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"Klimapakt" für die Trendwende

Energische Forderungen: Beim „Klimagipfel“ der Wirtschaftskammer Steiermark und der TU Graz wurde die globale Energiezukunft beleuchtet. Die OMV drängt auf einen Klimapakt der Politik mit der Wirtschaft, weitere Ansätze stehen im Raum.

Mehr als 400 Interessierte beim Energytalk: Volles Haus im Europasaal der WKO Steiermark.
© Foto Fischer Mehr als 400 Interessierte beim "Energytalk": Volles Haus im Europasaal der WKO Steiermark.

Nicht nur die heimische Wählerschaft scheint seit der letzten Nationalratswahl von der Klima-Debatte elektrisiert, auch die heimische Wirtschaft steht unter Strom: Die richtigen Fragen, mögliche Antworten und neue Technologien (siehe dazu unten auch neue steirische Beiträge) auf die Klimaerwärmung wurden nun im Rahmen einer Veranstaltung von nationalen Wirtschaftskapitänen im Europasaal der WKO Steiermark breit diskutiert.  

Klare Zielvereinbarungen zwischen Politik und Wirtschaft


Einhellige Meinung: Das „Mosaik“ Energiezukunft bedarf vieler unterschiedlicher Maßnahmen – und vor allem „Quick Wins“, also schnell umsetzbarer Maßnahmen, wie vor allem OMV-Generaldirektor Rainer Seele betont. Ein gemeinsamer Klimapakt, also eine klare Zielvereinbarung, zwischen Politik und Wirtschaft  sei dafür notwendig, meint Seele. Denn: Die Schwäche des Pariser Klimaabkommens sei es, dass die Wirtschaft nicht gefragt worden sei, „was sie wirklich leisten kann“, sagt Seele.  

Fünf Maßnahmen zum Ziel


Daher fasst die „Steirische Wirtschaft“ die fünf wichtigsten Maßnahmen laut Diskussion als Schritt-für-Schritt-Anleitung in fünf Akten zusammen:

  1. Wenn Europa bei der Reduktion der CO₂-Emissionen rasche Erfolge sehen wolle, müsse man den Kohleverbrauch senken, betont OMV-General Seele: „Wir müssen aufhören damit, dass wir die Kohle irgendwie künstlich subventionieren.“ Stattdessen fordert Seele, Erdgas wieder „mehr Chancen einzuräumen“. Das Potenzial sei groß.
  2. Die Mobilität muss diversifiziert und möglichst  klimaneutral stattfinden – davon sind die Diskutanten überzeugt. Allen voran AVL-CEO Helmut List: „Wir sind dabei, die Brücke zwischen nicht-fossiler Energie und der Fahrzeugindustrie zu schlagen.“ Im urbanen Bereich sei die E-Mobilität auf der Überholspur, doch mit Wasserstoff (AVL beschäftigt bereits 400 Mitarbeiter in diesem Bereich) und synthetischem Diesel gebe es noch weitere „spannende und CO₂-neutrale Antriebstechnologien“, sagt List. Seele pflichtet bei: „Der Antrieb der Zukunft ist nicht nur eine Technologie. Wir müssen den urbanen Wandel zur E-Mobilität forcieren.“ Auch im Wasserstoff sieht Seele – ähnlich wie List – viel Potenzial: „Wir dürfen diese Technologie nicht den Japanern überlassen.“ In der Schifffahrt ortet der OMV-General indes auch viel Potenzial in Diesel bzw. LNG („Liquified Natural Gas“, Anm.)
  3. Die Planungshorizonte müssen stark eingeschränkt werden: „Ein Klimapaket, das bis 2050 umgesetzt werden soll, ist sinnlos“, bringt es AT&S-CEO Andreas Gerstenmayer auf den Punkt. Beim Leobener Leiterplattenhersteller laute daher das Ziel, „bis 2030 in Richtung CO₂-neutrale Produktion zu gehen“. Diesem Ziel kommt AT&S kontinuierlich näher: Schon jetzt sind rund 80 Prozent des Energieverbrauchs bei AT&S in Österreich CO₂-neutral, „in China ist das aber komplexer“, sagt der AT&S-Boss. 
  4. Neue rechtliche Rahmenbedingungen brauche das Land, ist sich Seele sicher. Vor allem für das (umstrittene) „Carbon Capture & Storage“, also die unterirdische Speicherung von CO₂. „Wir benötigen eine höhere Akzeptanz für diese neuen Technologien“, fordert der OMV-Chef. Als Hintergrund: Das Verfahren erlaubt die Abtrennung bzw. Anreicherung von CO₂ (z. B. aus dem Abgasstrom bei einer Verbrennung) und die eigentliche Injektion bzw. Speicherung in unterirdischen Lagerstätten. 
  5. Die klimatische Trendwende ist längst auch volks- und betriebswirtschaftlich notwendig: „Wir steuern auf eine Klima-Erwärmung von drei bis fünf Grad Celsius pro Jahr zu, wenn wir nicht sofort reagieren. Allein die Anpassungskosten dafür belaufen sich auf etwa 500 Milliarden Dollar“, weiß Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber vor. Soll heißen: „Wir müssen die Klimadebatte auch auf eine ökonomische Ebene reduzieren“, betont Anzengruber. Dass der ökonomische Aspekt des Klimawandels auch die Banken bereits erreicht hat, zeigt Michael Lackner von PwC Österreich auf: „Erstmals wurde unlängst ein Kredit vergeben, dessen Preisgestaltung sich an einem Nachhaltigkeitsrating orientiert.“ Banken könnten also künftig günstigere Kredite vergeben, wenn eine höhere Nachhaltigkeit gegeben ist.

Expertenrunde zur
© Foto Fischer Expertenrunde zur "Energiezukunft Österreichs im Lichte der globalen Entwicklungen" (v.l.): Horst Bischof, Josef Herk, An­dreas Gerstenmayer, Helmut List, Rainer Seele, Wolfgang Anzengruber und Michael Lackner.

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