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„Lernen, Hammer und Meißel zu nutzen“

Genetiker Markus Hengstschläger im Gespräch, wie die Generation Y „tickt“ und wieso die Jugend Kompetenzen für Jobs braucht, die es heute noch nicht gibt.

Markus Hengstschläger ist vielfach ausgezeichneter und international anerkannter Wissenschafter. Er unterrichtet Studierende, betreut Patienten und berät Firmen und Regierungen.
© APA – Wolfgang Wolak – Verlagsgruppe News Markus Hengstschläger ist vielfach ausgezeichneter und international anerkannter Wissenschafter. Er unterrichtet Studierende, betreut Patienten und berät Firmen und Regierungen.
Eine aktuelle Studie des Ins-tituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung  belegt einen markanten Wertewandel in unserer Arbeitswelt: Die junge Generation hat massiv andere Vorstellungen von Freizeit und Karriere als noch die Generation zuvor. Wie lässt sich das erklären?  

Hengstschläger: Als Genetiker ist mir einerseits wichtig, dass uns klar sein muss, dass die Generation nicht angeboren anders ist als die Generationen davor. Es ist das Ergebnis von einer anderen Art von Umwelt und Erziehung. Gewissermaßen hat die Generation darüber großen Einfluss darauf gehabt, dass die Generation Y so ist, wie sie ist. Ich glaube allerdings, dass das auch gewissermaßen „evolutiv“ logisch ist. Denn wenn die Zukunft im Zeitalter der Industrialisierung 4.0 ungewisser und unvorhersehbarer ist, als sie es je war, dann ist die beste Antwort darauf eine Generation, die flexibel, kreativ, autonom und mit hohem gesellschaftlichen Mehrwert arbeiten will. Die Generation Y spricht gerne von der VUKA Welt, die geprägt wird von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität.

Sie sprechen in Ihren Vorträgen oft von Flexicurity: Was ist darunter zu verstehen?
Hengstschläger:
Ich glaube, dass das Zusammenspiel zwischen Flexibilität und Sicherheit für das Konzept, das uns für die Zukunft rüsten kann, essentiell ist. Natürlich brauchen wir riskante, flexible wie auch kreative Innovationsansätze, um neue Wege gehen zu können und dabei die alten Pfade zu verlassen. Andererseits gilt es aber auch Bewährtes zu bewahren, da, wo es sich eben bewährt. Zum Glück gibt es auch noch vorhersehbare Anteile der Zukunft, für die wir uns oft mit bewährten, sicheren Ansätzen rüsten können. Und für den unvorhersehbaren Anteil der Zukunft brauchen wir höchstmögliche Individualität und Flexibilität. Wenn als Konsequenz von Industrie 4.0 ein beträchtlicher Teil der heute existierenden Berufe verschwunden sein werden, dann müssen flexibel denkende Generationen, die mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet sind, eben neue kreieren.

Wie aber bildet man heute junge Menschen für Jobs aus, die es noch gar nicht gibt?
Hengstschläger:
Ich glaube, wir müssen zwei Intelligenzen noch intensiver fördern. Erstens intrapersonelle Intelligenz. Sie steht dafür, dass jeder wissen muss, was er gut kann und was nicht, welche Stärken und Schwächen er hat und was er will und was nicht. Dafür brauchen wir von klein an bis in die Berufsausbildung hinein neben dem Unterrichten auch institutionalisiertes Scouting von Talenten – das vermisse ich im aktuellen Ausbildungssystem noch zu sehr. Und zweitens braucht man interpersonelle Intelligenz. Das steht für Teamfähigkeit, Empathie, soziale Kompetenzen usw., die unverzichtbar sind, um Probleme der Zukunft wirklich zu lösen.

Wie weit nehmen Sie hier das Bildungssystem in die Pflicht?
Hengstschläger:
Der Slogan des Bildungssystems der Zukunft muss lauten: Mehr Vermittlung von Kompetenzen statt reiner Wissensvermittlung. Wir wissen noch nicht, welche Werke wir in Zukunft brauchen werden, also müssen wir der nächsten Generation die Kompetenzen vermitteln, Hammer und Meißel zu bedienen. Was sie einmal damit machen werden, können wir eben noch nicht vorhersagen.

Der globale Markt und mit ihm die Zukunft der Arbeit ändern sich schneller als je zuvor. Welche Strategien müssen Unternehmen verfolgen, um hier auf der Seite der Gewinner zu stehen?
Hengstschläger:
Auch hierfür gilt Flexicurity, also einerseits auf sichere Projekte setzen, die sich bewährt haben und auch das nötige Kapital schaffen, und andererseits riskante neue Wege immer zusätzlich ausprobieren. Das Verhältnis dieser beiden Komponenten den aktuellen Bedingungen anzupassen ist die Aufgabe der Führungskräfte in Unternehmen. Wer zu wenig riskiert, kann genauso vom Markt verdrängt werden wie der, der zu viel riskiert. Täglich seine Hausaufgaben zu machen, gekoppelt mit Risikobereitschaft und der entsprechenden Fehlerkultur, ist das Rezept für diese Zukunftsstrategie.

Zur Person:

Markus Hengstschläger promovierte mit 24 Jahren zum Doktor der Genetik und wurde mit 35 Jahren Universitätsprofessor. Er leitet das Institut für Medizinische Genetik an der Med Uni Wien und ist als Unternehmer in den Bereichen genetische Diagnostik, F&E und Innovationsberatung tätig. Der vielfach ausgezeichnete Wissenschafter unterrichtet seit über zwei Jahrzehnten und berät Regierungen und Firmen. Er ist Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik, Wissenschaftsmoderator auf Ö1 und Bestseller-Autor („Die Macht der Gene“, „Endlich unendlich“ und „Die Durchschnittsfalle“). 

Das Interview führte  Veronika Pranger

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