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„Es ist die Neugier, die uns ins All zieht“

Zum großen ESA-Jubiläum haben wir den Direktor des Instituts für Weltraumforschung, Wolfgang Baumjohann, über die Faszination an den unendlichen Weiten befragt.

W. Baumjohann zählt zu den renommiertesten Weltraumwissenschaftern und ist aktuell an neun Satellitenmissionen beteiligt.
© Erwin Scheriau – APA W. Baumjohann zählt zu den renommiertesten Weltraumwissenschaftern und ist aktuell an neun Satellitenmissionen beteiligt.

Östereich feiert 30 Jahre ESA-Mitgliedschaft: Welche Bilanz ziehen Sie persönlich?
Wolfgang Baumjohann: Eine insgesamt sehr positive. Ich glaube, ohne Mitgliedschaft bei der ESA gäbe es keine Weltraumaktivitäten in Österreich. Wir haben dadurch alle Möglichkeiten, mitzumachen – das betrifft nicht nur das Institut, dem ich vorstehe, sondern auch die vielen Industrieunternehmen die direkt beziehungsweise in der Folge daran partizipieren.

Wie stark ist die Steiermark in der österreichischen Weltraumforschung vertreten?
Baumjohann: Wo Österreich draufsteht, steckt Steiermark drin – zumindest wenn es um die Forschungsleistung geht. Hier sind wir bei weitem vorne: Nicht umsonst ist das Institut für Weltraumforschung in Graz beheimatet, dazu kommen weitere große wissenschaftliche Treiber wie Joanneum Research und Uni Graz sowie auch im Besonderen die TU Graz. Was die Unternehmen betrifft, so sind es hier vor allem die vielen kleineren Zulieferer, die in diesem Bereich hervorragende Leistungen bringen und an zahlreichen Weltraumaktivitäten beteiligt sind. Aber ich denke, hätte etwa Magna sich dazu entschlossen, nicht nur so tolle Autos zu bauen, sondern eine ähnliche Kraft in die Weltraumforschung gesteckt, dann wären die Steirer auch im Bereich der Unternehmen federführend.

Sie stehen dem Institut für Weltraumforschung vor. Vereinfacht gesagt: Was tun Sie?
Baumjohann:
Generell bauen Institute für Weltraumforschung Instrumente – wenn sie sehr groß sind, sogar Satelliten –, messen damit im Weltall und werten die erlangten Daten aus. Was uns von anderen Ländern unterscheidet, ist, dass wir aufgrund unserer Kleinheit nur in gewissen Bereichen tätig sind: Wir konzentrieren uns voll und ganz auf Planetenforschung und Weltraumplasmaphysik – aber da sind wir weltweit führend.

Weltraumplasmaphysik?
Baumjohann: 99 Prozent aller Materie im Weltall ist Plasma, also extrem heißes Gas – das bestimmt ab 100 Kilometern Höhe die Umgebung der Erde. Und da fliegen ja bereits zahlreiche Satelliten herum bzw. sollen weitere hinaufgeschossen werden. Es ist also hilfreich, wenn man den ,Wetterbericht‘ dort oben genau kennt.

Warum fasziniert die Menschen das Weltall so sehr?
Baumjohann: Weil wir es nicht kennen – die Neugier zieht uns ins All.

Sie setzen sich stark für die Begeisterung der Jugend zu diesem Thema ein, warum?
Baumjohann: Wir können in Österreich ja nicht nur vom Schifahren oder dem Tourismus leben. Um Wertschöpfung zu generieren, braucht es auch Wissenschaft und Hochtechnologie im Land. Und das Schöne am Weltraum ist, dass er – nachdem Reagan den Krieg der Sterne nicht hinbekommen hat – nach wie vor ein wertfreier Raum ist, in dem sich Neugier und Faszination frei entfalten können.

Was, wenn ich ein Ticket für eine All-Reise für Sie hätte…
Baumjohann: Das würde ich wohl nicht einlösen wollen. Mir reicht ein Berg, um auf die Steiermark herabzublicken.

Zur Person:

Wolfgang Baumjohann ist Direktor des Grazer Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Der Physiker ist gegenwärtig teilweise federführend an neun Satellitenmissionen beteiligt und zählt zu den meistzitierten Weltraumwissenschaftern.

Alle weiteren Informationen auf: www.iwf.oeaw.ac.at

Das Interview führte Veronika Pranger

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