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Eigenständig leben trotz Handicaps

Im Odilien-Institut in Graz finden Menschen mit Sehbehinderung professionelle Unterstützung. Ein Lokalaugenschein.

Odilien-Geschäftsführer Rudolf Zangl mit seinen fleißigen Mitarbeiterinnen in der Werkstatt.
© Fischer Odilien-Geschäftsführer Rudolf Zangl mit seinen fleißigen Mitarbeiterinnen in der Werkstatt.

Wer schon einmal versucht hat, sich in völliger Dunkelheit zurechtzufinden, weiß, wie rasch man dabei an seine Grenzen stößt. Wie gut Sehbehinderte ihren Alltag dennoch selbstbestimmt bewältigen können, das wird einem im Grazer Odilien-Institut eindrucksvoll vor Augen geführt: So werden in den Werkstätten in Feinarbeit Körbe geflochten, Thonet-Stühle repariert und Bürsten hergestellt – so hat etwa das Grazer Straßenamt erst kürzlich Besen in Auftrag gegeben. 

Auf die lange Geschichte des 1880 als Verein zur Erziehung und Versorgung von Blinden gegründeten Odilien-Instituts verweist eine Marmortafel zur Erinnerung an den Besuch Kaiser Franz Josefs. Heute versucht man hier den Bedürfnissen von Menschen im Alter von null bis 99 gerecht zu werden: Von der Frühförderung, Volks-, Mittel- und Fachschule über eine Bibliothek, Werkstätten, ein Beratungszentrum, Arbeitsassistenz, Wohnstätten und Seniorenwohnheim bis hin zu einem Shop reicht die Bandbreite. 250 Mitarbeiter – großteils Pädagogen, Lehrer und Sozialarbeiter – betreuen insgesamt etwa 500 Sehbehinderte in der gesamten Steiermark. Und das Beratungszentrum zählt mehr als 1.000 Kundenkontakte pro Jahr.

Dienstleister für Sehbehinderte

„Wir sehen uns als Dienstleistungsunternehmen für Menschen mit Sehbehinderung“, erklärt Rudolf Zangl, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH. Die Kosten werden großteils durch öffentliche Gelder abgedeckt, aber auch durch Spenden sowie Einnahmen durch den Verkauf eigener Produkte. „Je besser wir arbeiten, desto selbstbestimmter können Menschen mit Behinderung leben“, so der Betriebswirt. „Dabei haben wir es mit denselben Regeln und Auflagen zu tun wie jedes andere Unternehmen auch, vom Sicherheits- und Gesundheitsschutz bis hin zum Datenschutz.“ Dennoch gibt es einen großen Unterschied zu profitorientierten Unternehmen: „Aus rein wirtschaftlicher Sicht wären unsere Werkstätten nicht rentabel. Letztendlich geht es aber darum, wie viel es der Gesellschaft und dem Staat wert ist, dass Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben führen können.“

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