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In der Sandkiste mit Donald Trump

Hat Donald Trump die Spielregeln für Medien und Wirtschaft verändert? In der WKO Steiermark diskutierten dazu namhafte Experten, allen voran Gerhard Zeiler – Turner-International-Präsident und damit Boss von CNN.

Diskussion im Europasaal der WKO Steiermark
© Jorj Konstantinov Neue Spielregeln für Medien und Wirtschaft unter Präsident Trump? Expertenrunde in der WKO Steiermark.

Donald Trump und die Medien – eine äußerst reizbare Verbindung, wie man sie in dieser Form noch nicht gesehen hat. Die letztwöchige Twitter–Tirade des US-Präsidenten – ein (altes) Video, in dem Trump höchstpersönlich Erzfeind und seiner Definition nach „Fake-News“-Produzent CNN niederringt – bezeichnet wohl den bisherigen Tiefpunkt seiner präsidial-bizarren Medienpolitik.
Und während sich der Rest der Welt noch ungläubig die Augen ob der Wrestling-Einlage des mächtigsten Mannes der freien Welt rieb, war just der Chef des geprügelten US-Nachrichtensenders CNN höchstpersönlich in der WKO Steiermark zu Gast: Gerhard Zeiler – ehemaliger Pressesprecher der Bundeskanzler Sinowatz und Vranitzky, Ex-ORF-Generalintendant und einstiger CEO der deutschen RTL-Group. Der gebürtige Wiener ist seit 2012 Präsident von Turner International, einem Mediengiganten, der mehr 175 TV-Sender in über 200 Ländern der Welt umfasst, darunter auch CNN.
Wer also, wenn nicht er wäre besser geeignet, die Frage der heimischen Wirtschaft zu beantworten, inwiefern Trumps rauhes Agieren die Spielregeln der Wirtschaft und der Medien verändert hat? 

Slogans und wenig Kritik 

„Ich bin überrascht über die Art, wie er sich als Präsident gibt“, betont Zeiler. Denn im Gegensatz zu bisherigen Volksvertretern habe Trump seine Wahlkampfrhetorik nicht wie eigentlich üblich nach dem Sieg abgelegt. „Er verhält sich wie in den Zeiten davor, wo er vor Zigtausenden in Stadien seine Sicht der Dinge lautstark proklamiert hat und den Finger auf anwesende Medienvertreter richtete, mit den Worten: Das sind die Verbreiter von Fake News!“
Trump zeige also nach wie vor ein  stark wahlkämpferisches Verhalten, was nicht nur Zeiler, sondern Beobachter rund um den Globus Sorge bereitet: „Man kann nur hoffen, dass dieser Aufruf zur Gewalt, nichts anderes ist dieses Video, nicht von einem Anhänger Trumps umgesetzt wird.“ Eine Antwort auf das heftige „Gezwitscher“ des US-Präsidenten sieht Zeiler in Trumps Unternehmer-Karriere beründet: „Er muss sich zum ersten Mal für das, was er sagt und tut, rechtfertigen. In den letzten 30 Jahren war nur er der Boss. Es gab keine Kritik. Jetzt aber schon. Damit kann er nicht umgehen.“
Besser im Griff habe Trump hingegen die Parolen, so Zeiler auf die Frage, warum Trump letztendlich gewählt wurde: „Er hat die große Unsicherheit der vielen Menschen, die ihre Jobs verloren haben, und das Unbehagen aufgrund der Migrationsbewegungen in den zwei Slogans ,America first‘ und ,We will make America great again‘ genial umgesetzt.“

Stay cool and be focused

Wie aber geht man im Business mit einem Präsidenten um, der mit stolz geschwellter Brust verkündet, ehemals starke transatlantische Bündnisse zu lösen, und der jenen mit Sanktionen droht, die nicht in seinem Land produzieren?
Diesen Fragen spürte auf Einladung des Internationalisierungscenters Steiermark (ICS) eine Expertenrunde nach.
Die Wirtschaftsdelegierten Rudolf Thaler (Los Angeles) und Michael Friedl (New York) orten aktuell viel Lärm um Nichts: „Die US-Wirtschaft floriert. Sicher sind viele Unternehmer von Trumps Aussagen irritiert, doch sie folgen dem Motto: Stay cool, be focused.“ Ein Punkt, den Gregor Vogrin, Chef des Denver Büros der Beratungsgesellschaft GCI, unterstreicht: „Der Markt boomt wie noch nie.“ Auch die steirischen Chefs gehen die Geschäfte mit den USA noch recht gelassen an, betont WKO-Direktor Karl-Heinz Dernoscheg: „Dennoch: Ein Protektionismus wäre fatal, die USA sind unser zweitwichtigstes Exportland. Und nicht zu vergessen – ein solches Vorgehen würde auch den USA selbst enorm schaden.“
Einige Kratzer im Lack haben aber die politischen Beziehungen zwischen Europa und den USA bereits abbekommen, so der Tenor. Etwa durch Trumps Rede vor der NATO, ohne den wichtigen Beistandsartikel fünf anzuführen, oder als er Merkel in einem Atemzug mit Putin nennt und ihr den Handschlag verweigert. Doch sei gerade in wirtschaftlichen Belangen Hopfen und Malz noch nicht gänzlich verloren, ermutigt Friedl: „Trump ist vielleicht ein verschrobener Typ, aber er ist in seiner Sandkiste doch von einigen Erwachsenen umgeben.“

Von Veronika Pranger

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