th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home
news.wko.at

Ende der Krise ist in Sicht

Die Anzeichen sind gut, in Südeuropa wächst wieder die Wirtschaft. Wir haben die einstigen Krisenmärkte im Detail unter die Lupe genommen.

Landkarte Europa
© Steirische Wirtschaft Die Länder Südeuropas haben die wirtschaftlichen Weichen wieder auf Wachstum gestellt.

Rettungsschirm, Eurokrise, das drohende Ende der Gemeinschaftswährung – all das hielt Europa und die Welt jahrelang im Bann. Ganz zu schweigen von den Menschen in Griechenland, Spanien und Portugal, aber auch Italien, die zum Teil unter einer jahrelangen Rezession massiv zu leiden hatten. Doch die scheint nun – gut zehn Jahre nach Beginn der Krise – zu Ende zu sein. Die Länder Südeuropas haben die wirtschaftlichen Weichen wieder auf Wachstum gestellt. Ob nachhaltig oder nicht, das haben wir bei den Außenwirtschaftscentern der WKO vor Ort nachgefragt. 

„Viele makroökonomische Indikatoren zeigen, dass die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in den sogenannten ‚Krisenländern‘ weitaus besser ist, als gemeinhin angenommen“, bestätigt Ewald Verhounig, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung der WK Steiermark (IWS). Die Wirtschaft in den südeuropäischen Ländern wächst wieder. So geht etwa die griechische Nationalbank von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,6 Prozent für das Jahr 2017 aus. 2018 erwartet sie sogar ein sattes Plus von 2,4 Prozent. Und auch Spanien verzeichnet seit 2015 bereits einen erstaunlichen Zuwachs von über drei Prozent. 

„All das wirkt sich auch auf die Arbeitsmärkte aus, die Arbeitslosenzahlen sinken“, so Verhounig. „Zudem hat eine vergleichsweise moderate, im EU-Vergleich deutlich unterdurchschnittliche Entwicklung bei den Lohnstückkosten die Attraktivität Südeuropas vorangetrieben. Und dies wird anhand der Investitionszahlen, die ebenfalls wieder nach oben zeigen, mehr als deutlich.“ 

Kann man also die Krise nun für beendet erklären? „Aus wirtschaftlicher Sicht sind die Anzeichen gut, doch es gilt seitens der Politk noch einige wichtige gesellschaftspolitische Weichenstellungen zu treffen, um den Erfolg auch nachhaltig zu sichern“, ist Verhounig überzeugt. Ein Schwachpunkt bleibe nach wie vor der Bereich der öffentlichen Verschuldung, wenngleich diesbezüglich bereits Bewegung zu beobachten sei. 

Vielerorts leidet auch die Bevölkerung nach wie vor stark am drastischen Sparkurs. So wurden etwa in Griechenland die Pensionen um 65 Prozent gekürzt. Und in Spanien haben nach wie vor 40 Prozent der Jugendlichen keinen Job, was zu steigenden Haushaltsgrößen und einer starken Belastung des familiären Netzes geführt hat.

Reformen in Griechenland

Griechenland galt lange Zeit als Sorgenkind Europas: „Drei Rettungspakete brachten eine umfangreiche fiskalische Konsolidierung bei gleichzeitiger innerer Abwertung“, berichtet Gerd Dückelmann-Dublany, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Athen. Die strengen Auflagen sorgten für drastische Einschnitte für die Bevölkerung, doch nun scheint immerhin der Turnaround der Wirtschaft geschafft. Denn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte in den nächsten Jahren stetig wachsen. „Die Produktionsindustrie sieht kontinuierliche Steigerungen, die Exporte nehmen zu, es sind 100.000 neue Jobs entstanden und die Arbeitslosigkeit ist von über 28 Prozent auf 20 Prozent zurückgegangen“, fasst Dückelmann-Dublany die Entwicklung  zusammen. „Außerdem besteht die Hoffnung, dass vor allem KMU, die das Rückgrat der griechischen Wirtschaft darstellen, sich nun wieder erholen.“ Bereits erholt hat sich der Tourismus, ein wesentliches Zugpferd der griechischen Wirtschaft: So kamen 2017 wieder knapp 26 Millionen Gäste, das entspricht einem Zuwachs von 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem entwickelt sich Griechenland  zunehmend zu einer Transportdrehscheibe, getrieben durch internationale Investitionen in die Infrastruktur.

Rekordwachstum in Spanien

Die spanische Wirtschaft wächst seit drei Jahren kontinuierlich und hat 2017 das Vorkrisen-BIP von 2008 (1.124 Mrd. Euro) wieder erreicht. „Ausschlaggebend für dieses Wachstum sind die gestärkte Exportwirtschaft, der Anstieg des Inlandskonsums, der Tourismus und die gezielte Einsparungspolitik der letzten Jahre“, berichtet Michael Spalek, österreichischer Wirtschaftsdelgierter in Madrid. 

Spanische Unternehmen investieren derzeit verstärkt in Ausrüstungen wie Maschinen und Anlagen, es werden Bauprojekte umgesetzt und auch die Exportbranche, der Tourismus und der Medizintechnikmarkt florieren. „Die drastischen Arbeitsmarktreformen scheinen zu greifen“, so Spalek. So konnten seit 2013 zwei Millionen der durch die Krise verlorenen 3,3 Millionen Arbeitsplätze wieder gutgemacht werden. Einen Schatten auf den Aufschwung werfen allerdings die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens: „Die Lage ist nach wie vor angespannt“, weiß Spalek. „Es besteht jedoch keine Veranlassung, sich aus einer Geschäftstätigkeit mit katalanischen Partnern zurückzuziehen.“ Die Katalonienkrise könne allerdings das Wirtschaftswachstum bremsen. So könne es unter Umständen 2017 unter drei Prozent liegen, und nicht wie erwartet bei 3,1 Prozent.

Aufwärtstrend in Italien 

„Mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent hat Italien im vergangenen Jahr alle Erwartungen übertroffen“, sagt Gudrun Hager, österreichische Wirtschaftsdelegierte in Mailand. Auch für 2018 erwarte man ein Plus von 1,4 Prozent. Aktuell werde wieder kräftig investiert und vor allem international agierende italienische Firmen hätten die Wirtschaftskrise gut überstanden. „Der Wirtschaftsmotor brummt traditionell in Italiens Norden und so zählt die Lombardei mit Mailand zu den wirtschaftsstärksten Regionen Europas“, weiß Hager. Branchen wie Biotechnologie, IT, Design und Automotive bieten großes Potenzial, zudem sind Lösungen zur Digitalisierung der Produktionsbetriebe gefragt. Italien erlebt aber auch einen neuen Boom als Tourismusdestination. Dringenden Reformbedarf habe allerdings das italienische Bankensystem, so die Handelsdelegierte, „wobei erste Schritte zur Neuordnung und Kreditvergabe bereits Wirkung zeigen“. Auf etwaige Veränderungen durch die anstehenden Parlamentswahlen im März 2018 würden italienische Unternehmen wohl so flexibel wie in der Vergangenheit reagieren und sich rasch auf geänderte Rahmenbedingungen einstellen, meint Hager.

Aufschwung in Portugal 

„Für Portugal ist die Krise vorbei“, berichtet Barbara Lehninger, die österreichische Wirtschaftsdelegierte in Lissabon. Denn mit der portugiesischen Wirtschaft geht es nun eindeutig wieder bergauf: So stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2017 um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – ein derart starkes Wachstum gab es zuletzt vor zehn Jahren. Zudem fiel die Arbeitslosenrate unter die Zehn-Prozent-Marke auf 8,5 Prozent und das Budgetdefizit lag bereits 2016 mit 2,1 Prozent deutlich unter der 2,5-Prozent-Grenze. Ein weiterer Lichtblick ist, dass das Defizitverfahren gegen Portugal im Mai 2017 eingestellt wurde und die Rating-Agentur Fitch das Land wieder zum „sicheren Schuldner“ aufgewertet hat. „Sorgen bereiten aber nach wie vor die hohe Staatsverschuldung von rund 130 Prozent des BIP sowie der Bankensektor, der bisher nicht nachhaltig saniert wurde“, führt Lehninger aus. Mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich sei zudem der Tourismus ein wahrer Wachstumsmotor. Aber auch exportorientierte Industriezweige sind im Aufwind. Außerdem gibt es einen Boom auf dem Immobilienmarkt, was auch der Bauwirtschaft zugute kommt. Stark sind auch die Textil- und Kunststoffindustrie sowie die Automobilzulieferindustrie.

Von Petra Mravlak








Das könnte Sie auch interessieren

  • International
Griechenland hat den Euro-Rettungsschirm verlassen und kehrt erstmals seit 2014 wieder an den Finanzmarkt zurück.

Gute Vorzeichen für einen Neustart

Die griechische Schulden-Tragödie scheint ihr Ende gefunden zu haben – die Wirtschaft entwickelt sich gut, mit dem Sparen ist es aber noch nicht vorbei. mehr

  • International

Durchbruch von Trump und Juncker im Handelsstreit

Der große Showdown im Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und der USA endete mit einem überraschenden Bekenntnis zur Annäherung. Die Autozölle sind vorerst vom Tisch, im Gegenzug wird mehr Soja und Flüssiggas aus den USA von der EU importiert. mehr