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Ein Plädoyer für mehr Europa

Beim Konjunkturgespräch der RLB traf sich das Who is who der weiß-grünen Wirtschaft. Inhaltlich stand die wirtschaftliche Performance Europas im Fokus.

Georg Knill, Wilfried Thoma, Martin Schaller, Marc Fähndrich, Christian Helmenstein, Johann Strobl (v.l.)
© Photoworkers Georg Knill, Wilfried Thoma, Martin Schaller, Marc Fähndrich, Christian Helmenstein, Johann Strobl (v.l.)

Wenn Raiffeisen zum traditionellen Konjunkturgespräch lädt, ist ein volles Haus garantiert. So auch heuer. Zum bereits 29. Mal trafen sich am Mittwochabend die Spitzen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien in der Raiffeisen-Zentrale in Raaba, um die wirtschaftliche Lage der Nation zu diskutieren. Und das in einem ganz besonderen Gedenkjahr, wie Gastgeber Martin Schaller, Generaldirektor der RLB Steiermark, bei seiner Begrüßung betonte. 100 Jahre Republik sollten Auftrag sein, sich vor allem auch um eine positive Ausrichtung der EU zu bemühen. Die Wirtschaft nehme dabei eine zentrale Rolle ein. „Wirtschaft darf sich nicht abschotten, sondern muss offen bleiben. Nicht umsonst heißt es ,Wer handelt, führt keine Kriege‘. Das ist eine wichtige Orientierung für die EU, die man wieder mehr ins Bewusstsein rücken muss“, so Schaller. Schließlich seien die wirtschaftlichen Voraussetzungen aktuell von einer äußerst positiven Dynamik gekennzeichnet.
Das bestätigte auch Keynote-Speaker Christian Helmenstein. Der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV) zeichnete in seinem Vortrag ein größtenteils optimistisches Bild der Wirtschaftslage: „Trotz geopolitischer Risiken wird 2018 ein gutes Jahr werden“, ist er überzeugt.

Nach langer Durststrecke wieder Hochkonjunktur

Ausschlaggebend für die Hochkonjunktur seien „vielfältige Effekte, etwa die starke Außenwirtschaft“, sagt Helmenstein. Innenwirtschaftlich positiv wirken die Steuerreform, Ausgaben – so grotesk es klingt – im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom sowie eine günstige Situation im Tourismus. Für 2019 prognostiziert der Experte eine leicht Abschwächung der Konjunktur um rund ein Prozent. Dennoch ortet er für Europa „enorme Chancen auf dem Weltmarkt. Die heimischen Betriebe haben im Export attraktives Wachstumspotenzial.“
In der darauffolgenden, hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion wurde die wirtschaftliche Entwicklung Europas im globalen Spannungsfeld leidenschaftlich diskutiert. Eine spannende Expertise lieferte Marc Fähndrich als Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich, aus dem Blickwinkel der Industrie sprach neben Helmenstein auch der steirische IV-Präsident Georg Knill. Die Bankensicht brachte neben Schaller auch Johann Strobl, Vorstandschef der RBI, ein.

Dass die Steiermark als „Export­region“ von der EU überdurchschnittlich profitiert, davon ist EU-Experte Fähndrich überzeugt. Er plädiert für „mehr Europa im globalen Umfeld“ sowie eine stabile Wirtschafts- und Währungsunion. Was es dafür braucht? „Zum einen starke Handelsabkommen der EU und eine gemeinsame Außenpolitik. Zum anderen müssen wir im Inneren Zukunftsinvestionen fördern, Strukturreformen angehen und die Bankenunion vollenden.“

Ein weiteres Plädoyer für „mehr Europa“ hielt auch der weiß-grüne IV-Boss Georg Knill. „Wenn Europa weltweit als starke politische Kraft auftreten will, muss es an seiner ökonomischen Kraft arbeiten und seinen Betrieben einen optimalen Rahmen dafür bieten“, ist er überzeugt. Jede langfristig erfolgreiche Strategie baue auf dem produzierenden Sektor auf – das gelte für die Steiermark genauso wie für Europa. Nur durch den klaren Fokus auf Forschung, Entwicklung und Innovation könne es gelingen, im globalen Wettbewerb zu reüssieren.

Zur Differenzierung rief RBI-Vorstandschef Strobl auf: „Zentral- und Osteuropa ist wirtschaftlich und politisch kein einheitlicher Block. Die Länder entwickeln sich heterogen, und ebenso unterscheiden sich ihre Sichtweisen auf Europa.“ Angesprochen auf die derzeitige Hochkonjunktur, ist Strobl überzeugt, „dass eine Normalisierung der Zinslandschaft schon länger überfällig ist“.

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