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Energiepolitik setzt Betriebe unter Strom

Max Oberhumer ist neuer Obmann der Sparte Industrie. Im Interview erklärt er, welchen „energiegeladenen“ Herausforderungen sich die Branche aktuell stellen muss.

Max Oberhumer nimmt im großen Antrittsinterview bei Energiefragen die Politik in die Pflicht.
© Fischer Max Oberhumer nimmt im großen "Antrittsinterview" bei Energiefragen die Politik in die Pflicht.

Herr Oberhumer. Sie treten als Spartenobmann die Nachfolge der im Mai verstorbenen Angelika Kresch an. Was nehmen Sie sich dafür vor?
Max Oberhumer:
Angelika Kresch hat für die heimische Industrie viele herausragende Initiativen gesetzt – beispielsweise in der Begeisterung junger Menschen für Karrieren in der Industrie. Ich sehe es als Auftrag, diese Anliegen in ihrem Sinne weiterzuführen.

Sie sind als Chef von Sappi Gratkorn höchst erfolgreich – warum also jetzt diese zusätzliche Herausforderung?
Oberhumer:
Weil es in Zeiten, in denen sich europaweit politische Zwietracht mit höchst bedenklichem Ausmaß abzeichnet, wichtig ist, die Interessen der Industrie zu vertreten. Denn diese leistet einen beträchtlichen Anteil am gesellschaftlichen Wohlergehen. Deshalb sehe ich mein Engagement in der Interessensvertretung nicht als industriellen Eigennutz, sondern als Dienst an der Demokratie. Und ich halte auch nichts von Populismus und reißerischen Schlagworten, nur um Aufmerksamkeit zu erregen. Vielmehr braucht es gut überlegte Ansätze, die die politisch Adressierten dann auch wirklich umsetzen können.

Bleiben wir bei den Herausforderungen – eine davon ist der Fachkräftemangel…
Oberhumer:
Der Fachkräftemangel ist in den Betrieben stark zu spüren und wirkt sich bereits hemmend auf die Produktionen aus. Kurzfristig reagieren Unternehmen darauf mit der Weiterqualifikation bzw. der Umschulung von Mitarbeitern. Auf Dauer aber ist es eine Frage des Nachwuchses. Und hier halte ich es für die schlechteste Methodik überhaupt, einen gegenseitigen Wettbewerb mit einem Berg an „Zusatzzuckerl“ untereinander zu führen, um junge Menschen in die Lehre zu bekommen. Das löst das Problem nicht, es wird nur verschoben. Vielmehr müssen die Berufsbilder in der breiten Masse attraktiver gemacht werden. 

Ein weiteres großes ­Thema ist die Strompreiszonentrennung ab 1. Oktober. Was kommt auf die Betriebe zu?
Oberhumer:
Das hängt von der Energieintensität und von der zugekauften Strommenge ab. Wenn Betriebe aber für jede Megawattstunde nur einen Euro mehr zahlen müssen, dann können das schnell hunderttausende bis zu mehreren Millionen Euro an Mehrkosten sein.

Stichwort Energie: Hier ist ein neues Gesetz in Vorbereitung. Zu Ihrer Zufriedenheit?
Oberhumer:
Mit Sicherheit nicht. Die neu angedachten Einspeisetarife für Öko-Energien sind hochbrisant und die energieintensive Industrie beobachtet das mit Sorge: Nicht nur wegen weiterer Verteue­rungen, sondern auch aufgrund der Ressurcenumlenkungen in Kanäle, die weniger Wertschöpfung beeinhalten: Es macht schlicht keinen Sinn, Holz direkt aus dem Wald zu verbrennen, anstatt es für höherwertige Produkte zu verwenden. Aus den letzten 15 Jahren erneuerbare Energiepolitik wissen wir nämlich, wer am Schluss die Rechnung bezahlt – alle Stromkonsumenten. Und die produzierenden Betriebe gleich doppelt – mit den teureren Stromrechnungen und mit verteuerten, weil verknappten Rohstoffen.

Wie also beurteilen Sie die aktuelle Industriepolitik in Österreich?
Oberhumer:
Ich denke, dass wir mit der derzeitigen Regierung eine Trendumkehr erreicht haben, wo Wirtschaftsinteressen gehört und auch als notwendig verstanden werden. Wir sehen aber auch, dass man den Bogen nicht auf Kosten der sozialpartnerschaftlichen Zusammenarbeit überspannen darf – das wäre fatal. Aber ambitioniert dürfen Themen ruhig angegangen werden, nur so kann man etwas erreichen – und das passiert zur Zeit.

Zur Person:
Seit 2007 leitet der studierte Maschinenbauer Max Oberhumer die Geschicke des Gratkorner Papierunternehmens Sappi. Als Repräsentant in der „Confederation of European Paper Indus­tries“ vertritt Oberhumer die Interessen der österreichischen Papierindustrie auch in Brüssel.

Interview: Veronika Pranger

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