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„Ich hoffe, diese Regierung bleibt uns noch viele Jahre erhalten“

Traditionell bittet die „Steirische Wirtschaft“ die Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen zum Sommergespräch. Zum Auftakt sprachen wir mit dem Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft, Erich Schoklitsch, über Fachkräfte, flexible Arbeitszeit und Migration.

Erich Schok­litsch tritt für Deutschklassen, ein härteres Durchgreifen auf dem Arbeitsmarkt sowie die gezielte Migration qualifizierter EU-Bürger ein.
© Foto Fischer Erich Schok­litsch tritt für Deutschklassen, ein härteres Durchgreifen auf dem Arbeitsmarkt sowie die gezielte Migration qualifizierter EU-Bürger ein.

Herr Schoklitsch, der Wirtschaftsmotor brummt, zeigt aber auch den eklatanten Fachkräftemangel deutlich auf. Wird das Personal zum Flaschenhals im Wachstum?
Erich Schoklitsch: Ja, das ist ein echtes Problem. Wir haben zu wenige Fachkräfte, um den Auftragsbestand überhaupt abarbeiten zu können, und da müssen wir Lösungen finden. Aus meiner Sicht kann die Strategie nur lauten: Ausbildung forcieren und die Jugendlichen zur Lehre und einer Berufskarriere motivieren.

Welche Maßnahmen schweben Ihnen dabei vor?
Schoklitsch: Zum einen finde ich den Ort des heutigen Gesprächs gut gewählt, denn hier im Talentcenter der WKO Steiermark werden die Fachkräfte von morgen auf ihre Begabungen hin getestet und passende Berufsfelder vorgeschlagen. Das ist eine wichtige Initiative, die mittelfristig sicher Erfolge bringen wird. Aber es braucht mit Sicherheit auch darüber hinaus Reformen: In erster Linie sind das einmal die Deutschklassen, die jetzt eingeführt werden sollen. Wir brauchen Jugendliche, die die Sprache beherrschen. Wer das nicht mitbringt, hat am Arbeitsmarkt kaum Chancen. Wenn man heute, vor allem in urbanen Gebieten, hört, dass man ein Kind nicht mehr reinen Gewissens in eine Neue Mittelschule schicken kann, ist das eine Katastrophe. Denn oft sitzen die Kinder dort in Klassen, in denen 80 Prozent nicht Deutsch als Muttersprache haben. Da müssen wir die Lehrkräfte wieder freispielen, um den Kindern das Notwendige für die Berufswelt lehren zu können.

Was sind die wichtigsten Fähigkeiten, die die Wirtschaft in Zukunft brauchen wird?
Schoklitsch: Mathematik und Deutsch, das sind die Grundbegriffe. Dazu natürlich handwerkliches Geschick – und nicht zu vergessen soziale Kompetenzen. Das ist ein wichtiges Thema. Wir leben im Wohlstand und können uns glücklich schätzen. Jedoch müssen wir aufpassen, dass die jüngere Generation nicht mit dem Gefühl aufwächst, dass das alles von alleine geht, sondern dass das nur durch Arbeit möglich ist.

Geht es uns zu gut?
Schoklitsch: Ich denke, es gibt sicherlich Bereiche, wo wir nachschärfen müssen. Während die Wirtschaft Aufträge ablehnen muss, weil sie selbst für einfachste Aufgaben keine Arbeitskräfte findet, und man gleichzeitig sieht, dass fast 29.000 Menschen in der Steiermark arbeitslos gemeldet sind, stimmt etwas nicht. Es gibt sicherlich viele Gründe, warum jemand in die Arbeitslosigkeit rutscht. Dennoch glaube ich, dass zumindest ein Drittel dieser Personen sehr wohl arbeiten könnte. Bei den Zumutbarkeiten, aber auch bei den Zuwendungen muss man den Hebel ansetzen. Das würde den Mangel an Arbeitskräften auch kurzfristig abfedern.

Der Fachkräftemangel führt unweigerlich auch zur Frage der Migration. Wie sollen wir damit umgehen?
Schoklitsch: Das, was 2015 passiert ist, war der völlig falsche Weg. Wir haben es damals verabsäumt, diese Migrationsströme richtig zu beurteilen. Die uneingeschränkte Willkommenskultur einiger Staaten und Politiker müssen wir jetzt und in den nächsten Jahren auslöffeln. Es hat sich dabei auch nicht bewahrheitet, dass der große Teil damals gut ausgebildete Menschen gewesen seien. Trotzdem müssen wir jetzt schauen, aus denen, die bleiben dürfen, Fachkräfte zu formen. Denn feststeht, dass wir Zuzug brauchen werden, um unseren Fachkräftebedarf zu decken. Nutzen tut uns dabei aber nur qualifizierter Zuzug.

Wie kann man Ausländer motivieren, zum Arbeiten nach Österreich zu kommen?
Schoklitsch: In erster Linie glaube ich, dass wir uns auf Menschen aus anderen EU-Staaten konzentrieren sollten. Bei ihnen ist die rechtliche Basis eine völlig andere und außerdem sind sie in unserem europäischen Polit- und Wirtschaftssystem aufgewachsen. Wie wir die geeigneten Menschen zu uns locken können, ist eine andere und weitaus schwierigere Frage. Möglicherweise wäre ein verstärkter Lehrlingsaustausch ein Weg, denn welcher 18-Jährige geht schon ganz allein in ein Land, ohne schon jemanden dort zu kennen? Wenn die Jugendlichen zuvor immer wieder hier gewesen sind, wäre das vielleicht leichter.

Zuletzt sorgte die Flexibilisierung der Arbeitszeiten für eine emotionsgeladene Diskussion. Wie stehen Sie dazu?
Schoklitsch: Das ist aus meiner Sicht längst überfällig gewesen und sichert unsere Wettbewerbsfähigkeit und damit unsere Jobs ab. Die Emotionen, mit denen die Gewerkschaft jetzt Stimmung macht, sind völlig aus der Luft gegriffen. Abgesehen davon, dass es das neue Gesetz nicht erlaubt, würde kein Unternehmer seine Mitarbeiter täglich zwölf Stunden schuften lassen. Das ist doch kontraproduktiv, gerade in Zeiten, wo ich keine Fachkräfte und Mitarbeiter mehr finde. Die Gewerkschaft fühlt sich ja nur auf den Schlips getreten, weil sie ihre Macht ausüben will und die Mitarbeiter möglichst unselbständig gehalten werden sollen. Da geht es aus meiner Sicht um Bevormundung. Dabei wollen die Mitarbeiter heute flexibel arbeiten, sie wollen sich längere Freizeitblöcke „verdienen“. Und wenn das vom Betrieb her möglich ist, spricht auch überhaupt nichts dagegen, es auch zu tun.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte will die Freiheitliche Wirtschaft in den kommenden Monaten setzen?
Schoklitsch: Wir wollen mit aller Kraft den wirtschaftspolitischen Weg, den die Regierung jetzt beschritten hat, unterstützen und dafür Inputs liefern – etwa für Bürokratieabbau, Lohnnebenkostensenkungen und die Verwaltungsreform. Da gibt es schon viele positive Ansätze der Regierung und als Unternehmer würde ich mir wünschen, dass uns diese umsetzungsstarke Regierung noch viele Jahre erhalten bleibt.


SOMMERGESPRÄCH:

Zur Person
Erich Schoklitsch (63) ist Geschäftsführer eines Bauunternehmens in Graz und Landesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft (FW) in der Steiermark. Er ist seit dem Jahr 2000 als Unternehmervertreter in der Wirtschaftskammer tätig und führt seit 2008 die Geschicke des FW in der Steiermark. Außerdem ist er stellvertretender Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKO Steiermark.

Zur Fraktion
Die „Freiheitliche Wirtschaft“ (FW, vormals „Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender“, RfW) wurde 1959 gegründet und stellt aktuell sieben Abgeordnete zum steirischen Wirtschaftsparlament. Die FW will mit ihrer Arbeit „einen modernen, fortschrittlichen Standort Österreich“ mitgestalten und setzt sich für Bürokratieabbau sowie gegen Lohn- und Sozialdumping ein.

Zur Serie
Die „Steirische Wirtschaft“ lädt auch heuer wieder die Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Parteien zum großen Sommerinterview. Als Schauplatz für die Gespräche haben wir uns diesmal das „Talentcenter“ der WKO Steiermark ausgesucht: Hier werden die Fachkräfte von morgen auf ihre Begabungen hin getestet. Damit wird das Talentcenter zu einem wichtigen Instrument beim derzeit aktuell brennendsten Thema – dem Fachkräftemangel.

Interview: Klaus Krainer

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