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Grazer trimmen Arzneien und Sonnencreme auf „öko“

Acib-Forscher sorgen für Furore in Chemikerkreisen. Sie haben einen 140 Jahre alten Prozess ökologisch „nachgebaut“.

In naher Zukunft soll dank Grazer Innovation auch der UV-Schutz ökologisch in Sonnencremes gepackt werden können.
© Romolo-Tavani – stock.adobe.com In naher Zukunft soll dank Grazer Innovation auch der UV-Schutz ökologisch in Sonnencremes "gepackt" werden können.

In internationalen Wissenschaftskreisen sorgt das aktuelle „Hot Paper“ aus dem Grazer Acib – dem Austrian Centre of Industrial Biotechnology – für enormes Aufsehen. Denn dem Team rund um Chef-Chemiker Wolfgang Kroutil ist es gelungen, die sogenannte Friedel-Crafts-Acylierung durch den Einsatz eines aus „Wald und Wiesen“-Bakterien extrahierten Enzyms zum ersten Mal auch umweltfreundlich zu bewerkstelligen. „Seit 140 Jahren wird die Methode angewandt. Sie ist ein unverzichtbares Werkzeug für die organische Chemie, um aromatische Ketone herzustellen“, erzählt Kroutil und verweist auf das breite Spektrum, in der diese besonderen Bausteine benötigt werden: „Parfüm, Kosmetika oder auch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol.“
Will man also beispielsweise den UV-Schutz in die Sonnencreme  packen, braucht es in der Methode nach Friedel-Crafts dazu hochreaktive Chemikalien sowie Spezialapparaturen, da hier unter hohen Temperaturen und mit Hilfe von Lösungsmittel gearbeitet wird. Und die anfallenden Nebenprodukte müssen danach aufwendig und kostenintensiv entsorgt werden.
Zwar sei die Friedel-Crafts-Methode über die Jahrzehnte immer weiter adaptiert und zahlreiche neue Reagenzien seien für diese Reaktion eingesetzt worden, erläutert Kroutil, nie jedoch aber biologische: „Die Wissenschaft nahm an, dass diese Reaktion in der Natur einfach nicht vorkommt.“ Dass es aber – im krassen Gegensatz zu dieser Forschungsmeinung – beinahe überall in der täglichen Umgebung sehr wohl natürliche Organismen gibt, die diese Reaktion in Gang setzen können, darauf seien die Acib-Experten selbst auch nur mehr oder minder durch einen Zufall gestoßen, verrät Kroutil. „Vereinfacht gesagt können nun Prozesse, für die bislang Hightechlabore sowie toxische Mittel notwendig waren, einfach in einem Kochtopf umgesetzt werden. Und die Restprodukte sind biologisch kompostierbar.“
Kein Wunder also, dass diese „enzymatische Werkzeugbox“ bereits Pharma- und Kosmetikmultis auf den Plan gerufen hat. „Wir schauen nun, ob unsere Entdeckung für die geforderten Anwendungen tauglich ist – etwa um in weiterer Folge Sonnencreme natürlicher zu machen.“

Weitere Infos zum Thema auf www.acib.at


Quergefragt:

Welche Bedeutung hat Ihre Entdeckung?
Es ist ein wichtiges neues Ins­trument um Kohlenstoffverbindungen auf natürliche Weise aneinander zu binden.

Wohin geht die Enzym-Reise?
Im nächsten Schritt muss das Enzym industrietauglich gemacht werden.

Was motiviert Sie persönlich?
Das Suchen nach neuen Industrie-Lösungen am Vorbild der Natur.

Von Veronika Pranger

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