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Finanzcrash mit Nachbeben

Die Lehman-Pleite vor genau zehn Jahren löste einen weltweiten Finanzkollaps aus. Die Folgen sind bis heute spürbar.

US-Flagge vor New Yorker Börse
© Gina Sanders-Fotolia Die Lehman-Pleite führte zu einem Börsencrash.

„Too big to fail.“ Kaum jemand hat die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor zehn Jahren für möglich gehalten. Trotzdem ist sie eingetreten – und hat am 15. September 2008 einen globalen Finanzkollaps ausgelöst, der in einer Weltwirtschaftskrise, in einer Staatsschulden- und Eurokrise gipfelte. Wir haben die größte Insolvenz der Wirtschaftsgeschichte zum Anlass genommen, um nachzufragen, inwieweit die Folgen des Finanzbebens bis heute nachwirken.

„Als industriell-gewerblich geprägter Standort war die Steiermark stark betroffen“, zieht Ewald Verhounig, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS), Bilanz. Die Wirtschaftsleistung sank binnen eines Jahres um fast vier Prozent, die Exporte brachen um 30 Prozent ein. „Dank eines Konjunkturpakets und spezieller Maßnahmen wie der Kurzarbeit konnte aber ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit gestoppt werden, knapp 20.000 Beschäftigte waren 2009 in Kurzarbeit.“ Auf die relativ rasche Erholung folgte eine lange Stagnationsphase, „sodass die Steiermark lange hinter ihrem potenziellen Wirtschaftswachstum hinterherhinkte“, so Verhounig.

Für die Banken blieb nach dem Finanzkollaps kein Stein auf dem anderen: Die Verschärfung der Finanzmarktvorschriften haben das heimische Bankensystem nachhaltig verändert. „Insgesamt waren diese Maßnahmen notwendig, für kleinere Regionalbanken wären aber maßgeschneiderte Regulatorien sinnvoll“, sagt Richard Sturn, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft an der Universität Graz. Das bestätigen auch regionale Bankenvertreter (siehe Statements unten). „Auch für KMU ist es seither schwieriger geworden, sich auf Kreditbasis zu finanzieren“, so Verhounig.

Ob sich ein solcher Super-Gau wiederholen kann? „Bei der herrschenden Unsicherheit kann sich ein solches Szenario wieder anbahnen“, ist Sturn überzeugt. Sowohl die Technologieentwicklung als auch die Folgen des Klimawandels sorgen für Verunsicherung, genauso wie politische Unsicherheiten. So warnt er davor, die Zügel zu locker zu halten: „Je länger die Krise her ist, desto leichtsinniger wird die Lockerung der Regulierung gefordert.“


Regulierungstsunami

Für Martin Schaller, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, hat die Lehman-Pleite – neben wichtigen und sinnvollen Maßnahmen – einen veritablen „Regulierungstsunami ausgelöst, der heute vor allem Regionalbanken und auch unsere Kunden belastet“. Bei der Frage, wem man in Finanzfragen vertrauen könne, hätten die Steirer aber rasch erkannt, dass Regionalbanken nicht die Auslöser der Krise waren. „Das zeigt sich im starken Anstieg bei den Spareinlagen, die seit 2008 um 40 Prozent gewachsen sind.“

Rettung mit Nebenwirkung

„Zunächst sah ich uns von diesem Kollaps nicht betroffen, denn wir hatten 2008 das beste Betriebsergebnis der Geschichte“, lässt Gerhard Fabisch, Vorstandschef der Steiermärkischen Sparkasse, die Ereignisse vom September 2008 Revue passieren. Die damaligen Interventionen der EZB seien unerlässlich gewesen, um eine rasche Stabilisierung zu erreichen – auch wenn das bedeutete, mit den Nebenwirkungen zu leben. „Die Nachwirkungen von Lehman haben auch die Wachstumsraten unseres Kreditgeschäfts beeinflusst“, so Fabisch.

Solide Strategie bestätigt

„Zweifelsfrei hat die Lehman-Krise die Schwächen der diversen Veranlagungskonzepte schonungslos offengelegt“, resümiert Heimo Haidmayer, Direktor der Schöllerbank. „Viele Vermögensverwalter mussten sich nach der Krise neu erfinden, mussten ihre alte Stilistik gezwungenermaßen über Bord werfen.“ Das auf Private Banking spezialisierte Institut sieht sich auf dem richtigen Kurs: „Die Lehman-Krise hat einmal mehr unsere solide Veranlagungsstrategie bestätigt."

Spürbare Auswirkungen

Herta Stockbauer, Vorstandsvorsitzende der BKS Bank, gesteht ein, dass die Auswirkungen der Lehman-Pleite bis heute spürbar seien. Grund dafür ist die strenge Bankenregulierung, die nach dem globalen Finanzkollaps eingeführt wurde. „Der gesamte Bankenbereich in Europa hat ja ein völlig neues Aufsichtsmodell und viele neue Vorschriften bekommen“, so Stockbauer. Für die Banken sind damit hohe Auflagen verbunden: „Wir müssen deutlich höhere Kapitalquoten und Liquiditätsziffern aufweisen als vorher“, resümiert Stockbauer.


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