th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing whatsapp wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery icon-flickr icon-youtube icon-instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

"Jahrhundertchance für Güterlogistik"

Weniger CO₂-Emissionen und die Transformation der Güterlogistik: Welche Chancen der Neubau des Bosrucktunnels bietet, erzählt ÖBB Holding-CEO Andreas Matthä im Interview mit der "Steirischen Wirtschaft".

Andreas Matthä (*20. 9. 1962) ist seit Mai 2016 Vorstandsvorsitzender der ÖBB Holding.
© ÖBB-Jankwerth Andreas Matthä (*20. 9. 1962) ist seit Mai 2016 Vorstandsvorsitzender der ÖBB Holding.

Die Pyhrn-Schober-Achse soll als wichtige Nord-Süd-Verbindung ausgebaut werden – auch mit einem neuen Bosrucktunnel bis 2040. Was war für die Entscheidung des Neubaus ausschlaggebend?

Andreas Matthä: Die langfristige Absicherung des Standortes, der gemeinsam mit der Industrie getragene Wunsch nach einer Stärkung der Schienen-Infrastruktur, die Dynamik des globalen Welthandels und nicht zuletzt auch der Kampf gegen den Klimawandel: All diese Faktoren machen den Ausbau der Pyhrn-Schober-Achse und den damit verbundenen Neubau des Bosruckeisenbahntunnels unbedingt erforderlich. Das Ziel lautet daher, den Bosrucktunnel bis 2040 und die Schienen-Logistik durch einen Ausbau gegenüber der Straße wettbewerbsfähiger zu machen – auch mit Blick auf die Klimaziele: Der Neubau ist die Chance, die CO₂-Emissionen in Österreich weiter zu reduzieren.

Welche nächsten Schritte sind konkret geplant?

Zunächst braucht es geologische Gutachten, erst danach kann man auch eine realistische Kostenabschätzung abgeben. Danach haben wir ein Zwei-Phasen-Konzept aufgesetzt. Phase eins heißt selektiver, zweigleisiger Ausbau vor allem im oberösterreichischen Raum – um eine Kantenzeit zwischen Linz und Selzthal von 75 Minuten zu erreichen. Phase zwei umfasst den Neubau des Bosrucktunnels, der eine Kantenzeit von 60 Minuten ermöglichen soll.

Inwieweit kann damit eine Verlagerung der Logistikströme von der Straße auf die Schiene gelingen?

Im Güterverkehr entscheidet der Preis – eine Verlagerung der Logistikströme von der Straße auf die Schiene, welche aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, scheitert daher aktuell noch zu oft aus ökonomischen Gründen. Daher gilt: Eine leistungsstarke Schieneninfrastruktur, die Indus­trieräume auch grenzüberschreitend verbindet, ist primär entscheidend, um Logistikströme auf Schiene zu bringen – allerdings brauchen wir auch endlich eine Kostenwahrheit.

Was meinen Sie damit?

Österreich will ein Bahn-Transportland werden und kein Lkw-Transitland bleiben. Von einem Drittel sollen künftig zwei Drittel der Güterströme auf der Schiene unterwegs sein – das kann nur passieren, wenn wir gleiche und faire Voraussetzungen für alle schaffen. Als Vergleich: Der Transport auf der Straße wird zu einem Drittel von der Allgemeinheit gefördert.

Inwiefern?

Es fließen Hunderte Millionen in Lärmschutzmaßnahmen. Außerdem profitieren die Unternehmen allein in Österreich von einem Dieselprivileg in einer Größenordnung von 700 Millionen Euro, während der zu 100 Prozent umweltfreundliche Bahnstrom so hoch besteuert wird wie nirgendwo in Europa. Nur als Vergleich: Das im Luftverkehr nötige Kerosin wird gar nicht besteuert. Bekommen wir diese Wettbewerbsverzerrung noch besser in den Griff, entsteht mit dem Neubau des Bosrucktunnels eine Jahrhundertchance für die Güterlogistik. 

Mit dem Semmering- und Koralmtunnel gibt es in der Steiermark aktuell zwei Jahrhundertprojekte. Wie ist der ­Status quo?

Der Semmering-Basistunnel zählt aufgrund der herausfordernden geologischen Bedingungen zu den komplexesten Tunnelbauwerken  in Europa. Auf vier Baustellen entstehen zahlreiche Zugänge und Schachtsysteme, die Menschen, Maschinen und Material sicher unter die Erde transportieren. Aktuell wird mit Hochtouren am künftigen Westportal im Bereich des Bahnhofs Mürzzuschlag gearbeitet. Im Koralmtunnel erwarten wir in den nächsten Monaten den Tunneldurchschlag der Nordröhre – damit werden dann alle Vortriebsarbeiten abgeschlossen sein.

Auch mit steirischem Know-how?

Die traditionell mobilitätsstarke Steiermark ist insbesondere im Infrastrukturbereich als Zulieferer tätig: So werden intelligente Weichensysteme aus Zeltweg von der voestalpine eingesetzt, Drehgestelle vom Siemens-Kompetenzzentrum aus Graz und Stahlbaugruppen und Gussbauteile von der Maschinenfabrik Liezen. Darüber hinaus ist die steirische BOOM Software seit knapp 20 Jahren Software-Lieferant im Instandhaltungsbereich.  

Anderes Thema: Inwieweit beeinflusst die öffentliche Klima-Debatte die ÖBB?

Bahnfahren ist aktiver Klimaschutz – das pusht auch unser Geschäft: Allein im Nachtzuggeschäft verzeichnen wir ein Plus von elf Prozent. Wir sind überzeugt, dass es künftig mehr Nightjets geben wird – und sehen uns dazu auch neue Verbindungen an. Ich bin überzeugt: Europa braucht die Bahn – die Bahn braucht aber auch mehr Europa.

Das heißt?

Es ist nicht vernünftig, dass derzeit an der jeweiligen Landesgrenze das Bremshebelsystem bei jedem einzelnen Wagen umgestellt werden muss. Es braucht eine europaweite technische Harmonisierung des Güterbahnverkehrs.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Jugendlichen stellten ihre selbst programmierten Spiele vor.

Förderung von internationalen Talenten

Im Rahmen der Coding Week des Talentcenters konnten zwölf Jugendliche mit einfachen Programmiersprachen und Robotikelementen an eigenen Spielen tüfteln, diese programmieren und gleich selbst ausprobieren. mehr

Möbeltischler Andreas Kaindlbauer  aus Ratten tritt im Jänner bei EuroSkills 2020 für die Steiermark an.

"Unser Zusammenhalt ist jetzt noch größer"

Andreas Kaindlbauer ist einer von 14 Teilnehmern, die bei der Berufs-EM in Graz für die Steiermark antreten werden. Wir stellen den Möbeltischler aus Ratten vor.  mehr