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Grazer Hightech "bremst" Schweizer Güterwaggons

Digital statt manuell: Die Schweizerischen Bundesbahnen setzen auf patentiertes Brems-Monitoring-System der Grazer PJM.


Hightech statt aufwendiger manueller  Bremsprobe.
© SBB Hightech statt aufwendiger manueller Bremsprobe.

Dass die Schweizer in sämtlichen Belangen weltweit für allerhöchste Präzision stehen, ist bekannt. Dass dieses Prädikat seit kurzem auch die ersten 105 Güterwaggons der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB Cargo) tragen, ist aber steirischem Know-how zu verdanken.Verantwortlich dafür zeichnet nämlich der Grazer Schienenverkehr-Systemspezialist PJM.

Hier präsentiert man nun nach zwei Jahren intensiver Entwicklung eine weltweit neue Automationslösung zur  Bremsenprüfung. „Obwohl die Digitalisierung in vielen Bereichen im wahrsten Sinne des Wortes ,längst auf Schiene‘ ist, wurde das Thema Bremsen-Check im Güterverkehr bislang aber stiefmütterlich behandelt“, erklären die Geschäftsführer Martin Joch und Günter Petschnig. So werde im Gegensatz zum Personenzug bei Güterwaggons der Zustand der Bremsen nach wie vor zeitaufwendig händisch überprüft. „Das muss immer nach dem Abtrennen bzw. wenn der Waggon 24 Stunden still stand, gemacht werden“, erzählt Joch.

Soll heißen: Der Mitarbeiter kontrolliert mühsam, ob an jeder einzelnen Achse die Bremsklötze angelegt sind, „egal, zu welch nachtschlafener Zeit und selbst bei widrigsten Witterungsbedingungen“, verdeutlicht Joch. Bei einem 500-Meter-Zug könne das an die 40 Minuten dauern. In Zukunft aber spare man hier 30 Minuten ein, ergänzt Petschnig: „Gemeinsam mit der SBB und der Rail Cargo Austria haben wir unser patentiertes Zug-Monitoring-System, den ‚Waggon-Tracker‘, um diesen Missing-Link der automatischen Bremsprobe erweitert.“

Neun Millionen Franken


„Entsprechende Sicherheitselektronik erfasst die Zustände der Bremsen. Die Ergebnisse werden am Tablet des Lokführers angezeigt“, vereinfachen die Geschäftsführer den neuen Prozess, der die manuelle und visuelle Bremsprobe vollständig ersetzt. Eine automatische Kupplung und ein Kollisionsfrühwarnsystem komplettieren das „Ein-Personen-Betrieb“ genannte Automatisierungsprojekt, mit dem die SBB Cargo auch auf eine anstehende Pensionierungswelle reagiert, so Joch: „Aufgrund der demografischen Entwicklung können viele offene Stellen nicht nachbesetzt werden.“

Wie wichtig diese „Weichenstellung“ mit weiß-grüner Technik für den eidgenössischen Schienenverkehr auch insgesamt ist, zeigt sich daran, dass das Schweizer Verkehrsbundesamt das Projekt mit neun Millionen Franken – rund acht Millionen Euro – unterstützte.


Quergefragt:

Wie geht es nun weiter?
Ab 2020 wird die SBB-Flotte sukzessive aufgerüstet.
Was macht der Mitbewerb?
Im „intelligenten Schienenverkehr“ sind wir Pioniere.
Was bringt die Innovation?
Zeitersparnis, mehr Sicherheit und attraktive, neue Jobs.


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