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Exodus aus der Ukraine: Nachbarn sind solidarisch

Mehr als 3,5 Millionen Menschen haben die Ukraine bereits in Richtung EU verlassen. In den Nachbarstaaten ist die Hilfsbereitschaft groß.

Ukrainische Flüchtlinge warten an einem Bahnsteig
© Ole Spata, Picturedesk Warten auf den Zug in den Frieden: die Flüchtenden können nur mitnehmen, was sie tragen können.

Die an die Ukraine angrenzenden EU-Länder sind mittlerweile bereits für 3,5 Millionen Menschen zum Zufluchtsort geworden. Die meisten Flüchtlinge kamen nach Polen, aber auch in Rumänien, Ungarn und der Slowakei ist die Zahl der Ankünfte hoch. Laut EU-Kommission seien aber bereits fast zwei Millionen Menschen in andere EU-Länder weitergereist. Wir haben bei den Wirtschaftsdelegierten vor Ort nachgefragt wie die EU-Nachbarn mit dieser Herausforderung umgehen.

Polens Bevölkerung zeigt sich solidarisch

Polen hat bereits mehr als zwei Millionen vertriebene Ukrainer aufgenommen. Dabei komme dem Land eine ähnliche Rolle zu wie Österreich beim Volksaufstand in Ungarn und den Konflikten in der Tschechoslowakei und Jugoslawien, so Konstantin Bekos, Wirtschaftsdelegierter in Warschau. Man rechne mit Kosten von 500 Millionen Euro, die administrative und finanzielle Hauptlast tragen die Gebietskörperschaften und Privatpersonen. „Obwohl es eine vorbildliche Spenden- und Hilfskoordination in Form einer digitalen Plattform gibt, mangelt es an staatlicher Koordination“, berichtet Bekos. „Man sieht den Krieg als Angriff auf eine demokratische Ukraine, europäische Werte und die staatliche Souveränität und erkennt eine russische Gefahr auch für Polen.“ Bemerkenswert sei, dass erstmals seit Jahren die politische Klasse Polens mit der überwältigenden Mehrheit der Gesellschaft einer Meinung sei, so Bekos. Die Auswirkungen des Krieges auf die Wirtschaft würden sich in den Energiepreisen, dem Wertverlust der Währung und der Inflation zeigen. Die Wirtschaftsprognose wurde von 5 auf 3,5 Prozent gesenkt. Zudem fehlen trotz der Flüchtlinge ukrainische Arbeitskräfte, denn 100.000 ausgebildete Ukrainer haben Polen verlassen, um in ihrer Heimat zu kämpfen.

Schutz und humanitäre Hilfe in Ungarn

Nach Angaben der ungarischen Regierung kamen bis zum 16. März etwa 429.000 ukrainische Flüchtlinge ins Land. Man geht davon aus, dass es – zumindest kurzzeitig – über 900.000 Menschen sein werden. „Der Ansatz der Regierung ist in der aktuellen Situation grundsätzlich anders als bei der Flüchtlingswelle 2015“, berichtet Jürgen Schreder, Wirtschaftsdelegierter in Budapest. „Aufgrund der Nähe der Ukraine und der international geschlossenen Haltung und Empörung gegenüber der russischen Aggression bietet auch Ungarn entsprechenden Schutz und humanitäre Hilfe an.“ Allerdings habe man nach 2015 die Kapazitäten und infrastrukturellen Gegebenheiten zur Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen drastisch gesenkt. Deshalb sei die Hilfestellung im Land anfangs vor allem über kirchliche und zivile Organisationen sowie Privatinitiativen erfolgt. Es fehle an zentraler Koordination. „Die Hilfsbereitschaft der Ungarn ist aber groß, viele Private bieten Unterkunftsmöglichkeiten“, führt Schreder weiter aus. Die ungarische Wirtschaft sei aktuell anfällig, was längerfristig für Pessimismus sorgt. So steige etwa die Inflation seit eineinhalb Jahren stetig an und ist mit 8,3 Prozent über dem EU-Schnitt von 5,3 Prozent.  

Die Slowakei empfängt die Flüchtenden mit offenen Armen

„Die ukrainischen Flüchtlinge werden in der Slowakei mit offenen Armen empfangen“, berichtet Hans Christian Kügerl, Wirtschaftsdelegierter in Bratislava: „Die Ankommenden werden zunächst registriert, versorgt und dann weitertransportiert. Die dafür notwendige Organisation wurde in kurzer Zeit aus dem Boden gestampft.“ Unterstützung komme auch aus Österreich in Form von  substanziellen Sachlieferungen. Größte Herausforderung sei die große Anzahl an Menschen und die damit verbundenen logistischen Probleme. „Die slowakische Bevölkerung ist besorgt, ob Russland den Krieg nicht noch weiter eskalieren wird, und man ist durchwegs froh über die NATO-Mitgliedschaft der Slowakei“, so Kügerl. Um die Wirtschaft im Land stehe es derzeit relativ gut: Die Industrie, insbesondere die Automobilindustrie, hat Covid-19 gut überstanden. Und auch den österreichischen Niederlassungen gehe es derzeit gut. „Die Energiepreise steigen allerdings seit Monaten und der Ukraine-Konflikt treibt die Preise für Strom, Gas, Benzin und Diesel an. Zudem erwartet man Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Rohstoffen“, führt Kügerl aus. „Die Auswirkung dieser Entwicklungen werden wir aber erst später zu spüren bekommen.“

Welle der Hilfsbereitschaft in Rumänien

„Aufgrund der Vergangenheit mit der ehemaligen Sowjetunion und der geografischen Nähe hat die rumänische Bevölkerung großen Respekt vor Russland“, weiß Gerd Bommer, Wirtschaftsdelegierter in Bukarest. „89 Prozent der Menschen sind besorgt, dass sich der Konflikt auch auf Rumänien ausdehnen könnte. Gleichzeitig gibt die NATO-Mitgliedschaft aber ein Gefühl der Sicherheit.“ Die Hilfsbereitschaft gegenüber den Vertriebenen aus der Ukraine sei sowohl seitens der Regierung als auch in der Bevölkerung sehr groß. Rumänien kann bis zu 500.000 Flüchtlinge aufnehmen und ist bereit dazu, zum „Flüchtlingshilfe-Hub“ zu werden. Seit Ausbruch des Krieges sind rund 430.000 Ukrainer nach Rumänien geflohen, der Großteil ist in andere EU-Länder weitergereist. Etwa 80.000 sind geblieben, 3.750 haben bereits Asyl beantragt. „Rumäniens Wirtschaft hat nach der Coronakrise eine V-förmige Erholung hingelegt, die Wirtschaft ist von minus 3,9 Prozent im Jahr 2020 auf plus 5,9 Prozent im Jahr 2021 gewachsen. Aufgrund der starken Inflation rechnet man für die Zukunft aber mit einer Abschwächung“, so Bommer. „Ein Allzeit-Hoch gibt es beim bilateralen Handel sowie bei den österreichischen Investitionen im Land.“ 

Hinweis: Unternehmen, die Ukrainer einstellen möchten, können unter Vorlage des Ausweises für Vertriebene beim AMS eine Beschäftigungsbewilligung in einem vereinfachten Verfahren erhalten. 

Von Petra Mravlak

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