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„Ode an die Freude“ ertönt in Frankreich

Bei Frankreichs Präsidentschaftswahl hat der proeuropäische Emmanuel Macron gegen die EU-Gegnerin Marine Le Pen triumphiert. Wir analysieren mit Experten.

© dbrnjhrj - Fotolia Emmanuel Macron jubelt über den Wahlerfolg und zieht nun in den Elysée-Palast ein.

Als Emmanuel Macron erstmals als frischgewählter französischer Präsident zum Elysée-Palast in Paris marschierte, ist sie erklungen. Die Rede ist nicht von der „Marseillaise“, der kriegerischen Nationalhymne der Franzosen, sondern von der Europahymne „Ode an die Freude“. Mehr Symbolik geht nicht.

Und tatsächlich, in Brüssel und vor allem unter proeuropäischen Kreisen am gesamten Kontinent wird man angesichts der Wahl des liberalen Macron wohl aufatmen. Wir haben daher zwei Experten gebeten, den Wahlgang aus Sicht der Wirtschaft einzuordnen. 

Der Wirtschaftsdelegierte in Paris, Christian Schierer, ist optimistisch: „Ich hoffe, dass sich für die Unternehmen jetzt einiges ändern wird. Zurückgehaltene Investitionen dürften nun umgesetzt werden. Außerdem hat Macron angekündigt, das Arbeitsrecht zu liberalisieren. Generell sind die Sicherheit und das Vertrauen wieder da, und das wird auch vermehrt österreichische Unternehmen nach Frankreich locken.“ Schierer rechnet damit, dass bis 2018 mehr als 400 österreichische Unternehmen in Frankreich tätig sein werden. 

Ob Macron sein ambitioniertes Wahlprogramm – immerhin will er 120.000 Beamte entlassen –überhaupt umsetzen kann, steht freilich in den Sternen. Das hängt nämlich von einem weiteren Urnengang ab, denn in einem Monat wird das Parlament gewählt. Als parteiloser Kandidat angetreten – er ist erst vor einem Jahr aus der sozialistischen Partei ausgetreten –, führt er mit „en marche“ eine völlig neue Bewegung in die Wahl. Angesichts des komplizierten Persönlichkeitswahlrechtes in Frankreich wird es für ihn sehr schwierig werden, die absolute Mehrheit – auf die sich bisher viele französische Präsidenten verlassen konnten – zu erlangen. „Fehlt diese stabile Mehrheit, wird Macron sehr viele Kompromisse schließen müssen“, gibt der Politikexperte Peter Filzmaier von der Uni Graz zu bedenken. Auf jeden Fall würde es noch keine zuverlässigen Prognosen für die Parlamentswahl geben, so Filzmaier: „Das derzeitige Stimmungsbild ist aufgrund des Wahlrechtes nicht auf die Parlamentswahl umlegbar. Denn um ins Parlament einzuziehen, müssen die Kandidaten in ihrem Wahlkreis die absolute Mehrheit erringen.“ Dabei sei noch nicht einmal klar, ob Macron in allen 577 Wahlkreisen geeignete Kandidaten aufstellen kann. 

Wahlsystem spricht gegen Front National

Das Wahlsystem stellt aber auch Macrons schärfste Konkurrentin Marine Le Pen und ihre „Front National“ vor große Herausforderungen. „Das von Charles de Gaulle entwickelte Wahlrecht verhindert den Aufstieg radikaler Kräfte. Obwohl elf Millionen Franzosen für Le Pen gestimmt haben, wird sie im Parlament kaum Erfolg haben.“ Derzeit fallen nur zwei Abgeordnete (0,3 Prozent) auf die Partei.

Für Schierer wäre ein Erfolg Le Pens – die den EU-Austritt Frankreichs will – eine Horrorvorstellung: „Ohne Frankreich wäre die EU keine europäische Union mehr. Die Achse Berlin–Paris muss jetzt wieder stärker werden.“ Für ihn ist jetzt wichtig, dass in Frankreich Unternehmen entlastet und das Sozialversicherungssystem vereinheitlicht werden. Seine Hoffnungen setzt Schierer dabei auf den neuen Präsidenten: „Er weiß, dass er bestimmte Probleme ansprechen muss.“ Potenzial für steirische Firmen sieht Schierer genug: „Frankreich ist das Sprungbrett für die französischsprachige Welt. Nicht ohne Grund betreuen Unternehmen wie Magna und Andritz von Frankreich aus den frankophonen Markt.“ Gerade in der Automobilindustrie sieht er hier weiterhin Chancen: „Schon jetzt liefern steirische Zulieferer einen wichtigen Teil der französischen Automobilindustrie.“ Ein wirtschaftsfreundliches Frankreich könnte also für die Steiermark durchaus lukrativ sein.

Infos zum Markt: Ist der französische Markt für Sie interessant? Das Internationalisierungscenter (ICS) hilft Ihnen gerne: www.ic-steiermark.at



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