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"In der Globalisierung gibt es kein gallisches Dorf"

Traditionell bittet die „Steirische Wirtschaft“ die Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen zum Sommergespräch. Zum Abschluss unserer Serie haben wir Wirtschaftsbund- und WKO-Chef Josef Herk getroffen.

Damit es weiter steil nach oben geht: Josef Herk erhofft sich für die steirische Wirtschaft von der nächsten Regierung ein mutigeres Reformstreben.
© Fischer Damit es weiter steil nach oben geht: Josef Herk erhofft sich für die steirische Wirtschaft von der nächsten Regierung ein mutigeres Reformstreben.

Die Konjunkturprognosen sind gut, aber Wachstum wird oft auch kritisch gesehen. Wie weit darf aus Ihrer Sicht Wirtschaftswachstum gehen?
Josef Herk: Gott sei Dank gibt es nach zehn angespannten Jahren nun wieder eine Positiventwicklung. Wo die Wirtschaft sich hinbewegt, wenn es kein Wachstum gibt, das haben wir ja deutlich miterlebt. Aus meiner Sicht ist eine gute Entwicklung ohne Wirtschaftswachstum nicht möglich.

Wo muss die nächste Regierung die Hebel ansetzen?
Herk: Es muss einen Kurswechsel geben, weg von der Ankündigungs- hin zur Umsetzungspolitik. Dafür braucht es aber mehr Mut, die Probleme anzupacken. Das beginnt bei der Abgabenquote und reicht bis zur ausufernden Gesetzesflut und der damit verbundenen Bürokratie. Wir brauchen hier dringend mehr Eigenverantwortung.  

Stichwort Reformen. Diese fordern Sie immer wieder auch für den Bereich der
Bildung ein. Worum geht es Ihnen hier konkret?

Herk: Bildung ist der Rohstoff für unsere Zukunft, entsprechend groß muss sein politischer Stellenwert sein. Wir haben hier jetzt einen jahrelangen parteipolitischen Grabenkampf hinter uns, der sich vor allem um Begrifflichkeiten und Symbole gedreht hat. Dabei sollten die Jugendlichen und ihre Talente im Vordergund stehen. Diese müssen wir besser fordern und fördern, neben all den strukturellen Reformnotwendigkeiten. Als WKO gehen wir hier mit gutem Beispiel voran und haben Millionen in ein neues Talentcenter investiert, nicht zu vergessen unsere tausenden WIFI-Kunden und FH-Studenten.Wir wollen uns zu einem Zentrum für Exzellenz weiterentwickeln.

Trotzdem gibt es immer wieder Kritik an den Kammern und der WKO im Speziellen.  Was antworten Sie?
Herk: Messt uns objektiv an unseren Taten und Leistungen! Selbstverständlich sind wir gefordert, unsere Dienstleistungen weiterzuentwickeln – was wir auch tun. Die WKO Steiermark ist dabei in Österreich federführend – etwa mit der neuen „Cybersecurity-Hotline“. Diese Angebote gelten für alle Unternehmen, egal ob klein oder groß: Das gewährleistet die Pflichtmitgliedschaft! Nur in diesem System hat die Stimme des Kleinsten das gleiche Gewicht wie die Stimme des Größten. Ich teile aber durchaus die Meinung, dass man die Sozialpartnerschaft insgesamt neu denken muss. Ich würde sie in Zukunft  als Wachstumspartnerschaft sehen, die zeitgemäße Zugänge zur Arbeitswelt ermöglicht. Zu glauben, dass wir das gallische Dorf in der globalisierten Welt sind und mit Arbeitszeitverkürzungen und zusätzlichem Urlaub unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern können, fällt für mich ins Reich der Fabeln.

Globalisierung und Digitalisierung werden aber häufig negativ konnotiert. Wie kann man diese Ängste abbauen?
Herk: Jede Veränderung bringt Verunsicherung mit sich, und der muss man mit Ratio begegnen. Jene Länder, die weltweit am weitesten in der Digitalisierung voran sind, sind heute auch jene Länder, die die höchste Beschäftigung haben. Wir müssen uns also damit auseinandersetzen.

Es gibt aber auch durchaus reale Schattenseiten, wenn man sich etwa die Folgen des Missbrauchs im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr vor Augen hält.
Herk: Ich bekenne mich zum freien Handel und zu offenen Grenzen. Aber das geht nur auf Basis klarer Spielregeln, an die sich alle halten – hier geht es um wirtschaftliches Fairplay. Und ja, da braucht es dringend die eine oder andere rote Karte.

Seit April sind Sie auch Chef des Wirtschaftsbundes. Was hat sich für Sie verändert?
Herk: Ich bin ja schon viele Jahre im Wirtschaftsbund und kenne deshalb diese Aufgabe. An dieser Stelle möchte ich auch meinem Vorgänger Christian Buchmann danken, der diese Funktion hervorragend ausgefüllt hat. Und wenn wir heute eine F&E-Quote von über fünf Prozent feiern, trägt das ebenfalls seine Handschrift. Mein Ziel ist es, das Thema Wirtschaft in jeder Gemeindestube zu etablieren. Der Wirtschaftsbund ist die Basis dafür.

Sie führen ja selbst ein Familienunternehmen. Wie geht sich das neben allen Funktionen, die Sie bekleiden, aus?
Herk: Das Zeitmanagement ist sicher am schwierigsten und erfordert Disziplin. Ich bin aber stolz darauf, ein aktiver Unternehmer zu sein, und sperre nach wie vor täglich um 6.45 Uhr die Werkstatt auf. Das ist auch mein Massekabel zur Bodenhaftung.


Interview: Mario Lugger, Klaus Krainer

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