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Frauen an der Macht

Auch auf dem internationalen Parkett sind mächtige Frauen eher die Ausnahme. Grund dafür ist ein kultureller Teufelskreis, denn es fehlt an Vorbildern. 


Business-Frauen
© Getty Weltfrauentag: Die Gesellschaft macht es Frauen nach wie vor schwer an die Macht zu kommen.

Denkt man an Frauen, die in der Politik Macht ausüben, dann denkt man derzeit wohl sofort an Angela Merkel. Die aktuell mächtigste Frau der Welt dominiert nicht nur in Europa die politische Wahrnehmung. Aber wie ist es sonst um weibliche Machtmenschen bestellt? Anlässlich des Weltfrauentages sind wir dieser Frage auf den Grund gegangen. Schließlich sind Spitzenpolitikerinnen global gesehen noch immer die Ausnahme.  

Für Sabine Bergner, Professorin am Zentrum für Entrepreneurship an der Uni Graz, ist das keine Überraschung. Sie beschäftigt sich wissenschaftlich mit Frauen in Führungspositionen: „Die Gründe, warum Frauen sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik vergleichsweise selten Führungspositionen innehaben, liegen vor allem in der unterschiedlichen Motivation.“ Einen empirisch bewiesenen Leistungsunterschied zwischen den Geschlechtern gibt es laut Bergner nämlich nicht: „Bei der Motivation gibt es aber sehr wohl starke Geschlechterunterschiede. Männer führen oft aus Leidenschaft, während Frauen meistens aus einem Verantwortungsgefühl heraus führen.“ Erst wenn es niemand anderen mehr gibt, übernehmen oft Frauen die Verantwortung. „Selbst bei mächtigen Frauen wie Angela Merkel war das so. Bei ihrer ersten Kandidatur wurde sie als Lückenfüller gesehen, weil sich sonst niemand Geeigneter in ihrer Partei gefunden hat“, so Bergner. Viel stärker ist dieses Phänomen noch in Asien ausgeprägt, wo die patriachalische Kultur weniger bröckelt. Als Gegenpol dazu führt Bergner die skandinavischen Länder an: „Überall dort, wo Gleichbehandlung und Genderfairness kein Thema mehr sind, sind auch Frauen viel stärker in Führungspositionen vertreten.“ Auch in Österreich sieht sie das kulturelle Korsett noch nicht ausreichend aufgeweicht: „Wenn man an eine Führungskraft denkt, denkt man einen älteren Mann in grauem Anzug hinter einem großen Schreibtisch. Frauen werden nicht als potenzielle Führungskräfte wahrgenommen weil Führung weiterhin als typisch männlich angesehen wird.“

Und sind sie einmal an der Macht, können sie es auch niemandem recht machen, bemerkt die Wissenschafterin: „Typisch weibliche Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen werden als Schwäche ausgelegt, während Frauen, die auf den Tisch hauen und sich lautstark durchsetzen, als hysterisch gelten.“ Dieses Eis könne man nur durch  Vorbilder durchbrechen, ist Bergner überzeugt: „Da geht es nicht nur um internationale Beispiele wie Hillary Clinton, solche Vorbilder sind zu abstrakt. Gerade Managerinnen in mittelständischen Unternehmen oder Bürgermeisterinnen leisten hier eine wichtige Arbeit und sind greifbare Vorbilder.“

Von Michael Neumayr

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