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Drohen wirtschaftliche Turbulenzen?

Gut zwei Monate nach den Wahlen in der Türkei sorgt ein massiver Währungsverfall für eine wirtschaftliche Schieflage. Wir haben Georg Karabaczek im Außenwirtschaftscenter und steirische Unternehmen zu den aktuellen Entwicklungen befragt.

Blick auf Istanbul
© seqoya, Fotolia Istanbul, Metropole am Bosporus

Herr Karabaczek, Präsident Erdogan hat sich durch vorgezogene Neuwahlen im Amt bestätigen lassen und seine Macht ausgebaut. Was bedeutet das für die Wirtschaft im Land?

Karabaczek: Wie sich die politische Situation weiterentwickeln wird, bleibt noch abzuwarten. Die ersten Schritte des Präsidenten weisen allerdings in die Richtung, dass er die ihm durch die neue Verfassung zugestandenen Rechte ausschöpfen wird. Ob die für die Konsolidierung der Wirtschaft notwendigen, jedoch für Wirtschaft und Konsumenten schmerzhaften Schritte, wie eine Erhöhung der Zinsen, durchgeführt werden, ist noch unklar.

Internationale Finanzinstitutionen warnen vor einer Überhitzung der türkischen Wirtschaft und auch die ­Lira fällt kontinuierlich. Wie ernst ist die Lage?

Karabaczek: In der Vergangenheit haben konjunkturstützende Maßnahmen einen Einbruch des Wirtschaftswachstums verhindert. Außerdem wurde durch erhöhte Staatsausgaben für Investitionen und durch wirtschaftspolitische Maßnahmen die Inlandsnachfrage angekurbelt. Diese Maßnahmen waren so erfolgreich, dass die Türkei 2017 ein überhitztes Wachstum von über sieben Prozent erzielte – die Weltbank nimmt ein Wachstum von 4,5 Prozent als „nachhaltig“ an. Der plötzliche Einbruch der Währung um rund 25 Prozent seit Jahresanfang kann als Vertrauenskrise internationaler Investoren in die türkische Wirtschaft gesehen werden. Kritisch betrachtet wird auch, dass der Schwiegersohn von Präsident Erdogan Finanzen und Budget verantwortet und die Unabhängigkeit der Nationalbank mit neuen Gesetzen eingeschränkt wurde. 

Wie stabil ist die Türkei als Wirtschaftspartner?

Karabaczek: Grundsätzlich hat die Türkei für die nächsten Jahre sehr gutes Wachstums- und Entwicklungspotenzial. Es sind allerdings Hausaufgaben zu machen, um eine Wirtschaftskrise zu verhindern. Die industrielle Basis, eine gut aufgestellte Finanzlandschaft, solide Haushaltsfinanzen, eine junge, unternehmerisch denkende, gut ausgebildete Bevölkerung stehen auf der positiven Seite. Die sehr negative Leistungsbilanz, die hohe Inflations- und Arbeitslosenrate, die geringe Sparquote und und hohe Auslandsverschuldung der privaten Unternehmen sowie das Fehlen einer zukunftsweisenden Bildungspolitik sind allerdings Herausforderungen für die neue Regierung.

Wo sehen Sie Möglichkeiten für österreichische Unternehmen? Wie viel Vorsicht ist angebracht?

Karabaczek: Bei einem Neueinstieg ist – wie in jedem Markt – Vorsicht geboten. Potenzial gibt es in einigen Branchen, wie etwa spezielle Bauprodukte, Bahnbau, Logistik, erneuerbare Energien, Automotive sowie Spezialmaschinen und Anlagen. Die Türkei kann auch gut als Hub für die Länder der Region genützt werden.

Georg Karabaczek ist Wirtschaftsdelegierter im Außenwirtschaftscenter Istanbul,  istanbul@wko.at

Wie sich die Türkeigeschäfte von steirischen Firmen entwickeln

Für zahlreiche heimische Unternehmen ist die Türkei ein wichtiger Markt – ein Stimmungsbild zur aktuellen Wirtschaftslage.

Trotz der mitunter angespannten Situation zwischen der Türkei und Österreich bestehen zwischen den beiden Ländern enge wirtschaftliche Bande. So wurden 2017 Waren im Wert von 1,31 Milliarden Euro in die Türkei exportiert und im Gegenzug Waren im Wert von 1,54 Milliarden Euro importiert.

Bemerkenswert ist die Entwicklung in der Steiermark: Hier wurde 2017 bei den Exporten in die Türkei ein Plus von 30,2 Prozent auf rund 208 Millionen Euro erzielt. Im Gegenzug gab es Importe im Wert von rund 168 Millionen Euro. Zahlen, hinter denen Erfolgsgeschichten wie jene von Ingrid Glauninger stecken, Geschäftsführerin der Kapfenberger Montan Speditionsgesellschaft, die sich auf Transporte für die Schwerindustrie spezialisiert hat. „Für uns ist die Türkei ein sehr wichtiger Markt“, so die Unternehmerin. Das Logistikunternehmen ist seit 1992 in der Türkei tätig und unterhält ein Abfertigungsbüro mit drei Mitarbeitern in Istanbul. „Wenn die wirtschaftliche Situation so bleibt, wie sie aktuell ist, bin ich zufrieden“, sagt Glauninger. 

Weniger zufrieden ist Wolfgang Bertl, Geschäftsführer des Fenster-
und Türenherstellers KAPO, der vor 18 Jahren erstmals seine Fühler in das Land am Bosporus ausstreckte. Es folgten gewinnbringende Großaufträge im High-End-Segment – so stattete man etwa den Präsidentenpalast mit 300 elektrisch steuerbaren Fenstern aus. „Seit dem Umbruch in der Türkei sind Großaufträge allerdings ausgeblieben“, so Bertl. Er rechnet aber mit einer Normalisierung im nächsten Jahr.

Mehr Infos zur Türkei und zum Export gibt es beim ICS online unter www.ic-steiermark.at.



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