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Diesel-Debatte schürt Milliardenängste

Dem Diesel geht es in Deutschland mächtig an den Kragen. Und EU-weit sorgt die aktuelle Verschärfung der CO2-Grenzwerte bei Neuwagen zusätzlich für Aufregung. Was ein mögliches Diesel-Out für die Steiermark als Automobilhochburg mit tausenden Jobs bedeuten würde und ob dieser Verbrenner wirklich der Umweltsünder Nummer eins ist? Wir haben die Experten gefragt.

Die nun in Deutschland wieder entflammte Diskussion um Dieselmotoren verunsichert Konsumenten und stellt die Autobranche vor große Herausforderungen..
© Adobe Stock Die nun in Deutschland wieder entflammte Diskussion um Dieselmotoren verunsichert Konsumenten und stellt die Autobranche vor große Herausforderungen..

Der Diesel: Einst als Antriebsart hochgelobt und nicht nur unter Vielfahrern die erste Wahl, trägt er heute ein mehr als ramponiertes Image – und den Ruf als Umweltsünder Nummer eins wird er nicht mehr los. Beinahe auf den Tag genau drei Jahre nach dem Aufkommen des VW-„Abgasskandals“ zieht man in Deutschland nun die Schlinge um diesen Verbrenner richtig eng. Die Devise ist klar: Alten Dieseln soll jetzt der Garaus gemacht werden. Nach Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart wurden nun nämlich auch in Berlin Fahrverbote angeordnet. Darüber hinaus werden Besitzer von Wägen der Abgasnorm Euro-4 und -5 deutschlandweit vor die „Wahl“ gestellt: umtauschen oder nachrüsten. Wenngleich es hier verständlicherweise noch Ressentiments von Seiten der Hersteller auszumerzen gilt. Beinahe zeitgleich einigte sich Dienstagnacht der EU-Umweltrat auf deutlich schärfere Abgasgrenzwerte für Neuwägen bis 2030. Hier warnte der europäische Herstellerverband Acea unmittelbar vor dem „Risiko negativer Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit, die Autoarbeiter und die Verbraucher“.
Hochbrisante Ereignisse, die in der Steiermark besonders aufmerksam verfolgt werden, schließlich zählt der Automobilsektor in der weiß-grünen Mark zu einem der wesentlichsten Wirtschaftsbereiche überhaupt. Und wie stark die ökonomische Bedeutung des Diesels hierzulande insgesamt ist, macht eine Studie des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung deutlich: 8,6 Milliarden Euro an direkter Wertschöpfung sowie 230.000 Jobs hängen österreichweit am Diesel. „Fahrverbote, wie sie nun in Deutschland ausgeweitet und auch hier immer wieder andiskutiert werden, wären eine akute Gefahr dafür. Ein solches Verbot alleine in den zehn größten Städten Österreichs würde einen volkswirtschaftlichen Schaden von mehr als fünf Milliarden Euro verursachen“, so WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk, der darum einmal mehr eine „seriöse Diesel-Debatte ohne Panikmache“ einfordert. Ins selbe Horn stößt auch TCM-Chef Manfred Kainz, der in seinem Unternehmen Spezialwerkzeuge zum Motorenbau für sämtliche Hersteller produziert: „Selbsternannte Ökoapostel sollten ihre Meinung für sich behalten, denn sie leisten mit einer pauschalen und unreflektierten Diesel-Verdammung nicht mehr, als die Konsumenten nur noch weiter zu verunsichern, als sie es mittlerweile ohnehin schon sind. Bei einer wirtschaftlich für das Land derart relevanten Thematik sollten die Experten aus der Wissenschaft und Forschung das Wort führen.“

Zero-Impact-Niveau ist möglich

Folgt man diesem Rat, so zeichnet sich schnell ein differenzierteres Bild in der Diesel-Causa. „Im Vergleich zum Benzinmotor ist die CO2-Emission beim Diesel um 15 Prozent geringer. Mittelfristig kann das Forschungsziel erreicht werden, dass die Dieselmotoren praktisch keine Auswirkungen auf die Luftqualität haben“, berichtet etwa AVL-CEO Helmut List. Die Optimierung von Dieselmotoren auf ein solches Zero-Impact-Level bekräftigt auch Helmut Eichlseder, Leiter des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen an der TU Graz: „Die Grenze des Machbaren ist hier noch lange nicht erreicht. Mit dem Dieselmotor kann ein Emissionsniveau erreicht werden, welches nicht mehr signifikant zur Immission beiträgt und kein Argument mehr gegen ihn ist.“ Aber auch bei den aktuellen Motoren habe die Forschung bereits Beachtliches erreicht, so List: „Innerhalb eines Jahres konnten die Stickoxide bei den besten, neuerdings am Markt verfügbaren Dieselfahrzeugen auf ein Fünftel reduziert werden.“ Umso mehr plädiert Herk für eine vorurteilsfreie Betrachtung des aktuellen Wettbewerbs der drei Antriebstechnologien – Verbrennungsmotor, Elektroantrieb und Brennstoffzelle. Aber dennoch: Die Konsumenten sind ob der immer wieder hochschwappenden Dieseldiskussionen verunsicherter denn je. Und das schlägt sich zum ersten Mal seit zig Jahren auch in den Verkäufen nieder. Die aktuellste Pkw-Neuzulassungserhebung der Statistik Austria zeigt nämlich, dass von Jänner bis September diesen Jahres mehr Benziner (54,2 Prozent) als Diesel-Pkw (41,3 Prozent) verkauft wurden. Und beim Thema Verkauf ist auch ein weiterer Aspekt nicht unrelevant. „Was passiert mit den deutschen Dieselfahrzeugen, die preislich ja noch weitab einer Verschrottung rangieren?“, spricht Bundesgremialobmann Klaus Edelsbrunner den möglicherweise nun drohenden verstärkten „Alt-Diesel-Export“ Richtung Österreich an. Hier nimmt er die politisch Verantwortlichen in die Pflicht: „Derartige negative Auswirkungen sind zu verhindern, um den Wertverlust und Preisverfall für Kundenfahrzeuge einzudämmen.“  

Von Veronika Pranger

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