einen Auftragsentgang bei den redlich arbeitenden Unternehmen. „Im Niedriglohnbereich – vom Bau über Friseure bis zu den Masseuren – ist der Anteil der professionellen Pfuscher sehr hoch“, weiß Rigobert Rainer, Leiter der Finanzpolizei in der Steiermark und Kärnten. „Auch die Schwerpunkt-Akionen an der Grenze gemeinsam mit der WKO gegen Lohn- und Sozialdumping werden forciert.“

Von Veronika Pranger


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