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"Eltern sollen sich keine Sorgen machen"

Das neue Schuljahr startet: Was sich Bildungsminister Heinz Faßmann im Interview mit der Steirischen Wirtschaft wünscht und wie bei Verdachtsfällen umgegangen wird.

Bildungsminister Heinz Faßmann wünscht sich einen normalen Schulablauf.
© BMBWF/Lusser Bildungsminister Heinz Faßmann wünscht sich einen möglichst normalen Schulalltag.

Mit welchen Änderungen bzw. Neuerungen startet das Schuljahr?

Ich will einen normalen Regelbetrieb. Ich will, dass die Kinder und Jugendlichen gut betreut werden und einen ordentlichen Unterricht haben. Ich will aber auch, dass sie in einer sicheren Umgebung unterrichtet werden. Die Eltern sollen sich keine Sorgen machen, wir machen alles, damit ein sicherer Schulbetrieb möglich sein wird. Ich habe in bildungspolitischen Fragen in Österreich selten so viel Einigkeit erlebt wie bei einem Punkt: Alle wollen großflächige Schließungen von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen vermeiden. Ich habe auch immer betont, dass die Schule als sozialer Ort nicht zu ersetzen ist. Die Qualifizierung der nächsten Generation und die Förderung von Gemeinschaft finden in den Schulen statt und macht sie so wichtig. Die Wiederaufnahme des Regelbetriebes erfolgt aber nicht ohne Vorsicht und Respekt vor der Dynamik der ansteckenden Infektionskrankheit. Daher starten wir den Regelbetrieb mit Rückversicherung. Wir wissen, dass die Situation fragil ist und sich die Infektionslage rasch verändern kann. Die regionale Corona-Ampel wird diese Veränderung transparent und datengestützt anzeigen. Das Bildungssystem wird darauf synchron reagieren, Klassen- oder Schulschließungen sind nicht ausgeschlossen, Distance-Learning kann wieder installiert werden.

Kommen wir gleich zum alles beherrschenden Thema Corona: Auf welche Einschränkungen müssen sich die Schülerinnen und Schüler einstellen?

Um das Alltagsleben in der Schule sicher zu gestalten, ist ein Potpourri von Maßnahmen notwendig. Eine alleine ist nicht ausreichend. Wichtig ist das häufige Lüften. Im Herbst wird der Anorak in die Klasse mitgenommen, damit auch bei sinkenden Außentemperaturen gelüftet werden kann. Wir empfehlen generell, Unterricht im Freien stattfinden zu lassen. Das wird im städtischen Bereich schwieriger sein als im ländlichen Raum. Das betrifft nicht nur Bewegung und Sport oder Musikerziehung und Singen. Wenn in Biologie die heimischen Laubbäume an der Reihe sind, kann der Unterricht auch im Park um die Ecke stattfinden. Ein Aufsatz lässt sich im Deutschunterricht auch im Schulhof diskutieren – solange es das Wetter zulässt. Unsere engagierten Lehrerinnen und Lehrer haben das bisher schon getan, tun sie es weiter, wir alle sind dankbar. Wichtig ist auch der MNS. MNS im Eingangsbereich und im Gangbereich macht Sinn, in der Klasse kann die Maske dann abgenommen werden. Ein Unterrichten mit Maske über einen längeren Zeitraum kann nicht gut gehen. Schließlich empfehlen wir, die Klassen auch als Klassengemeinschaften zu betrachten. Eine Durchmischung ist abträglich, weil sie das Infektionsrisiko steigert.

Müssen Schüler generell einen Mund-Nasen-Schutz tragen? Welche weiteren Hygienemaßnahmen sind zu beachten?

Es kommt auf die Ampelfarbe an. Bei „Grün“ herrscht Normalbetrieb und es muss kein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Bei „Gelb“ tragen alle außerhalb des Klassenraums einen MNS, im Unterricht kann der MNS dann abgenommen werden. Schulfremde Personen müssen im Schulgebäude jedoch die ganze Zeit über einen MNS tragen. Singen ist im Freien erlaubt oder in der Klasse nur mit MNS. Sport findet vorwiegend im Freien statt, Kontaktsportarten sind untersagt.

Was passiert bei einem Corona-Verdachtsfall in der Schule?

Das betroffene Kind wird abgesondert und die Schulleitung verständigt den Schularzt bzw. die Gesundheitsbehörde, die Erziehungsberechtigten und die Bildungsdirektion. Die Gesundheitsbehörde entscheidet dann, ob das Kind abgeholt oder noch vor Ort getestet wird. Die Schulleitung muss auch die Kontaktpersonen dokumentieren. Je nach Sachlage verhängt die Gesundheitsbehörde Quarantäne über die anderen Schülerinnen und Schüler. Bis zur endgültigen Abklärung wird der Unterricht im Klassenraum fortgesetzt.

Wie werden Risikogruppen geschützt bzw. müssen diese in der Schule anwesend sein?

Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrerinnen und Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, müssen nicht in die Schule kommen. Daneben kann es Personen - Lehrende wie Schülerinnen und Schüler - geben, die zwar nicht zur Risikogruppe gehören, aber für die der Schulbesuch insbesondere bei steigenden Infektionszahlen eine besondere psychische Belastung darstellt oder die mit einer Person aus der Risikogruppe im selben Haushalt leben. Gegen Vorlage eines ärztlichen Attests können diese Personen vom Präsenzunterricht befreit werden. Lehrende können im Homeoffice sodann für andere Tätigkeiten herangezogen werden, z. B. zur Betreuung im Distance-Learning. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler gelten als entschuldigt, müssen aber den Stoff selbstständig nachlernen.

Werden Schulen geschlossen, wenn die vierphasige Corona-Ampel in einem Bezirk auf Rot springt?

Die genaue Definition der Ampelfarben ist noch ausständig und mit dem Gesundheitsministerium muss auch noch geklärt werden, ob „rot“ automatisch zu Schulschließungen im gesamten politischen Bezirk führt. Ich halte das für nicht sinnvoll. Klassen in Quarantäne und von der Gesundheitsbehörde geschlossene Schulen kann es eigentlich bei jeder Ampelfarbe geben, der Einzelfall bei Schulschließungen ist wichtig. Wann und wo dies erfolgen wird, wissen wir heute aber noch nicht.

Für knapp 140.000 steirische Schüler beginnt bald ein besonderes Schuljahr.
© AdobeStock Für knapp 140.000 steirische Schüler beginnt bald ein besonderes Schuljahr.

Welchen Zweck haben die Gurgeltests an den Schulen?

Ich will mehr Klarheit haben. Wie sieht es mit der Prävalenz der 6-14-Jährigen Schülerinnen und Schüler und der Lehrerinnen und Lehrer insgesamt aus? Wie viele sind infiziert, unabhängig von der Symptomatik, die diese Infektion bei ihnen auslöst? Wir planen also für den Herbst ein Monitoring gemeinsam mit den medizinischen Universitäten in Wien, Graz, Linz und Innsbruck und der Universität Wien. Dieses Monitoring soll Aufschluss über das wahre Ausmaß und die regionale Verbreitung der Infektion geben. Das ist wichtig, denn gerade bei den jüngeren Altersgruppen sind asymptomatische Verläufe häufig und die entsprechenden Personen werden daher nicht getestet.

Der Corona-Lockdown hat auch einen großen Digitalisierungsschub ausgelöst. Werden E-Learning und Co. nachhaltig im Unterricht Platz haben?

Ja, natürlich. Und wir haben die Sommermonate auch genützt. Seit August ist unser Distance Learning MOOC (Anmerkung: https://www.virtuelle-ph.at/dlm/) online. Dieser Online Kurs ist sehr ansprechend gestaltet, mit Quiz, kleinen Filmen und einem Zeugnis am Ende des Kurses und vermittelt Grundbegriffe und weiterführende Ansätze einer digital unterstützen Pädagogik. Der Kurs kommt sehr gut an, bereits 7.500 Lehrerinnen und Lehrer haben schon in den ersten Wochen daran teilgenommen. Seit Anfang Juli wird das Portal Digitale Schule programmiert. Wir fassen das Klassenbuch, die Schülerverwaltung, E-Mails und die Lernplattformen unter einem Dach zusammen. Mit einem Log In hat man Zugriff darauf. Alles sehr professionell und ansprechend, im September wird es online sein. 

Wir leben in einer Zeit des digitalen Wandels. Welche großen Herausforderungen kommen diesbezüglich auf das Bildungssystem zu?

Ich würde nicht von Herausforderungen, sondern von Chancen sprechen. Wir nützen jetzt den Schwung von Distance Learning, der sich während des Lockdowns der Schulen entwickelt hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir zukünftig Präsenzlehre und Distance Learning kombinieren werden und dass das auch gut funktionieren wird. Zu Hause kann man zum Beispiel mit digitalen Medien lernen, in der Klasse darüber sprechen und Nichtverstandenes ausgleichen. Das umgedrehte Klassenzimmer, das flipped classroom schafft neue pädagogische Möglichkeiten, der Lehrende wird zum Lernbegleiter, zum Motivator und zum Erklärer. Das sogenannte Pauken können wir dem Computer übergeben.

Ist der Lehrkörper für die Herausforderungen dieses Wandels gerüstet und welche neuen Skills gilt es den Kindern beizubringen?

Unser „8 Punkte Plan für die digitale Schule“ sieht natürlich auch vor, dass wir unsere Lehrerinnen und Lehrer unterstützen. Die Fort- und Weiterbildungsangebote habe ich bereits erwähnt. Im Rahmen des Schulentwicklungsprogramms werden die Bundesschulen so ausgestattet, dass Lehrerinnen und Lehrer Arbeitsmöglichkeiten vorfinden und nicht nur ein Tisch und ein Ablagefach in einem großen Konferenzzimmer. Und wir werden alle Schulen, die sich erfolgreich an einem Call für Schülergeräte beteiligen, mit zusätzlichen Endgeräten für Lehrerinnen und Lehrern ausstatten.

Zum Abschluss: Was würden Sie als ihr wichtigstes persönliches Vorhaben in der Politik bezeichnen?

Mein größter Wunsch ist aktuell, dass der Schulstart gut über die Bühne geht und dass es zu keinen großflächigen Schulschließungen im kommenden Schuljahr kommen wird. Es ist fast schon witzig, einen längeren Zeitraum in Betracht zu ziehen.

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