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König Fußball regiert im Land des Zaren

Bis zum WM-Finale am 15. Juli steht Russland international im Rampenlicht und will sich dabei von seiner weltoffenen Seite zeigen. Doch was ist unter den derzeitigen Umständen wirtschaftlich möglich? Eine Analyse.

St. Petersburg: Die zweitgrößte Stadt hat das zweitgrößte Stadion – 68.000 Fußballfans finden hier Platz.
© Roman Kitashov St. Petersburg: Die zweitgrößte Stadt hat das zweitgrößte Stadion – 68.000 Fußballfans finden hier Platz.
Deutschland? Frankreich? England? Egal, wer am 15. Juli im WM-Finale stehen wird: Es dürfte dadurch auch zu einem brisanten Gipfeltreffen kommen. Denn egal, ob Russlands Vladimir Putin mit Angela Merkel, Theresa May, Emanuel Macron oder einem anderen internationalen Staatschef auf der Ehrentribüne sitzen wird: In geopolitisch turbulenten Zeiten ist damit nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf dem diplomatischen Parkett ein hochklassiges Spitzenspiel zu erwarten. Und das hat große Bedeutung für die Wirtschaft.
Denn Russland mit seinen 150 Millionen Einwohnern ist ein interessanter Markt. Gerade die rot-weiß-rote Wirtschaft zeigte sich deshalb ob der guten Beziehungen zu Russland über die 2014 verhängten Sanktionen wenig begeistert. Laut einer Studie des WIFO kosteten die Beschränkungen Österreich bis Ende 2016 bereits 1,5 Milliarden Euro. Darum hofft so mancher, dass die Weltmeisterschaft wieder frischen Wind in die Beziehungen mit dem Westen bringt. „Russland hat während der WM die Chance, ein differenzierteres und positiveres Bild seiner selbst zu transportieren“, erklärt der österreichische Wirtschaftsdelegierte im Außenwirtschaftscenter Moskau, Rudolf Lukavsky, auch wenn mit einer unmittelbaren Lockerung der Sanktionen nicht zu rechnen sei. Dennoch: „Sportliche Großereignisse können in schwierigeren Zeiten Brücken bauen“, so Lukavsky.

Stichwort Brücken: Vom Rekord-WM-Budget mit etwa zwölf Milliarden Euro flossen im Vorfeld „nur“ etwa 30 Prozent in Sportstätten. Sechs Milliarden Euro steckte Russland in die Verbesserung seiner Infra­struktur. Ausländische Firmen haben von diesem Kuchen jedoch nur ein kleines Stück abbekommen, da neben dem ungünstigen Rubelkurs dies auch durch Putins politische Vorgaben weitgehend verhindert wurde. Für Österreichs Betriebe gab es aber doch einige Aufträge: So färbte etwa die Gabriel-Chemie (NÖ) fast alle Stadionsitze. Die Gotschlich GmbH (W) lieferte Drehkreuze für Stadien und U-Bahnen, von Hawle (OÖ) kamen Schwerarmaturen und Feuerhydranten. Schrack-Seconet (W) installierte Brandschutzsysteme in zwei Stadien, Skidata stattete in Moskau (Spartak) und Saransk die Stadien mit Zugangssystemen aus. Die „Steirische Wirtschaft“ stieß bei ihren Recherchen aber auch auf zwei steirische Unternehmen, die nicht genannt werden wollen: Sie befürchten, sich durch ihr Engagement in Russland Repressionen auf dem amerikanischen Markt auszusetzen. So spielt Donald Trumps „America first“-Politik bei der WM auch eine Rolle, obwohl die USA sportlich gar nicht qualifiziert sind.
Die russische Regierung erhofft sich bis 2023 durch die Investitionen einen zusätzlichen Effekt von bis zu 2,8 Milliarden Euro jährlich. Schon seit 2013 hat das BIP mit einem Plus von rund einem Prozent jährlich profitiert. Zuletzt habe sich das auch in den wirtschaftlichen Beziehungen zu Österreich wieder deutlich niedergeschlagen, weiß Russland-Expertin Christina Ulrich vom Internationalisierungscenter Steiermark. „Wir spüren in den letzten zwölf Monaten eine deutliche Trendumkehr, und das vor allem im KMU-Bereich.“ Das lässt sich mit  Zahlen untermauern: 2017 ist der Handel mit Russland auf 4,95 Milliarden Euro gestiegen – ein Plus von 13,8 Prozent gegenüber 2016. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 7,28 Milliarden Euro.


Die Fußball-WM in Zahlen:

1.698.049 Tickets wurden in den ersten zwei (von insgesamt drei) Vertriebsphasen verkauft. Die letzte Phase läuft noch, eine offizielle Gesamtzahl liegt noch nicht vor.

2.428.000.000 US-Dollar an Einnahmen erzielte die FIFA bei der letzten Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien – nur aus den weltweiten Fernsehrechten.

344.000.000 Euro schüttet die FIFA diesmal an die 32 teilnehmenden Verbände aus. Allein die Prämie für den Gewinn des WM-Titels beträgt 32,3 Millionen Euro.

582.180 Fans haben in den zwölf WM-Stadien an den elf Austragungsorten insgesamt Platz. In Moskau gibt es zwei Stadien: Luzhniki und Spartak.

Wie die WM auch auf die Steiermark wirkt:

Kelly’s, eine der wichtigsten heimischen Marken für Knabbereien mit Produktionsstätte in Feldbach, erwartet sich während der WM – „dem Snackanlass schlechthin“ – auf Basis von Erfahrungen der letzten Großereignisse ein Umsatzplus von bis zu 30 Prozent.

Der Elektronikfachhandel  rechnet mit einem Absatzplus bei Fernsehern im zweistelligen Prozentbereich. Aber auch Unternehmen, die noch Fernseher reparieren – wie der Elektronikpartner Roland Stessl in Fürstenfeld – sind im Stress: „Durch die Unwetter der letzten Wochen stapeln sich die Geräte bei uns – und alle wollen ihren Fernseher pünktlich zu WM-Beginn wieder zurück.“

Im Flugverkehr bekommt man es in Russland ebenfalls mit steirischen Produkten zu tun: So hat etwa die Firma Ames mit dem wichtigsten Flugzeug-Innenausstatter Russlands, Vemina Aviaprestige, einen Kooperationsvertrag, der unter anderem den Marktführer AeroFlot ausstattet.

Abseits der WM pflegen viele steirische Firmen Beziehungen zu Russland, etwa in der Autoindustrie (AVL) und im Anlagenbau (GAW). Aber auch in der Messtechnik ist Steirer-Know-how gefragt: So hat etwa die Kumberger Dewesoft seit fünf Jahren eine Niederlassung in St. Petersburg.

Von Klaus Krainer

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