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"Können zur Warenquelle für Südosteuropa werden"

Logistik boomt: Im Vorfeld der ersten „Logistics Business Expo“ auf der Messe Graz hat die „Steirische Wirtschaft“ deshalb heimische Fachleute zu einem „runden Tisch“ geladen und eine Branche sowie ihre Chancen ausgelotet.

Die Diskutanten beim runden Tisch: F. Bauer-Kieslinger, G. Haas, A. Ferstl, P. Umundum, B. Eibinger-Miedl, J. Herk, Ch. Steindl und A. Egger (von links)
© Fischer Die Diskutanten beim runden Tisch: F. Bauer-Kieslinger, G. Haas, A. Ferstl, P. Umundum, B. Eibinger-Miedl, J. Herk, Ch. Steindl und A. Egger (von links)

Wenn am 9. und 10. November in der Messehalle A in Graz internationale Leitbetriebe und Experten bei der ersten „Logistics Expo“ zusammenkommen (mehr dazu umseitig), ist dies eine direkte Folge der Digitalisierung: Immer mehr Konsumenten kaufen im Internet ein. Immer mehr Pakete müssen zum Endverbraucher geliefert werden. Immer mehr Unternehmen sind im Export tätig. Immer mehr  Produkte müssen von A nach B kommen. Immer mehr Menschen arbeiten in diesem Sektor. Immer mehr internationale Logistikgrößen errichten Auslieferungsdrehscheiben an der A9 nahe dem „Cargo Center Graz“. Immer mehr – immer mehr: Die heimische Logistikbranche hat sich in den vergangenen Jahren zu einem rasant wachsenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Das gilt es einerseits einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen – und andererseits für die Zukunft der Steiermark zu nutzen, wie ein „runder Tisch“ mit absoluten Branchenkapazundern auf Einladung der „Steirischen Wirtschaft“ in der vergangenen Woche zeigte.

Die bloßen Zahlen (siehe auch Seite I) sprechen für sich, wenn sie auch der Bevölkerung noch nicht bewusst sind. „Logistik ist mehr als nur der Transport von Waren von A nach B. Sie ist in allen Branchen, ohne sie geht heute gar nichts mehr. Logistik wird immer mehr zum Zündstoff einer modernen und prosperierenden Wirtschaft“, eröffnet der Obmann der Sparte Transport und Verkehr, der Speditionsunternehmer Alfred Ferstl. Kaum jemand stelle sich die Frage, wie per Mausklick bestellte Dinge binnen Stunden bis zur eigenen Haustür geliefert werden können. Dahinter steckten längst Hightech-Anlagen und technologisch fordernde Berufe. „Das Bild vom staubigen Lager hat mit der Realität von heute nichts mehr zu tun“, bekräftigt Ferstl.

Der „schmutzige“ Lkw ist längst passé
Ebenso veraltet sei das Bild des „bösen Lkw“, sagt etwa der Leiter des Gebrüder-Weiss-Standortes in Graz, Gerhard Haas: „Ich denke, das ist ein Bild aus den Medien, das überzeichnet war und ist. Ohne den Lastkraftwagen hätten wir nicht unseren Wohlstand – und das ist sehr vielen Menschen durchaus bewusst, vor allem in der Wirtschaft“, sagt Haas. Dennoch sei es eine wichtige Aufgabe, effiziente und nachhaltige Systeme für die Zukunft zu entwickeln, so Haas. Dabei müsse man zwischen B2B- und B2C-Bereichen klar differenzieren. „Magna hat ganz andere Anforderungen als ein Privathaushalt“, gibt Haas zu bedenken. Für beide gelte es, maßgeschneiderte Lösungen zu finden, denn die Branche werde weiter stark wachsen.

Amazon explodiert, Alibaba ist am Start
Stichwort Wachstum. „Amazon wächst in Österreich derzeit mit 40 Prozent – und der chinesische Konkurrent Alibaba ist am Markt ebenfalls bereits spürbar“, bekräftigt der Vorstand der Österreichischen Post AG, Peter Umundum. Sein Unternehmen verzeichne derzeit ein Plus von 15 Prozent im Paketgeschäft – und schon jedes zweite davon komme aus dem Ausland. „Das sind absolute Megatrends, die sich hier abzeichnen. E-Commerce, oder weiter gegriffen die Digitalisierung, verändert alles“, sagt Umundum. Das bringe große Herausforderungen mit sich, die aber auch bisher ungeahnte Chancen für den Standort Steiermark beinhalteten. Die Märkte würden zusehends globaler, was die Exportquoten weiter steigen lassen werde. Allerdings sei es nötig, Weichenstellungen vorzunehmen. „Wir müssen unsere Cross-Border-Anbindungen stärken – nicht nur mit dem Rest von Europa, sondern global. Wir müssen in die IT-Ausbildung investieren, um die entstehenden Arbeitsplätze auch mit qualifizierten Mitarbeitern besetzen zu können. Und wir müssen in CO₂-freie Mobilität und autonomes Fahren investieren“, erklärt Umundum. Gerade bei der Bildung sei die Steiermark schon enorm stark, betont er. „Es ist ja kein Zufall, dass zwei absolute Weltmarktführer in der Logistikautomatisierung, Knapp und SSI Schäfer, hier in der Steiermak sitzen“, betont Umundum.

Digitalisierung bringt viele neue Arbeitsplätze
Dieses bereits vorhandene Know-how gelte es weiter zu stärken. „Dann kann es gelingen, Österreich als Warenquelle für ganz Südosteuropa zu positionieren: Während in Westeuropa die Felle weitgehend verteilt sind, geht es in Südosteuropa erst los – und die Logistikwirtschaft  wird sich dort ansiedeln, wo es das nötige Wissen gibt.“
Für eine derartige Ausrichtung hat die Steiermark nicht zuletzt auch aufgrund ihrer geographischen Lage enormes Potenzial. Die Stärkung der Südbahn mit Semmering- und Koralmtunnel bringt unserem Bundesland zusätzlichen Auftrieb. Dennoch gebe es auch diesbezüglich noch viel zu tun, sagt etwa der Geschäftsführer des Cargo Center Graz, Christian Steindl. „Für uns ist der Ausbau der Strecken zu den Häfen in Koper und Triest essentiell. Dort wird enorm investiert. Die Steiermark kann sich dabei als Idealstandort für die Verteilung positionieren. So können wir es auch schaffen, dass durch die Digitalisierung hier bei uns viele neue Jobs entstehen“, sagt Steindl. Damit spricht er die sogenannte „Hub and Poke“-Funktion in der Logistik an: Auslieferungslager sind demnach nicht am Ausgangspunkt – etwa Häfen – sondern nahe an Ballungszentren ideal. Natürlich brauche es dorthin leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. „Darum dürfen wir uns jetzt nicht mit der Koralmbahn zufriedengeben. Die A9 wird schon demnächst ein Problem und wir müssen auch sofort in die Planung für eine neue Pyhrn-Schober-Achse auf der Schiene starten, denn bekanntlich dauern solche Projekte in Österreich gleich einmal 30 Jahre“, sagt Steindl.

Zusammenarbeit bringt uns in den „Driving Seat“
Gepaart mit moderner Infrastruktur, sei es aber vor allem die Ausbildung und Weiterqualifizierung der Arbeitskräfte, die den Ausschlag für die Steiermark geben könnte. „Wir müssen uns im Klaren sein, was hier global gerade passiert“, sagt Franz Bauer-Kieslinger, Geschäftsführer der SSI Schäfer-IT in Friesach. „Die großen Konzerne, die Amazons, die Alibabas, die Walmarts, investieren Milliarden in ihre Logistik. In Minneapolis ist gerade erst wieder eine neue E-Commerce-Anlage um 100 Millionen Euro gebaut worden. Die Kunden wollen ihre Waren immer schneller – binnen Stunden. Und sie wollen keine Probleme bei der Zustellung. Wer das garantieren kann, wird das Geschäft machen“, sagt Bauer-Kieslinger. Logistik wird damit zur Hochtechnologie und Standortfrage. „Um hier einerseits partizipieren zu können und andererseits nicht von drohenden Monopolstellungen der großen Konzerne abhängig zu werden, muss man investieren. Die Steiermark hat im Logistikbereich heute schon eine Kompetenzhäufung, deshalb sind wir auch hier“, sagt Bauer-Kieslinger. Jetzt gehe es darum, die Kräfte aller Know-how-Träger – Universitäten und Wirtschaft – zu bündeln, die Bildung weiter zu stärken und vor allem den Menschen auch klarzumachen, welch große Chance dies für die Steiermark darstelle. „Das noch immer weit verbreitete Bild des schmuddeligen Lagers muss aus den Köpfen raus. Logistik ist ein sexy Business geworden, wir sind weltweit und im High-Tech-Bereich unterwegs und heute eine der attraktivsten Branchen. Deshalb müssen wir uns in der Steiermark jetzt gemeinsam in den ,Driving Seat‘ setzen und diesen Sektor mitentwickeln“, fordert Bauer-Kieslinger.

Innovationskraft als Trumpf-Ass der Steirer
Im Forschungsbereich bringt die Steiermark – auch mit ihren Schwerpunkten, etwa in der Frage des autonomen Fahrens – bereits gute Voraussetzungen mit. „Als Top-Forschungsstandort in Europa mit der höchsten F&E-Quote aller EU-Regionen können wir Steirer in Zukunft hier sicherlich ein gewichtiges Wort mitreden“, betont Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl. Zwar seien die Digitalisierung und ihre Auswirkungen bislang in der Politik unterrepräsentiert gewesen, was sich aber langsam ändere. Der Ausbau von flächendeckendem Breitbandinternet schreite voran, auch im Bereich des Innovationsmanagements und Innovationsrechts entwickle sich die Steiermark in die richtige Richtung. Nachholbedarf sieht die Landesrätin – ebenso wie alle anderen Experten – im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. „Den Leuten ist überhaupt nicht bewusst, wie viel Technik in der Logistik steckt“, sagt Eibinger-Miedl.

Steirische Logistikerin fährt zur Berufs-WM
Vor allem im Hinblick auf eine ausreichende Zahl an Arbeitskräften müsse sich das schleunigst ändern, sagt WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. „Es ist wichtig, über die Zukunft zu reden. Die Post testet ja bereits die Paketzustellung mit Robotern und Drohnen. Die Technik wird sich nicht nur weiterentwickeln – das wird explodieren“, ist sich Herk sicher. Gerade in der Ausbildung junger Menschen müsse man daher ansetzen, Qualifizierungen vernetzen, die IT-Kenntnisse schärfen und Programmiersprachen sprichwörtlich auf das Prioritätsniveau der Muttersprache heben. „Logistik ist ein Beruf der Zukunft“, sagt Herk. Deshalb freue er sich, dass mit der Speditionskauffrau Sarah Ruckenstuhl von DHL Freight Austria in Kalsdorf Ende Oktober erstmals eine steirische Fachkraft aus diesem Wirtschaftssektor zu den WorldSkills – den Berufsweltmeisterschaften – nach Abu Dhabi fährt. Sie sei damit die Speerspitze der jährlich rund 200 weiß-grünen Jugendlichen, die einen Lehrabschluss in der Logistikbranche erreichen.
„Alles in allem ist diese Entwicklung eine riesige Chance für die Steiermark, die wir uns aber nicht durch hausgemachte Probleme vermasseln dürfen“, warnt Herk. „Wenn die Umsetzung von Infrastrukturprojekten, wie etwa der Ausbau der Pyhrn-Schober-Achse, wieder so lange dauert wie beim Semmering- oder Koralmtunnel,  wo es 36 Jahre waren, werden diese Logistikhubs ganz sicher nicht bei uns entstehen.“ Die Verfahrensdauer solcher Großprojekte sei sehr besorgniserregend. „Hier sehe ich die Politik gefordert, den Bürokratiesumpf möglichst schnell trockenzulegen“, so Herk, denn eines sei klar: Die globale Wirtschaft wird sich in diese Richtung bewegen – mit oder ohne Steiermark. „Wenn wir scheitern, weil wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben, ist das fahrlässig gegenüber unseren Jugendlichen.“

Erste Logistikmesse mit Expertenforum in Graz
Um nun in einem ersten Schritt die vorhandenen Kräfte in der Steiermark zusammenzubringen, findet am 9. und 10. November in der Messehalle A in Graz die erste „Logistics Business Expo“ statt. Dabei treffen nationale und internationale Entscheidungsträger aufeinander, die zwei Tage lang Distributionstechnologien, Dienstleistungen sowie Materialflüsse entlang der gesamten Logistik-Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt rücken. Darüber hinaus findet flankierend die Fachtagung „Logistikforum Graz“ statt, die die Leitveranstaltung für Supply Chain und Logistik des VNL (Verein Netzwerk Logistik) in Südösterreich ist. Zahlreiche Top-Referenten aus Industrie, Handel und Forschung werden dabei innovative Logistikkonzepte und adäquat gestaltete Supply Chains, die eine klare Differenzierung gegenüber dem Mitbewerb schaffen, präsentieren. „Mit dieser ersten Fachmesse wollen wir unsere steirischen Hidden Champions auf die Bühne stellen und eine ganz neue Logistikdrehscheibe schaffen“, erklärt Messe-Graz-Chef Armin Egger. „Die vielen Gespräche mit den Playern der Branche haben uns gezeigt, dass wir eine Plattform brauchen, um unser steirisches Know-how nach außen zu tragen“, so Egger. Es gelte, die Steiermark zum Nutznießer der Megainvestitionen etwa in die Häfen Koper und Triest   zu machen und die bereits vorhandenen Ressourcen schnell und effizient zu nützen. „Wir müssen uns jetzt in den Sattel klemmen und losreiten“, sagt Egger.


Logistik ist das „Schmiermittel“ unserer Wirtschaft: Ohne sie stünde alles still. Ein Blick hinter die Kulissen einer unterschätzten Hightech-Branche:

Exakt 5.438 Lastkraftwagen wurden 2016 in der Steiermark neu zugelassen. Ein neuer Rekord, der eine offensichtliche, aber wenig beachtete Entwicklung aufzeigt: Der Transport von Waren wird immer wichtiger. Insgesamt gibt es heute in der Steiermark mit rund 65.000 Lkw um etwa 10.000 mehr als noch im Jahr 2010. Die Zahl der Beschäftigten in der Branche ist seither um 1.400 auf rund 11.300 gestiegen. Im Güterbeförderungsgewerbe verzeichnete man ein Plus von 11,9 Prozent, in „Spedition und Logistik“ sogar von 25,3 Prozent.

Aber was genau bedeutet „Logistik“? „Es ist jedenfalls mehr als der reine Transport von A nach B“, erklärt der Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der WKO Steiermark, Alfred Ferstl. Logistik sei die Summe vieler einzelner Schritte zwischen der Auftragsannahme beim Erzeuger und der Übergabe an den Verbraucher. Anno 2017 spielen dabei Automatisierungstechnik und Warenmanagement eine entscheidende Rolle: Die Digitalisierung hat in diesem Bereich voll durchgeschlagen und, wie an den Beschäftigtenzahlen deutlich abzulesen ist, ganz konkrete neue Jobs gebracht. Diese Arbeitsplätze jedoch haben sich verändert: Während vor Jahren in staubigen Lagern noch schwere Lasten auf Ladeflächen gehievt wurden, sind heute Hightech-Lagerlogistiksysteme – etwa von den steirischen Weltmarktführern Knapp und SSI Schäfer – im Einsatz. Die Anforderungen an die Mitarbeiter haben sich dabei stark erhöht. 

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