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Mister Marshalls Plan und der Aufschwung

Zum 70-Jahr-Jubiläum des „European Recovery Programs“, besser bekannt als Marshall-Plan: Wie er das Land nach vorne brachte und noch heute wirkt.

v.l: Präsident Truman, George Marshall, Paul Hoffman und Averell Harriman diskutieren den Plan im Oval Office.jpg
© National Archives and Records Administration v.l: Präsident Truman, George Marshall, Paul Hoffman und Averell Harriman diskutieren den Plan im Oval Office.jpg
Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Österreich war besetzt: Amerikaner, Briten, Franzosen und Sowjets teilten das Land auf. Die Menschen hatten kaum genug zu essen. Allein das US-Verteidigungsministerium investierte bis 1947 rund 131 Millionen Dollar in die Versorgung der Bevölkerung. Eine nachhaltige Lösung war das jedoch nicht.

Unter dem Eindruck einer die Stabilität ganz Europas bedrohenden Wirtschaftskrise 1947 fasste die US-Regierung den Entschluss, nachhaltig in den Wiederaufbau zu investieren. So entwickelte man das „European Recovery Program“ (ERP), besser bekannt als der nach dem damaligen Außenminister George C. Marshall benannten  „Marshall-Plan“. „Die USA stellten damit 13,12 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern zur Verfügung. Allein Österreich erhielt bis Ende 1953 rund 962 Millionen Dollar“, erklärt der Historiker Philipp Lesiak vom Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte der Universität Graz. Inflationsbereinigt entspricht diese Summe von damals heute einem Gegenwert von 131 Milliarden Dollar: eine gewaltige Summe für ein gewaltiges Vorhaben.

Mit dem Geld der US-Steuerzahler wurden US-Erzeugnisse nach Europa verschifft. Hier wurden diese Waren verkauft – und die Erlöse flossen allesamt als „Gegenwertmittel“ auf sogenannte „Counterpart-Konten“. Diese Gelder wurden dann als langfristige und niedrig verzinste Darlehen an Unternehmen vergeben. „So hat Marshall nicht nur der US-Economy geholfen, sondern auch in Europa das nötige Kapital verfügbar gemacht, um die Wirtschaft anzukurbeln“, erklärt der Historiker. Diese Gegenwert-Fonds wurden später – im Falle Österreichs im Jahre 1961  – den Staaten übergeben, das Geld wurde den Europäern also tatsächlich geschenkt.  
Österreich war dabei einer der Hauptprofiteure: Nach Island und Norwegen flossen pro Kopf die meisten Hilfen in die Alpenrepublik – nicht zuletzt aufgrund der strategisch wichtigen Lage Österreichs. Und so wurden unzählige Investitionen gefördert: vom Kleinbetrieb bis zum Industrieunternehmen, von der Hotelausstattung bis zur Modernisierung von Stahlwerken. „Bei Böhler in Kapfenberg wurden etwa zwischen 1949 und 1953 rund 53 Millionen Schilling investiert – 15 Millionen davon kamen aus dem ERP“, sagt Lesiak, der nach wie vor am „Marshall-Plan“ forscht: So sei auffällig, dass zahlreiche Liftanlagen – etwa der Schöckl-Nordlift, aber auch jene auf der Planai oder der Turrach just Anfang der 1950er-Jahre errichtet wurden. „Dies dürfte Teil des touristischen Schwerpunkts im ERP gewesen sein“, so Lesiak.

Der Erfolg des Marshall-Plans hing jedoch in erster Linie davon ab, dass die europäischen Staaten nach 1945 auf den Weg des Kapitalismus einschwenkten. „In Europa herrschte ein Verständnis für die amerikanische Auffassung von Wirtschaft – was letzten Endes aber auch dazu beitrug, dass der Eiserne Vorhang ideologisch hochgezogen wurde“, sagt der Forscher. Die Sowjets konnten dem amerikanischen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell bekanntlich nichts abgewinnen und untersagten „ihren“ Satellitenstaaten, den ERP anzuzapfen. Dennoch flossen Mittel auch in die sowjetische Besatzungszone, wenn auch verhältnismäßig in weit geringerer Höhe als in die übrigen Zonen. Andererseits waren die Gelder auch für die Amerikaner ein Weg zur politischen Einflussnahme: Die USA entschieden, was mit dem Geld gefördert wird – und kürzten Österreich ab 1950 auch die Mittel: Mit Ausbruch des (Stellvertreter-)Krieges auf der koreanischen Halbinsel wurden die Gelder strategisch auf die Rüstung konzentriert. Daran konnte und wollte das nach wie vor auch von den Sowjets besetzte und nach Unabhängigkeit strebende Österreich nicht teilnehmen. Stalin weigerte sich schon seit Österreichs Partizipation am Marshall-Plan im Jahre 1948, den fertigen Staatsvertrag zu unterzeichnen. So verzögerte der ERP indirekt die Unabhängigkeitsbestrebungen Österreichs.
„Unterm Strich ist die Bilanz des Marshall-Planes aber äußerst positiv“, erklärt Lesiak. „Es war eine Hilfe zur Selbsthilfe. So legte die Modernisierung der Stahlwerke den Grundstein für die Entwicklung des Linz-Donawitz-Verfahrens im Jahre 1949.“ Eine Methode, die Österreich in der Schwerindustrie auf die Erfolgsstraße führte. „Die Mittel aus dem ERP waren in vielen Bereichen eine Anschubfinanzierung und ein Innovationstreiber“, erklärt Lesiak. Das gilt auch für die Politik: „Auf die 1948 für die Abwicklung der Förderungen gegründete Organisation OEEC – die Vorläuferin der OECD – kann man durchaus den Keim der EU zurückführen. Außerdem führte die Teilnahme Österreichs am Marshall-Plan zu einer starken Westintegration unseres Landes“, so Lesiak.


Zahlen zum Marshall-Plan

  • 12,4 Milliarden US-Dollar betrug das am 3. April 1948 vom US-Kongress gebilligte Paket für die Wiederaufbauhilfe in Europa – das sogenannte „European Recovery Program“ (ERP), besser bekannt als „Marshall-Plan“.
  • 13,12 Milliarden Dollar wurden letztlich von 1948 bis 1952 für bedürftige Staaten in Europa ausgeschüttet, was einem heutigen Gegenwert von rund 131 Milliarden Dollar entspricht.
  • 962 Millionen Dollar flossen nach Österreich: Nur Island und Norwegen erhielten pro Kopf noch höhere Zuwendungen.
    11 Milliarden Schilling lagen 1961 im Topf, als die USA auf die Verfügungsgewalt verzichteten und so das Geld Österreich schenkten.


Den ERP gibt es heute noch immer:

heute: Die Gelder, die in den sogenannten „Gegenwert-Fonds“ im Rahmen des Wiederaufbauprogramms „ERP“ (siehe Hauptstory) gesammelt wurden, summierten sich über die Zeit: Bis 1961 waren es bereits elf Milliarden Schilling, die  am 24. März dieses Jahres im sogenannten „Counterpart-Abkommen“ an die Republik Österreich übergeben wurden. Damit verzichteten die USA auf die Verfügungsmacht über die Mittel, Österreich konnte fortan selbst über das Geld entscheiden. Im „ERP-Fonds-Gesetz“, das am 1. Juli 1962 in Kraft trat, wurde zudem vom Staat festgelegt, dass der Fonds die Aufgabe hat, „in den Ausbau, die Rationalisierung und die Produktivität der österreichischen Wirtschaft“ zu investieren. Ebenso wurde geregelt, dass das Fondsvermögen nicht dauerhaft vermindert werden darf. Heute verwaltet das Austria Wirtschafts Service den Fonds: Aktuell liegen mehrere Milliarden Euro im Topf, die nach wie vor als günstige Darlehen an Unternehmen vergeben werden.


Wanderausstellung gastiert in Graz:

Derzeit gibt es in der WKO Steiermark eine Wanderausstellung über den Marshall-Plan zu sehen.
Anlässlich des 70-Jahr-Jubiläums des „Marshall-Plans“ gibt es derzeit eine Wanderausstellung im Foyer der Wirtschaftskammer Steiermark zu sehen: Die vom „Austria Wirtschafts Service“, dem heutigen Verwalter des Fonds, in Zusammenarbeit mit der US-Botschaft in Wien gestaltete Ausstellung besteht aus zwölf Paneelen und erläutert die Entstehung jener wirtschaftspolitischen Initiative, die Europas Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich beeinflussen sollte. Noch den gesamten Mai kann die Ausstellung kostenlos besichtigt werden.

Von Klaus Krainer

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