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Ein Stück weiß-grüne Industriegeschichte

Auch wenn es seit 1998 Magna heißt, hat sich die Bezeichnung „Puchwerk“ doch bis heute gehalten. Der ehemalige Magna-Personalchef Erich Mayer hat dieses Stück steirischer Industriehistorie eindrucksvoll aufbereitet.

as Magna-Werk 2017: 9.500 Mitarbeiter sind aktuell hier beschäftigt
© Magna Steyr Das Magna-Werk 2017: 9.500 Mitarbeiter sind aktuell hier beschäftigt
Vor genau 20 Jahren übernahm „Magna International“ die Aktienmehrheit bei „Steyr-Daimler-Puch“. Doch bis heute ist der alte Name „Puchwerk“ in weiten Teilen der steirischen Bevölkerung geläufig geblieben – selbst der Wegweiser auf der A2-Südautobahn nennt die Abfahrt nach wie vor Puchwerk. Wenngleich es sich hier – und echte Kenner und Puch-Fans wissen das natürlich – um das Puchwerk II handelt. Dieses wurde in den Jahren 1941/42 in Thondorf im Auftrag der Rüstungsindustrie von Steyr – dem damals drittgrößten Rüstungskonzern – als Zulieferfabrik für die Flugzeugmotorenfertigung am oberösterreichischen Hauptwerk – errichtet und im Herbst 1942 in Betrieb genommen.
Doch zurück zum Anfang: Begonnen hat alles mit Visionär Johann Puch (1862 – 1914), der 1899 mit der Gründung der „Erste steiermärkische Fahrrad-Fabrics-Actiengesellschaft“ den Grundstein für das erste Puch-Werk und damit für den heute international tätigen Automotive-Multi Magna Steyr legte. Und Innovation wurde bereits vor über 100 Jahren großgeschrieben – das bis heute so genannte „Waffenrad“ (in dem damals wirklich Waffen steckten) ließ sich für den militärischen Einsatz sogar zusammengeklappt auf dem Rücken tragen.
Doch während über das Werk I und Johann Puchs Wirken bereits viele Zeilen geschrieben wurden, ist die Geschichte des Werks II in der Zeit des Nationalsozialismus nur dürftig belegt. „Man kann sie stückweise in verschiedenen Publikationen nachverfolgen, aber eine durchgängige Abhandlung über das Unternehmen zu dieser Zeit fehlt“, erklärt Erich Mayer. Bislang, wohlgemerkt: Denn der langjährige und mittlerweile pensionierte Magna-Personaldirektor hat sich Anfang 2016 im Auftrag seines Ex-Arbeitgebers für eine Chronik zum 75-Jahr-Jubiläum (Anm. 2017) daran gemacht, die Zeit von 1938 bis 1945 aufzuarbeiten.
„Ich kein Historiker und ging ziemlich blauäugig an die Sache heran“, lacht Mayer. „Ich dachte wirklich, dass man nur in einem Archiv anfragen muss und alles da ist.“ Doch weit gefehlt: Denn was folgte, war eine hochintensive Schnitzeljagd in den Tiefen der Aktenschränke. „Im Stadtarchiv gibt es gar keine Akten zum Unternehmen von vor 1943. Über Grundbücher hangelte ich mich zu Eigentumsübertragungen fort“, erinnert sich Mayer an mühselige „Zettelwirtschaft“. Erst die Akten der Rückstellungskommissionen fügten dann ein Puzzlestein ans andere. Doch da war längst nicht mehr an einen kurzen Abriss für die 75-Jahr-Feier zu denken, „da war bereits ein Buch daraus geworden“.

Die Queen im Haflinger


Unter dem Titel „Puch: Werk II – im Wandel der Zeit“ liefert Mayer also erstmals detailliert jene Geschichte, die das Wissen um Steyr-Daimler-Puch bzw. Magna in Graz vervollständigt. Gerade der Zeit des Anschlusses, der Zwangsarbeit und des Wiederaufbaus widmet Mayer hier große Aufmerksamkeit. Schlimme Zeiten, mit Sicherheit. „Umso mehr muss dieses Kapitel endlich genau und kritisch aufgearbeitet werden“, betont der Neo-Autor.
Aber es gibt auch reichlich Kurzweil im Buch, etwa wenn man erfährt, dass Queen Eli­zabeth 1969 beim Staatsbesuch im Haflinger mitfuhr. Das ist, neben dem legendären Modell G, eines der ganz großen Stücke steirischer Puch-Ingenieurskunst. Übrigens: Wussten Sie, dass es den sogar mit Panzerabwehr-Lenkwaffen gab? Nun gut, einen Haflinger und ein Modell G hat man eher nicht zu Hause, aber ans Puch-Maxi können sich doch viele erinnern. Ein Blick auf den imposanten Testfahrer Mugler bestätigt: Dieses Teil hält alles aus – nur nicht den Lauf der Zeit, Ende der Achtziger beendete man die Zweiradschiene. Ein Schicksal, das auch das legendäre Puch-Schamerl – das es in Spezialausführungen vom Müllsammelgefährt bis zum Postmobil gab – 1975 ereilte. Dafür ist heute Platz für neue Innovationen: So feierte kürzlich die elektrische Superkatze von Jaguar, der I-Pace, in den Magna-Werkshallen seine Weltpremiere.

Zur Person:

Erich Mayer (geb. 1953) ist Jurist mit technisch-kaufmännischer Zusatzausbildung. 1985 trat er bei Steyr-Daimler-Puch / Magna-Steyr ein und war hier 30 Jahre lang tätig. Neben ehrenamtlichen Tätigkeiten am Oberlandesgericht Graz war der ehemalige Magna-Personaldirektor in der WKO Steiermark im Fachverband Fahrzeugindustrie aktiv. Das Buch „Puch: Werk II – im Wandel der Zeit“ erschien im Weishaupt Verlag (ISBN: 978-3-7059-0505-4).

Die Errichtung des Werks II schreitet voran: Ansicht vom Dezember 1941
© Magna Steyr Die Errichtung des Werks II schreitet voran: Ansicht vom Dezember 1941
Queen Elizabeth im Haflinger (Staatsbesuch 1969)
© Magna Steyr Queen Elizabeth im Haflinger (Staatsbesuch 1969)
Puch Fahrrad Montagehalle um 1908
© Magna Steyr Puch Fahrrad Montagehalle um 1908
Innovativ: Puch-Motorpflug 1918
© Magna Steyr Innovativ: Puch-Motorpflug 1918
Betriebsappell im Puchwerk 1942
© Magna Steyr Betriebsappell im Puchwerk 1942
Johann Puch Erste Steiermärkische Fahrrad-Fabriks AG“ (Werk I, 1909)
© Magna Steyr Johann Puch Erste Steiermärkische Fahrrad-Fabriks AG“ (Werk I, 1909)
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© Magna Steyr Puchwerk II 1968: Im Hintergrund ist der Autobahn-Bau zu sehen
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Von Veronika Pranger


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