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Mit Kamm und Schere seit 50 Jahren

Elisabeth Ackerl (81) stammt aus einer Friseurdynastie – und steht auch nach einem halben Jahrhundert noch im Geschäft. Ein Lokalaugenschein bei der rüstigen Chefin.

Elisabeth Ackerl im Salon
© Foto Fischer Die mehrfach ausgezeichnete Unternehmerin denkt auch mit 81 Jahren noch nicht ans Aufhören.

Parkstraße 1, Leoben: Im Herzen der Montanstadt an der Mur ist einer der ältesten Betriebe der Stadt angesiedelt: der Friseursalon von Elisabeth Ackerl. Seit sage und schreibe 50 Jahren ist die rüstige Unternehmerin im Geschäft – als Friseurin und als Fußpflegerin, und das mit Leib und Seele. Wir haben die Firmenchefin zum runden Firmenjubiläum zwischen Lockenwicklern, Dauerwelle und Trockenhaube besucht.

Man wähnt sich in einer anderen Zeit, wenn man den Salon betritt, der den Charme der 70er-Jahre versprüht. Der Fischgrätboden knarzt, an den Wänden hängen selbst gemalte Ölbilder und ein Luster, daneben zahlreiche Auszeichnungen. Termine werden klassisch am Festnetz vergeben, ein Heizstrahler soll in der kalten Jahreszeit für Wärme sorgen. Ein Ambiente, in dem sich gerade die ältere Generation sehr wohl fühlt. „Meine Stammkunden sind zwischen 60 und 100 Jahre alt und halten mir seit Jahrzehnten die Treue. Das ist für mich die wichtigste Bestätigung“, sagt Ackerl. 

Kein Wunder, dass die Obersteirerin in der Kittelschürze auch nach fünf Jahrzehnten noch immer ihrer Passion nachgeht, stammt sie doch aus einer veritablen „Friseurdynastie“: Anno 1897 kam ihr Großvater, ein begnadeter Friseur mit viel prominenter Klientel, von Wien nach Leoben, um einen Salon zu eröffnen – und das Geschäft florierte: „Ob der Fürst von Eisenerz oder der Bauer aus dem letzten Winkel, alle sind zu meinem Großvater gekommen.“ Zwei Wappen – ein Pferd und ein Hirsch – sind der Beweis für die lange Historie rund um den Betrieb und das alte Bürgergeschlecht, das bis ins Jahr 1482 zurückreicht.

Vier Generationen

Den Salon übernahm 1947 sein Sohn Rudolf, der das Geschäft mit ebensoviel Leidenschaft fortführte. Und auch seinen Kindern wurde das Talent für Kamm und Schere quasi in die Wiege gelegt: Beide Kinder, Elisabeth und Berthold, traten mit dem Meisterbrief in der Hand in die Fußstapfen ihres Vaters. „Ich war damals im Jahr 1959 die jüngste Meisterin von Leoben“, erinnert sich die umtriebige Firmenchefin.

1970 dann der nächste Meilenstein: Ackerl machte sich mit ihrem Mann selbständig, fünf Jahre später übernahm sie den Betrieb ihres Vaters – und führt ihn bis heute an besagter Adresse im Zentrum Leobens. Ihr Know-how hat sie auch an die nächste Generation weitergegeben, Tochter Belinda ist bei der Mama in die Lehre gegangen. Damit sind es bereits vier Generationen, die ein Handwerk gelernt haben, das nie aus der Mode kommt. 

Seit der Corona-Krise ist das Geschäft allerdings massiv eingebrochen, klagt die rüstige Unternehmerin. Viele bleiben aus Angst vor dem Virus zu Hause oder müssen den Sparstift ansetzen, „das Telefon läutet nicht mehr so oft wie früher“, berichtet Ackerl. Seit vier Jahren ist sie noch halbtägig im Geschäft, um ihre Kunden weiterhin betreuen zu können. Ans Aufhören denkt die 81-Jährige noch lange nicht: „Ein paar Jahre gehen schon noch“, lacht sie – und überreicht zum Abschied selbst gemachte Marmelade und eine Kerze. „Bei mir geht keiner leer nach Hause. Denn der Kunde ist König.“

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