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"Krankenstand ist kein Zusatzurlaub"

Die Wirtschaft fordert ein konsequentes Vorgehen um die Zahl „falscher“ Krankenstände niedrig zu halten. Die GKK hat nun ihre Kontrollen bei Auffälligkeiten verstärkt.

Mann mit verletzter Hand
© Sonja-Birkelbach-Fotolia Der Krankenstand ist für jene da, die Bedarf an Rehabilitation haben – aber er ist kein zusätzlicher Urlaub.
Fast fünf Millionen Krankenstandstage jährlich zählte man zuletzt in der Steiermark. Gleichzeitig geistern immer wieder Geschichten durch die Medien, die Fälle dokumentieren, in denen Krankenstände quasi als „Zusatzurlaube“ ausgenützt werden. Das sorgt bei vielen Unternehmern für Bluthochdruck. Nicht zuletzt deshalb hat die Gebietskrankenkasse (GKK) in der Steiermark in den letzten Jahren verstärkt kontrolliert.
„Vorweg sei eines gesagt: Wer krank ist, ist krank und muss in Österreich in dieser Zeit nicht zur Arbeit erscheinen“, sagt GKK-Vizeobmann und Unternehmer Vinzenz Harrer.  Für die meisten Beschäftigten sei ohnehin selbstverständlich, nur bei echtem Bedarf zu Hause zu bleiben. Die „schwarzen Schafe“ versucht man aber mit den Kontrollen aufzuspüren. „Das sichert das System ab und ist im Interesse aller, vor allem der fleißigen Mitarbeiter, denen es nicht einfallen würde, sich einen Krankenstand zu erschleichen“, erklärt Harrer. „Daher ist es eine zentrale Aufgabe der Sozialversicherung, dafür Sorge zu tragen, dass kein Missbrauch stattfindet“, sagt Harrer.
In der Praxis funktioniert das so: Ein Computer bewertet jede Krankmeldung auf Basis der Krankengeschichte, der Diagnose und des Alters und erstellt aus dieser Analyse Vorladungen zur chefärztlichen Untersuchung. Zuletzt wurden 206.000 solcher Vorladungen jährlich verschickt, 111.000 Untersuchungen tatsächlich durchgeführt. Die Differenz ergibt sich meist daraus, dass die Erkrankten bereits vor dem zugewiesenen Termin wieder arbeitsfähig gemeldet sind und deshalb nicht mehr erscheinen müssen – schließlich dauern die meisten Krankenstände nur bis zu sieben Tage (siehe Grafiken oben).

Zusätzlich werden die Kranken auch zu Hause besucht und  dabei kontrolliert, ob die ärztlichen Vorgaben – etwa eine Bettruhe – auch eingehalten werden. Harrer: „Der Krankenstand ist für jene da, die Bedarf an Rehabilitation haben – aber er ist kein zusätzlicher Urlaub, den man einfach so konsumieren kann.“ Mehr als 11.000 Mal jährlich haben die Mitarbeiter der GKK deshalb zuletzt an die Türen der Versicherten geklopft. Wer mit der Sozialversicherung nicht kooperiert, handelt sich damit große Probleme ein (siehe Interview rechts).


Verstärkte Kontrollen bei Auffälligkeiten


Im Großen und Ganzen funktioniere dieses System sehr gut, weiß Harrer. Allerdings könne man immer noch ein wenig nachschärfen – etwa bei auffälligen Mehrfachkrankenständen. „Hier geht es darum, die Gründe für die Häufungen noch kritischer zu hinterfragen“, erklärt Harrer. Wer tatsächlich aufgrund gesundheitlicher Probleme häufiger im Krankenstand ist, könne dadurch einerseits stärker in die medizinische Betreuung kommen. Andererseits könne man so vorgetäuschten Krankenständen einen Riegel vorschieben. Außerdem brauche es für die Ärzteschaft mehr Informationen über die Wirtschaft, sagt Harrer: „Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel, dass die Menschen wirklich ab jenem Tag wieder als arbeitsfähig eingestuft werden, an dem sie gesund sind –  und nicht erst per nächstem Montag.“ Häufig würden Ärzte etwa gar nicht daran denken, dass Patienten, die donnerstags oder freitags in ihre Praxis kommen, am Wochenende in ihren Betrieben gebraucht würden – etwa in der Gastronomie oder in Dienstleistungsbranchen. „Wenn der Arzt aber erst per Montag gesundschreibt, heißt das für die Betriebe, dass ein eigentlich gesunder Mitarbeiter am Wochenende nicht eingesetzt werden kann“, sagt Harrer. Außerdem soll auch bei Ärzten, die auffällig häufig Krankschreibungen ausstellen, künftig stärker kontrolliert werden: Hier sind auch sogenannte „Mystery Shopping“-Modelle angedacht.
Seitens der GKK will man aber vor allem mit Informationen auf die Ärzteschaft einwirken – und so auch das Problembewusstsein schärfen.

Interview mit GKK-Obfrau Verena Nussbaum

Welche Konsequenzen gibt es, wenn Versicherte im Krankenstand ärztliche Anweisungen nicht befolgen?
Nussbaum: Die Folgen können gravierend sein. So kann die GKK nach vorheriger Verwarnung etwa das Krankengeld ruhend stellen. Bleibt ein Versicherter unentschuldigt einer Ladung fern, kann er mit dem Tag der Vorladung als arbeitsfähig gemeldet werden, was zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen kann.  Wie können Betriebe die Zahl der Krankenstände niedrig halten?
Mitarbeiter, die sich am Arbeitsplatz wohl fühlen, sind motivierter, leistungsfähiger und viel seltener krank. Betriebliche Gesundheitsförderung schafft also eine Win-Win-Situation, dafür gibt es mittlerweile sehr viele gute Beispiele.
Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit der GKK mit der Wirtschaft?
Die Kooperation ist sehr gut. Das geht nicht zuletzt aus der Tatsache hervor, dass alle Entscheidungen der letzten Jahre im Vorstand und in der Kontrollversammlung einstimmig gefällt wurden. Auch die Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Wirtschaft klappt ausgezeichnet.

Zitat Vinzenz Harrer:

„Die Kontrollen sind im Interesse aller, vor allem aber der vielen fleißigen Arbeitnehmer.“

Von Klaus Krainer


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