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Warum es an Schulen Herbstferien braucht

Wir haben nachgefragt: Bildungsminister Heinz Faßmann im Interview über Herbstferien, Ausbildungswege, Standortfragen und weitere Reformvorhaben.

Bildungsminister Heinz Faßmann
© BMBWF Martin Lusser Bildungsminister Heinz Faßmann: "Das Pädogogik-Paket ist ein Meilenstein."

Jahrelang wurde darüber diskutiert, jetzt kommen bundesweit einheitliche Herbstferien. Was waren die wichtigsten Gründe für diese Entscheidung?

Heinz Faßmann: Eltern mit mehreren Kindern in verschiedenen Schulen stehen mit den schulautonomen Tagen in der jetzigen Form häufig vor einem Betreuungsproblem. Die einheitlichen Herbstferien werden hier ab dem Schuljahr 2020/21 für eine Erleichterung sorgen. Und sie werden den Kindern ein Durchatmen nach einer intensiven Lernphase ermöglichen. Die Einführung von Herbstferien steht auch im Regierungsprogramm und wir wollten einer jahrelangen Diskussion  ein Ende bereiten.

Die Entscheidung ist nicht unumstritten. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Faßmann: Wir haben mit allen Seiten gesprochen und über viele Monate hinweg intensive Gespräche mit allen Schulpartner/innen geführt. Eine Lösung, die uneingeschränkt für alle passt, haben wir leider nicht gefunden. Aber einen, wie ich denke, sehr guten Kompromiss. Die Sommerferien bleiben gleich lang, das war der Wunsch vieler Eltern und Schülern. Und die kurze „Verschnaufpause“ im Herbst wird den Kindern nach den schulisch intensiven Wochen im September und Oktober gut tun.

Auch die Zentralmatura lässt immer wieder die Wogen hochgehen. Sie haben eine Reform der Mathematik-Matura angekündigt, was versprechen Sie sich davon?

Faßmann: Die Mathematikmatura wird dadurch  fairer und verständlicher. Bei unserer „Zuhörtour“ haben wir von vielen Schülerinnen und Schülern das Feedback bekommen, dass die Textfragen oft zu umständlich formuliert sind, das wird geändert. Es wird in Zukunft auch möglich sein, halbe Punkte zu bekommen, wenn man den Rechenweg richtig verstanden hat aber nicht zum richtigen Ergebnis gekommen ist. Und für Lehrende steht künftig ein elektronischer Helpdesk zu Verfügung, an den sie alle auftretenden Fragen bei der Korrektur richten können.

Bei der Wiedereinführung der Noten in der Volksschule haben Sie erklärt, nicht jede politische Entscheidung sei wissenschaftlich fundiert. Wäre das nicht gerade hier wichtig?

Faßmann: Ich bin Wissenschaftler und natürlich sind mir wissenschaftlich fundierte Entscheidungen wichtig. Aber es gibt keine Forschung darüber, ob die Notengebung in der zweiten oder besser in der dritten Klasse Volksschule einsetzen soll. Es macht auch keinen gravierenden Unterschied aus. Besonders, weil die verbale Beurteilung ja zusätzlich bestehen bleibt.

Sie sind seit gut einem Jahr im Amt: Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Faßmann: Ich bin sehr zufrieden mit den Reformen, die wir bis jetzt vornehmen konnten. Wir konnten etwa die Finanzierung der Universitäten auf neue Beine stellen und einen Paradigmenwechsel in Richtung kapazitätsorientierter Studienplatzfinanzierung vornehmen. Mit dem Pädagogik-Paket ist uns auch in Schulbereich ein wichtiger Meilenstein gelungen, die Reform der „Neuen Mittelschule“ wertet diesen zu Unrecht oft kritisierten Schultyp auf. Auch die Einführung der Deutschförderklassen war ein wichtiger Schritt. Im Forschungsbereich haben wir mit der ‚Zukunftsoffensive für Forschung, Technologie und Innovation“ den Weg für eine bessere Forschungsförderung geebnet. Ziel ist, den Institutionen bessere Planbarkeit und insgesamt mehr exzellente Wissenschaft in Österreich zu ermöglichen.

Wo sehen Sie noch Handlungs- bzw. Reformbedarf im Bildungsbereich?

Faßmann: Wir wollen die Ganztagsbetreuung im Schulbereich ausbauen. Ob dies in einer verschränkten Form erfolgt oder eher traditionell mit gestaffelter Unterrichts- und Lernzeit überlasse ich den Schulstandorten und damit auch den Eltern. Wir müssen auch in die vorschulische Betreuung weiterhin investieren, denn die Jahre vor Schuleintritt sollten für die Sprachförderung, aber auch für das Wecken des Interesses an vielfältigen Fragen genützt werden. Wir können insbesondere schon in Kindergarten und Volksschule beginnen, Mädchen für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern. Ein großes Thema ist natürlich auch der Bereich Digitalisierung, hier arbeiten wir gerade an einem „Masterplan Digitalisierung“. Ziel ist es, die Veränderungen, die sich durch die fortschreitende Digitalisierung ergeben, stufenweise und vor allem flächendeckend in das österreichische Bildungssystem einfließen zu lassen.

Die Gleichwertigkeit von schulischer und betrieblicher Ausbildung ist ein Wunsch, der immer wieder von der Wirtschaft geäußert wird (so wie kürzlich etwa die finanzielle Gleichstellung zwischen universitärer und Meisterausbildung). Wie stehen Sie dazu?

Faßmann: Da muss ich ein bisschen ausholen. Grundsätzlich sind sowohl Lehrabschlüsse als auch die Abschlüsse berufsbildender mittlerer Schulen dem Niveau 4 des Nationalen Qualifikationsrahmens zuzuordnen. Bachelorabschlüsse, Ingenieurqualifikation und die Meisterprüfung haben alle Niveau 6. Zur Gleichwertigkeit der verschiedenen Ausbildungen ist anzumerken, dass wir mit dem Förderprogramm Berufsmatura, sprich Lehre mit Reifeprüfung, wesentlich zur Attraktivitätssteigerung der dualen Ausbildung beitragen. Wir tragen die gesamten Kurskosten für Lehrlinge zur Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung. Nach Absolvierung der Lehrabschlussprüfung und mit Vollendung des 19. Lebensjahres treten sie zur letzten Teilprüfung der Berufsreifeprüfung an und  erhalten damit auch den allgemeinen Hochschulzugang.

Die duale Ausbildung gilt international als Vorzeigebeispiel, gleichzeitig fehlt in vielen Branchen der Berufsnachwuchs, Stichwort Fachkräftemangel. Wo kann man hier den Hebel ansetzen?

Faßmann: Österreichs Berufsbildungssystem zeichnet sich durch die Angebotsvielfalt und Durchlässigkeit innerhalb der unterschiedlichen Ausbildungssemente der Berufsbildungslandschaft aus. Eine Herausforderung für das duale System stellt unter anderem auch die Tendenz der Jugendlichen zur schulischen Ausbildung dar. Viele wollen – vollkommen zurecht - möglichst hohe formale Abschlüssen erzielen, um sich damit die Optionen für den weiteren Bildungsweg zu eröffnen und aussichtsreichere Berufskarrieren zu sichern. Vor diesem Hintergrund bedarf es einer Doppelstrategie: Auf der einen Seite muss die Attraktivität der dualen Berufsausbildung gesteigert und die Perspektiven, die sich durch die Absolvierung der dualen Ausbildung ergeben, besser dargestellt werden. Auf der anderen Seite muss das Potenzial von Mitarbeitern in ungelernten Tätigkeiten und bei Personen ohne Ausbildungsabschluss besser ausgeschöpft werden. Wir setzen auch gerade bei der Sicherung der Grundkompetenzen der Schulabgänger den Hebel an. Das deckt sich mit dem Wunsch von Ausbildungsbetrieben.  

Bei F&E ist die Steiermark sehr gut unterwegs. Was nützt dem Forschungsstandort, und wo sehen Sie Hemmnisse?

Faßmann: Es stimmt: Die Steiermark rangiert mit einer Forschungsquote von etwa 5,2% des Bruttoregionalprodukts unter Europas Forschungsregionen ganz vorn. Die Steiermark profitiert von forschungsstarken Unternehmen, nicht nur im Großraum Graz, aber auch von einer vitalen Hochschullandschaft, die sich unter einander abstimmt, die aber auch Ansprechpartner Nummer eins für steirische Unternehmen ist. Sie bilden dringend gesuchte qualifizierte Fachkräfte aus und sind gleichzeitig Entwicklungspartner für Innovationen -  denken Sie an die TU Graz, aber auch an die Montanuniversität Leoben, die sich als Leitinstitution für den industriellen Wandel der Mur-Mürz-Region definiert.  Dass die Lebenswissenschaften Graz unter anderem die steirische Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau entwickeln, ist bekannt – aber wussten Sie, dass die Kunstuniversität der steirischen Automobilindustrie durch „Sound-Konzepte“ einen internationalen Wettbewerbsvorteil verschafft? Gute, auch interdisziplinäre Abstimmung und weltoffene Kooperationskultur nützen der Steiermark eindeutig. Wie alle Forschungsstandorte Österreichs ist die Steiermark gefordert, durch Profilbildung und Kooperation mit den Besten die vielzitierte „kritische Masse“ zu erreichen, international als Standort gesehen zu werden, mitzuspielen und attraktiv zu sein für Spitzenkräfte. Auch die Begleitung des digitalen Strukturwandels und der Wachstumschancen steirischer KMU durch Innovation hängen eng mit Forschung zusammen.

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