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Gute Vorzeichen für einen Neustart

Die griechische Schulden-Tragödie scheint ihr Ende gefunden zu haben – die Wirtschaft entwickelt sich gut, mit dem Sparen ist es aber noch nicht vorbei.

Griechenland hat den Euro-Rettungsschirm verlassen und kehrt erstmals seit 2014 wieder an den Finanzmarkt zurück.
© stock.adobe.com, Kosmider Griechenland hat den Euro-Rettungsschirm verlassen und kehrt erstmals seit 2014 wieder an den Finanzmarkt zurück.

Nach acht Jahren und drei milliardenschweren Kredit-Hilfspaketen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM ist Griechenland seit 20. August wieder finanziell unabhängig. Acht Jahre, in denen im Land so manches umgekrempelt wurde und die für die Bevölkerung massive Einschnitte bedeuteten. 

Heute sind die griechischen Wirtschaftsdaten so gut wie schon lange nicht: Für 2019 wird ein Wachstum von 2,3 Prozent prognostiziert. Die Arbeitslosigkeit fiel im Mai 2018 auf 19,5 Prozent – und damit erstmals seit 2011 unter die 20-Prozent-Marke. Der Tourismussektor boomt, Indus­trieproduktion und Exporte steigen. „Dank umfassender Reformen ist Griechenland wieder wettbewerbsfähig geworden“, sagt auch Gerd Dückelmann-Dublany, Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Athen. Sowohl bei Arbeitskosten als auch bei Produktpreisen könne man wieder auf dem Markt mithalten. 

„Nicht zuletzt durch die Krise begannen sich griechische Betriebe mit dem Auslandsmarkt auseinanderzusetzen“, so D‚ublany. Der Anteil der Gesamtexporte am BIP ist von 19 im Jahr 2009 auf 30,2 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Laut Studie der griechischen Nationalbank dominieren 18 Produkte die Ausfuhren, so etwa Aluminium, Marmor, Oliven und Olivenöl sowie Feta, die gemeinsam 27 Prozent aller Exporte ausmachen.

Hauptverbindungselement zwischen Österreich und Griechenland ist der starke Touristenstrom aus Österreich (siehe rechts). Aber auch so manches heimische Unternehmen ist in Hellas tätig – so gibt es knapp 50 österreichische Firmen beziehungsweise Tochterunternehmen. Auch bei den Exporten von Dienstleistungen zeichnet sich ein positiver Trend ab und auch die aktiven Bestände österreichischer Direktinvestitionen in Griechenland beliefen sich Ende 2016 auf satte 340 Millionen Euro, was einer Zunahme um 10,4 Prozent entspricht.

Trotz der positiven Entwicklung ist die Schuldenlast Griechenlands nach wie vor gewaltig. „Knapp 330 Milliarden Euro gilt es zurückzuzahlen, was Schulden in der Höhe von 30.000 Euro pro Staatsbürger entspricht“, so Dückelmann-Dublany. Schulden, deren Rückzahlung noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird. Größter Gläubiger mit 204 Milliarden Euro an Hilfskrediten ist der Europäische Stabilitätsmechanismus ESM. 

Die griechische Krise

  • 2010 schnürten EU, EZB (Europäische Zentralbank) und IWF (Internationaler Währungsfonds) ein erstes Hilfspaket in Form von Krediten und Bürgschaften. 
  • 2012 folgte das zweite Hilfspaket. 
  • Die dritte Griechenland-hilfe folgte 2015 und wurde mit August 2018 abgeschlossen.  
  • Insgesamt stellten die Gläubiger knapp 330 Milliarden Euro an Darlehen zur Verfügung.  
  • Die durchschnittliche Darlehenslaufzeit liegt bei 42,5 Jahren. Zinsen und Tilgungszahlungen werden bis 2032 gestundet. Die Kreditzinsen des Eurorettungsschirms ­liegen bei 1,62 Prozent.

Griechenland-Tourismus als Dauerbrenner

Griechenland ist eine der beliebtesten Badedestinationen der Österreicher. Dem tat auch die Schulden-Krise keinen Abbruch.

Für viele Österreicher ist Griechenland seit Jahrzehnten eine der Top-Urlaubsdestinationen. „Schöne Strände, viel Sonne, eine gute Küche und freundliche Gastgeber, das sind die Kriterien für einen erholsamen Urlaub“, weiß Max Schlögl, Geschäftsleiter von Gruber Reisen. Und das ist es, was die Österreicher in Griechenland vorfinden. Der durch die Finanzkrise im Jahr 2010 ausgelöste Gästerückgang war nur von kurzer Dauer. „Vor allem die politischen Unruhen in der Türkei haben die Gäste an die griechischen Strände zurückgebracht“, berichtet Schlögl. „Zudem ist das Preis-Leistungsverhältnis, auch trotz Einführung einer Touristensteuer im Jahr 2018 nach wie vor sehr gut.“ 

Letztendlich ist der Tourismussektor gestärkt aus der griechischen Staatsschulden-Krise hervorgegangen: Betrug sein Anteil am BIP im Jahr 2010 noch etwa 15 Prozent, so lag der Wert 2017 bei knapp 20 Prozent, und auch heuer dürfte er noch weiter zunehmen. Die Touristenankünfte sind laut der Bank von Griechenland im Zeitraum von Jänner bis Juni 2018 um 19,1 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres gestiegen und erreichten damit 9,4 Millionen. Davon kamen 6,4 Millionen Gäste aus der EU. Aus Österreich reisten im ersten Quartal 12.100 Gäste an, was einem Plus von 29,2 Prozent entspricht. Die Reiseeinnahmen stiegen im ersten Halbjahr um 18,9 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in die Branche kräftig investiert wird: Allein im Vorjahr waren es 3,7 Milliarden Euro. Für heuer geht man bei den Investitionen von einer Zunahme um 3,6 Prozent aus.

Weitere Infos erhalten Sie im AußenwirtschaftsCenter Athen, bei Gerd Dückelmann-Dublany, athen@wko.at bzw. unter www.ic-steiermark.at.

Von Petra Mravlak

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