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Phalanx gegen Industrie-Cybercrime

Mit dem Grad der Vernetzung steigt auch die Gefahr von virtuellen Angriffen auf Produktionsanlagen. Plattform Automatisierungstechnik startet nun Info-Schwerpunkt.

Die Plattform Automatisierungstechnik setzt auf Info-Offensive zu Cybercrime im Maschinen- und Anlagenbau.
© Harry Schiffer Photodesign Die Plattform Automatisierungstechnik setzt auf Info-Offensive zu Cybercrime im Maschinen- und Anlagenbau.
Kriminelle Machenschaften aus dem Netz nehmen zu. Das bestätigt nicht nur die jüngste Kriminalstatistik, die in der Steiermark mit 1.425 gemeldeten Anzeigen im Vorjahr ein Plus von 38,7 Prozent  ausweist, sondern auch der Geschäftsführer des Raiffeisen Rechenzentrums in Raaba, Ulfried Paier: „Im ersten Quartal diesen Jahres wehrten wir 48.000 Malware-Attacken ab.“ Grund genug, für die Plattform Automatisierungstechnik Steiermark, das Rechenzen­trum als Austragungsort für eine hochkarätig besetzte Diskussionsveranstaltung zu wählen. Denn im Visier der Cyberkriminellen stehen auch „immer mehr jene Betriebe, die auf vernetzte digitale Produktion setzen“, erklärt Helmut Röck, Geschäftsführer der Plattform und liefert im selben Atemzug auch den Beweggrund Nummer eins der Täter: Geld. „Man stelle sich nur vor, ein Erpresser droht, unerkannt ins System eines Pharmaunternehmens eingedrungen zu sein und die Medikamentenrezepturen verändert zu haben. Oder einem Autobauer wird im Zuge der vernetzten Robotik heimlich ein Bauteil verändert“, lässt Herbert Ritter, Obmann der Plattform einige Gedankenspiele zu.
Dass diese Überlegungen keineswegs weit von der Realität entfernt sind, bestätigte auch die hochkarätige Expertenrunde im Raiffeisen Rechenzentrum, die auf gemeinsame Einladung der Plattform mit der SFG und der FH Campus 02 das Thema Cybercrime in der Automatisierung unter die Lupe nahm. Hier wurde schnell klar, warum die immer komplexeren Produktionsprozesse eine umso stärkere Phalanx gegen digitale Angriffe brauchen. „Es ist ein Unterschied, ob man an meine Urlaubsfotos kommt oder ob jemand durch die digitale Hintertür in meine Produktion eindringt und ich diese stilllegen muss. Das verursacht schnell zigMillionen Euro Schaden“, weiß  Georg Kremsner von Limes Security das Problem.

Und diese Hintertüren werden immer vielfältiger, weil immer mehr Technik bzw. immer mehr Tools mit integrierten Sensoren – die nichts anderes als kleine Computer sind – ans Produktionsnetz angedockt werden, erzählen Andreas Mühlberger von der Grazer Infineon und Udo Traussnigg von der FH Campus 02. Aber auch zu selten durchgeführte Updates bzw. die Verwendung gar nicht mehr unterstützter Software am Firmen-PC stellen ein enormes Sicherheitsproblem dar, ebenso wie Anlagen, die zu selten gewartet werden, „weil sie ja eh noch so gut laufen“, mahnt Ritter zu mehr „Awareness“ bei den Chefs.
Doch es gehe auch wesentlich einfacher, weiß IT-Experte Gerald Kortschak: „Da werden Anlagen mit allem erdenklichen Aufwand gesichert, aber an die digitale Überwachungskamera am Eingang zur Produktionshalle denkt man nicht.“ Und auch die alten Tricks hätten wenig an ihrer Zuverlässigkeit eingebüßt: „Ein Highlight sind nach wie vor die am Mitarbeiter-Parkplatz verstreuten USB-Sticks – die dann gleich mal an den Firmencomputer angesteckt werden.

Weitere Informationen zur Plattform sowie Video zur Veranstaltung auf: www.at-styria.at 

Von Veronika Pranger

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