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Nach der Wahl ist vor dem Wachstum

Der Wirtschaftsmotor brummt bei unseren Nachbarn wie schon lange nicht. Eine Analyse mit unseren Wirtschaftsdelegierten.

Am Sonntag wird in Deutschland  der Bundestag auf vier Jahre gewählt.
© Pitsch22 stock.adobe.com Am Sonntag wird in Deutschland der Bundestag auf vier Jahre gewählt.

Am Sonntag wählt die Bundesrepublik Deutschland – unser wichtigster Wirtschaftspartner – einen neuen Bundestag. Grund genug bei unseren Experten in den Außenwirtschaftszentren Berlin und München nachzufragen, wie es der deutschen Wirtschaft im Zeichen von Exportrekorden und Dieselkrise wirklich geht und wo die Herausforderungen für die Zukunft liegen. 

Gerade im Industrie- und Automobilzentrum München wird die Diskussion um den Diesel mit Argusaugen beobachtet, weiß der Wirtschaftsdelegierte Michael Scherz: „Der Druck neue Antriebstechnologien zu entwickeln ist enorm, auch weil die deutsche Industrie hier nicht zu den Vorreitern gehört.“ Eine Chance für österreichische Zulieferern, die schon jetzt zum zweitgrößten Lieferanten für die deutschen Autobauer aufgestiegen sind, sagt Scherz: „Wir sehen bei vielen Veranstaltungen, dass gerade steirische Firmen einen hervorragenden Ruf genießen. Die Herausforderungen neuer Antriebsstränge gelten aber auch für uns.“ Druck sieht Scherz eher bei Zulieferungen mit niedrigeren Technologiewert: „Hier zählt nur noch der Preis und da können wir kaum noch konkurrieren.“ Deshalb sei es für österreichische Unternehmen wichtig, auf technologische Innovationen zu setzen. Trotz der hervorragenden Zahlen, mit einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit und einem enormen Exportüberschuss, sieht Scherz auch in Deutschland Bereiche die Nachholbedarf aufweisen: „Fährt man von München nach Garmisch, dann reißt selbst auf der Autobahn ständig das Handynetz ab. Bei Breitbandausbau liegt man sogar hinter Mexiko.“ Wenn man die Absiedelung aus dem ländlichen Räumen verhindern wolle, dann müsse hier dringend etwas passieren, so Scherz. 

Berlin ist Europas Lifestyle-Metropole

Als absoluten Start-up-Magneten sieht Heinz Walter, Wirtschaftsdelegierter in Berlin, die Bundeshauptstadt: „Zwar holen andere Deutsche Städte wie München und Hamburg etwas auf, aber in Sachen Start-up kommt man an Berlin nicht vorbei. Bemerkenswert ist, dass hier schon jede zweite Gründerberatung auf Englisch erfolgt.“ Kritisch sieht Walter jedoch das Ost-West-Gefälle: „Nach wie vor erwirtschaften Bewohner der neuen Bundesländer nur Dreiviertel der Wirtschaftsleistung ihrer westdeutschen Landsleute.“ Das liegt vor allem an der fehlenden Industriestruktur. „Doch zuletzt sind wieder verstärkt Arbeitskräfte in ostdeutsche Städte zurückgekehrt. Das gilt aber nicht für die ländlichen Gegenden, dort ist die Landflucht nach wie vor sehr groß“, so Walter. Generell sei die Stimmung in deutschen Wirtschaftskreisen aber so gut wie schon lange nicht mehr. „Das Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts weist Werte auf, die seit der Wende nicht so gut waren und auch der Außenhandelsüberschuss spricht Bände“, stellt Walter fest. Österreichische Unternehmen aller Branchen können seiner Meinung nach diese Chance nutzen: „Die Bandbreite an Branchen ist gerade für Österreicher sehr groß. Solange man zuverlässig erstklassige Qualität liefert, hat man in Deutschland alle Chancen. Die Außenwirtschaftscenter unterstützen bei Internationalisierungschritten gerne.

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