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Diesel-Debatte: Schluss mit Angst und Panikmache

Immer wieder wird der Diesel als Umweltsünder Nummer eins gebrandmarkt. „Zu Unrecht“, sind sich Branchenkenner einig. 

Denn auch beim Dieselantrieb sei in vielen Bereichen noch Potential vorhanden. Dieses gelte es – so wie die Potentiale der E-Mobilität – auszuschöpfen. Ein Ausschluss des Dieselmotors aus dem Wettbewerb um die besten Ideen sei auf jeden Fall nicht sinnvoll. Schließlich hängen 8,6 Milliarden Euro an direkter Wertschöpfung daran.

(v.l.): Helmut Eichlseder, Leiter des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen an der TU Graz, Helmut List, Vorstand und CEO der AVL List GmbH sowie Josef Herk, Präsident der WKO Steiermark
© Foto Fischer (v.l.): Helmut Eichlseder, Leiter des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen an der TU Graz, Helmut List, Vorstand und CEO der AVL List GmbH sowie Josef Herk, Präsident der WKO Steiermark

Wird die Elektromobilität Benzin und Diesel schon bald verdrängen? Werden dieser Wandel und die Automatisierung tausende Arbeitsplätze kosten? Geht es nach einer neuen Studie des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung, dann nein: Die Zahl der Jobs im steirischen Automotivsektor soll demnach bis zum Jahr 2030 sogar noch um weitere 4.000 steigen. Der Elektromobilität wird dabei große Bedeutung zugesprochen, gleiches gilt aber auch für die Weiterentwicklung konventioneller Antriebsarten. Der Studie zufolge werden nämlich auch 2030 noch zwei Drittel des Fahrzeugbestands mit Diesel- oder Benzinantrieb ausgestattet sein. Umso kontraproduktiver ist darum die aktuelle Diesel-Debatte. Diesen als Umweltverschmutzer Nummer eins darzustellen sei unverantwortlich, ist man sich in der steirischen Wirtschaft einig. Schließlich hängen bundesweit 8,6 Milliarden Euro an Wertschöpfung daran sowie 230.000 Arbeitsplätze. Temporäre Diesel-Fahrverbote, wie sie von der Politik immer wieder in den Raum gestellt werden, wären eine akute Gefahr dafür! Ein solches Verbot allein in den zehn größten Städten Österreichs würde einen volkswirtschaftlichen Schaden in der Höhe von mehr als fünf Milliarden Euro verursachen. Die steirische Wirtschaft appelliert darum an die Politik, für einen evolutionären bzw. technologieneutralen Wandel in Mobilitätsfragen zu sorgen, ohne Angst- und Panikmache.

STATEMENTS:

  • Josef Herk, Präsident WKO Steiermark: „Den Versuch, die Volkswirtschaft ohne Auto aufrecht zu erhalten, halte ich für pubertierende Sozialromantik. Vor allem, wenn keinerlei Alternativen zum bestehenden System angeboten werden. Vor allem in den dezentralen Bereichen, also in den Regionen, sind die Mitarbeiter unserer Betriebe auf das Auto angewiesen. Ein Großteil der österreichischen Wirtschaft ist klein strukturiert und kann nicht plötzlich auf alternative Lösungen umsteigen. Denken Sie an die vielen Handwerker, die mit ihren Fahrzeugen zum Kunden müssen. Die Umweltproblematik nur auf dem Rücken der Autofahrer auszutragen, kann nicht die Lösung sein. Unternehmen wie Mitarbeiter sind auf ihre Fahrzeuge angewiesen und durch die aktuelle Diskussion verunsichert. Anstatt mit Populismus und der schnellen Schlagzeile zu punkten, fordere ich von der Politik Seriosität und Verlässlichkeit ein. Denn gerade für den Wirtschaftsstandort Steiermark haben das Auto und der Dieselmotor eine besonders hohe Bedeutung. Knapp ein Drittel aller österreichischen Beschäftigten im Sektor Produktion von Kraftwagen sind in der Steiermark tätig. In der gesamten Automobil- und Automobilzulieferindustrie verbindet etwa der AC Styria über 150 Unternehmer vom Hersteller bis zum spezialisierten Teileproduzenten.“
  • Helmut List, Vorstand und CEO der AVL List GmbH: „Für die Zukunft sehen wir einen Wettbewerb der drei Technologien – Verbrennungsmotor, Batterie/elektrischer Antrieb und Brennstoffzelle – sowie deren Kombinationen. Wir bei AVL arbeiten an allen drei Technologien mit gleichen Prioritäten. Es ist keine Frage, dass die weitere Elektrifizierung alle Formen des Antriebs schrittweise voranbringt. Nach Kritik an den Stickoxidemissionen beim Diesel antwortete der Gesetzgeber mit Einführung der Real Driving Emissions, worauf große Fortschritte realisiert wurden und weitere realisiert werden können, insbesondere durch kostengünstige Formen der Hybridisierung. Hinzu kommen die für den Dieselmotor typischen, besonders niedrigen CO2-Emissionen. Mittelfristig kann das Forschungsziel erreicht werden, dass die Dieselmotoren praktisch keine Auswirkungen auf die Luftqualität haben. Den Dieselmotor aus diesem Wettbewerb um die besten Lösungen zu eliminieren, ist deshalb nicht sinnvoll. Innerhalb eines Jahres konnten die Stickoxide bei den besten, neuerdings am Markt verfügbaren Dieselfahrzeugen auf ein Fünftel reduziert werden. Damit hat die Gesetzgebung mit der Einführung der Messung der Real Driving Emissons (RDE) die richtigen Weichen gestellt. Seit der Einführung des Partikelfilters beginnend im Jahr 2004 ist der Dieselmotor auch nicht mehr der Verantwortliche für Feinstaubbelastung. Im Vergleich zum Benzinmotor ist die CO2-Emission beim Diesel um 15 Prozent geringer. Die Verbrauchswerte von Dieselmotoren sind um ca. 20 Prozent niedriger. Wichtig ist, dass wir offenbleiben im Rahmen dieses Wettbewerbs der Technologien. Damit können wir die hohen Potenziale der Weiterentwicklung in Richtung umweltschonender, kosteneffizienter Mobilität umsetzen.“
  • Helmut Eichlseder, Leiter des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen an der TU Graz: „Als Wärmekraftmaschine mit dem höchsten Wirkungsgrad verfügt der Dieselmotor über eine hervorragende Ausgangsbasis als effizientes Antriebssystem für PKW, LKW und viele sonstige Anwendungen. Er ist im letzten Jahr jedoch mit ausgeprägter und teilweise berechtigter Kritik konfrontiert, die bis zur Forderung seines Verbotes reicht. Zwar konnte mit der Einführung des Partikelfilters das früher mit dem Dieselmotor verbundene Problem der Feinstaubemission gelöst werden, die Emission von Stickoxiden ist das verbleibende Thema. Zur Lösung dessen wird mit der gerade im heurigen September erfolgten Einführung der RDE (Real Drive Emission)-Gesetzgebung ein signifikanter Schritt getan. Einige Serienfahrzeuge konnten die heute erreichbaren Emissionswerte in unabhängigen Tests bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen. Damit ist aber die Grenze des Machbaren noch lange nicht erreicht: Weiteres Optimierungspotenzial besteht bei Effizienz und vor allem hinsichtlich der Minderung von Schadstoffen: entsprechender Aufwand und Weiterentwicklung vorausgesetzt, kann mit dem Dieselmotor auch ein Emissionsniveau erreicht werden, welches nicht mehr signifikant zur Immission beiträgt und kein Argument mehr gegen ihn ist. Dieses Niveau wird auch als „zero impact“ bezeichnet. Die technologischen Ansätze dazu bestehen neben einer Optimierung von Einspritz- und Aufladetechnik sowie Abgasnachbehandlung in einer (Teil)elektrifizierung des Antriebes: Die Bandbreite reicht hier von 48V Systemen mit bedarfsgerechten Aggregateantrieben, E-Boostern und Thermomanagement der Abgasnachbehandlung bis zu Hybrid- und Plug In Hybriden. Mit diesen Schritten wird der Dieselmotor mittelfristig seinen unverzichtbaren Beitrag bei der Erfüllung der CO2 Ziele des Straßenverkehrs leisten (müssen). Langfristig eröffnet der Einsatz von sogenannten E-Fuels eine herausragende Möglichkeit für eine klimaverträgliche Mittel- und Langstreckenmobilität und weitere technologische Entwicklungen. Diese Kraftstoffe, hergestellt auf Basis erneuerbarer elektrischer Energie mittels Elektrolyse und Synthese, können auch rückwärtskompatibel und damit entsprechend ihrer Verfügbarkeit mit der bestehenden Verteilerinfrastruktur eingesetzt werden. Eine konsequente Weiterentwicklung des Gesamtsystems Dieselmotor & Kraftstoff eröffnet weitere signifikante Effizienz- und Emissionspotenziale und ist damit Voraussetzung für eine erfolgreiche Klimapolitik.“

 

Rückfragehinweis:

Mario Lugger
Referatsleiter Kommunikation
WKO Steiermark
T 0316/601-652

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