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Lehre wird Matura gleichgestellt

Sämtliche Bildungsabschlüsse werden künftig einer achtstufigen Bildungsskala zugeordnet. Die Lehre steht dabei auf Stufe vier – damit soll sie gleichwertig der AHS-Matura werden.

Für die Gleichstellung von beruflicher und schulischer Bildung: Hermann Talowski, Josef Herk und Thomas Mayr (v.l.)
© Foto Fischer Für die Gleichstellung von beruflicher und schulischer Bildung: Hermann Talowski, Josef Herk und Thomas Mayr (v.l.)

Bildungsabschlüsse und Qualifikationen vergleichbar machen: Das ist eines der Hauptziele eines aktuellen Prozesses, der die Wertigkeit von Bildungsabschlüssen abbilden soll. Insbesondere für den Export ist das von entscheidender Bedeutung, da bei vielen Ausschreibungen Bildungsniveaus der Mitarbeiter nachgewiesen werden müssen. Deshalb arbeitet Österreich nun an der Umsetzung des „Nationalen Qualifikationsrahmens“ (NQR), in dem sämtliche Abschlüsse transparent abgebildet sind und damit ein gewisses Bildungsniveau repräsentieren. Im Fall der Lehre ist dies eine bildungspolitische Revolution: Die duale Ausbildung wird im NQR nämlich auf Stufe vier eingereiht und soll damit auf dem selben Niveau wie eine AHS-Matura stehen. „Die Berufsausbildung ist für unseren Wirtschaftsstandort von mindestens gleich hoher Bedeutung wie die Matura oder eine akademische Bildung. Diese Gleichwertigkeit wird nun im NQR auch offiziell anerkannt. Damit wird schulische und berufliche Bildung endlich gleichgestellt“, freut sich WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. Mit dem neuen „Center of Excellence“ wolle man hier die Vorreiterrolle einnehmen.
Zu betonen ist, dass es sich um Gleichwertigkeit und nicht um Gleichartigkeit von Ausbildungen handelt. Das heißt: Ein Lehrabschluss berechtigt weiterhin nicht zum Hochschulstudium, die Wertigkeit beider Abschlüsse soll aber gleich hoch sein. Die Zuweisung an die einzelnen Bildungsniveaus erfolgt dabei in einem komplexen Verfahren. So werden formale Qualifikationen des staatlichen Bildungswesens – wie etwa eben die Matura – ebenso wie nicht-formale Qualifikationen – etwa WIFI-Abschlüsse – eingebunden. An der Darstellung und Bewertung der einzelnen Qualifikationen wird derzeit im Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) gearbeitet. „Maßgeblich für die Niveauzuordnung sind die durch einen Abschluss zertifizierten Lernergebnisse. Diese können sich auf ein Studienfach oder auch auf einen konkreten Beruf beziehen“, erklärt der Geschäftsführer des ibw, Thomas Mayr. Das Resultat ist eine transparente Bewertung von Wissen, egal, ob es auf schulischem oder beruflichem Wege erworben wurde. „Lehrabschlüsse, Meisterprüfungen und andere Qualifikationen der Berufsbildung erfahren so  eine Darstellung und Einstufung entsprechend ihrer Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt“, so Mayr.
Bereits jetzt steht der Abschluss einer berufsbildenden höheren Schule, etwa einer HTL, auf Stufe fünf (siehe rechts unten). Wer in einem Zertifizierungsverfahren seine einschlägige Berufserfahrung nachweisen kann, klettert als „neuer Ingeineur“ sogar auf Stufe sechs (Bachelorniveau). Dies soll künftig auch für alle „Meister“ gelten – sehr zur Freude von Hermann Talowski, dem Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk. „Wir sind eine traditionelle Meistersparte und wollen die nötigen Adaptierungen und Zertifizierungen, insbesondere im Bereich der reglementierten Gewerbe, schnellstmöglich umsetzen.“

Zitate:

Josef Herk: „Damit realisieren wir die langjährige Forderung nach Gleichwertigkeit von Schul- und Berufsausbildung.“
Hermann Talowski: „Gerade für exportorientierte Betriebe ist die internationale Vergleichbarkeit von Ausbildung dringend nötig.“
Thomas Mayr: „Maßgeblich für die Niveauzuordnung sind die durch einen Abschluss zertifizierten Lernergebnisse.“

Mögliche Darstellung des nationalen Qualifikationsrahmens (IBW-Modell):

  • Niveau 2: Mittelschule***, Polytechnische Schule**
  • Niveau 3: Hauswirtschaftsschule**
  • Niveau 4: AHS-Reifeprüfung***, BRP***, BMS**, Lehrabschluss**
  • Niveau 5: BHS-Reifeprüfung und Diplom**
  • Niveau 6: Bachelor*, Ingenieur*, Meister**
  • Niveau 7: Master*, Ziviltechniker**, Baumeister**, Beratender Ing.**
  • Niveau 8: PHD*

(*Bologna-Qualifikationen, **Referenz-Qualifikationen, ***IBW Hypothese/keine Entscheidung)

Aktuelle Zahlen:

  • 6.286 Lehrabschlussprüfungen wurden in der Steiermark im Jahr 2016 positiv abgelegt. 2.654 Schüler machten AHS-Matura.
  • 32,3 Prozent der Schüler in ersten Berufsschulklassen (2015/16) haben zuvor eine berufsbildende mittlere oder höhere Schule oder eine AHS besucht.
  • 35,0 Prozent aller selbständig Erwerbstätigen (2016) hatten als höchste abgeschlossene Ausbildung einen Lehrabschluss. Es folgen Uni (23,4) und BMS (17,7).

Von Klaus Krainer

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