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„Satire will nicht den Leser bloßstellen“

Fritz Jergitsch betreibt mit der Satireseite „Tagespresse“ eines der erfolgreichsten Medien-Start-ups des Landes. Wir haben mit ihm über unternehmerischen Erfolg gesprochen und diskutiert, wie weit Satire gehen darf.

Frist Jergitsch ist Chefredakteur der Tagespresse
© Von Steinbauer Frist Jergitsch ist Chefredakteur der "Tagespresse"

Sie machen mit der Tagespresse ein sehr erfolgreiches Satire- und Medienprojekt. Kann man sowas planen?

Fritz Jergitsch: Teils, teils. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so groß wird, aber ich habe schon die Seite so gemacht, dass sie wachsen kann. Zum Beispiel haben wir darauf geachtet, dass Layout und Server gut aufgestellt sind. Ich habe mir auch von vornherein ein gewisses Grundmaß an Professionalität angeeignet, aber natürlich kann man nicht planen, dass man so groß wird. Aktuell haben wir 330.000 Fans auf Facebook, das ist irre. 

Können Sie davon leben? 

Jergitsch: Ja, natürlich. Neben unserem Stammteam beschäftigen wir auch einige freie Mitarbeiter und haben darüber hinaus gerade eine eigene GmbH gegründet. 

Das heißt, Sie haben ganz in journalistischer Tradition Ihr Studium abgebrochen? 

Jergitsch:  (lacht) Absolut. Ich habe das Studium nicht einmal abgebrochen, sondern erst gar nicht begonnen. Für das Masterstudium habe ich noch keinen einzigen ECTS-Punkt gesammelt. 

Fake-News sind ja derzeit in aller Munde und Sie sind ­damit sehr erfolgreich. Wie gehen Sie dabei vor? 

Jergitsch: Das Wichtigste beim Schreiben ist, dass es lustig ist. Und das ist auch schon das Geheimnis. Wir haben keine ausgetüftelte Strategie. Wir sehen uns einfach an, was die Themen des Landes sind, und überlegen uns, wie man einen blöden Witz darüber machen kann. 

Ist es leichter, mit einem Schmäh ein erfolgreiches Medium zu gründen? 

Jergitsch: Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Ein Medienprojekt ist dann erfolgreich, wenn ein Bedarf erfüllt wird. Wir waren aus irgendeinem Grund das erste Satiremedium in Österreich, das schnell gewachsen ist. Auch weil viele unsere Artikel geglaubt haben. Da gehört auch viel Glück dazu. 

Wie gehen Sie damit um, dass viele die Artikel für ­bare Münze halten? 

Jergitsch: Es gehört schon zum Kalkül des Konzepts dazu, dass die Leser schwer zwischen Realität und Satire unterscheiden können. Da geht es uns aber weniger um die Bloßstellung der Leser. Wenn wir schreiben, dass Werner Faymann Schaffner bei der ÖBB wird, gibt es Leute, die das glauben. Das ist dann auch eine Aussage über Werner Faymann.

Wer macht eigentlich die bessere Satire, das echte Leben oder Sie? 

Jergitsch: Es ist eher so, dass da eine fruchtvolle Kooperation besteht. Wir können nichts schreiben, wenn nichts passiert, das man kritisieren muss. Wenn es bei uns so zivilisiert zugehen würde wie etwa in der norwegischen Politik, dann würden uns die Themen fehlen. 

Was würden Sie einem Jungunternehmer, der sich im ­Medienbereich selbständig machen will, raten? 

Jergitsch: Ich finde, man sollte sich selbst nicht zu ernst nehmen. Falscher Stolz ist fehl am Platz. Am wichtigsten ist aber, dass man Fehler zulässt. Manche Produkte floppen, das ist auch bei der Tagespresse passiert. Wir haben zum Beispiel erfolglos Bundesländerableger versucht, und auch die englische Version hat nicht funktioniert. Das ist das Tolle am Internet, es kostet nicht viel, wenn man scheitert. 

Ist Ihnen zu einem Thema einmal nichts eingefallen? 

Jergitsch: Sehr oft. Gerade bei tragischen Themen will man oft keine Witze darüber machen, etwa bei dem Terroranschlag in London. Wir schreiben aber auch über den Terror. Wir machen uns natürlich nicht über die Opfer lustig, aber vielleicht darüber, dass die Attentäter immer polizeibekannt sind. Da bewegt man sich aber auf einem seidenen Faden. 

Zum Unternehmen Tagespresse. Wie geht es weiter? 

Jergitsch: Wir müssen schauen, dass wir immer auf Draht bleiben und unsere Leser begeistern. Wir arbeiten mit dem ORF an einem neuen Format, das im Herbst starten soll. Mal schauen, was dabei rauskommt.

Interview: Michael Neumayr

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