th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht Twitter search print pdf mail linkedin google-plus Facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home icon-gallery Flickr Youtube Instagram pinterest skype vimeo snapchat
news.wko.at
Mein WKO

„Diese Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft“

Teil vier unserer Sommergespräche rund um Fairness im Wettbewerb mit den Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen: IV-Präsident Georg Knill geht mit Verweigerern von Handelsabkommen hart ins Gericht.

Georg Knill ist Präsident der steirischen Industriellenvereinigung (IV) und Aufsichtsratsvorsitzender der Rosendahl Nextrom, einem Unternehmen der Knill-Gruppe.
© Foto Fischer Georg Knill ist Präsident der steirischen Industriellenvereinigung (IV) und Aufsichtsratsvorsitzender der Rosendahl Nextrom, einem Unternehmen der Knill-Gruppe.

Fair Play braucht es nicht nur im Sport, sondern auch in der Wirtschaft. Darum haben wir heuer die Merkur Arena als „Spielstätte“ unserer Sommergespräche gewählt. Für welches Business-Foul würden Sie als Schiedsrichter spontan die Pfeife zücken?

Georg Knill: Ich würde zuallererst einen Ordnungsruf zugunsten des internationalen Wirtschaftens abgeben. Denn aktuell stehen wir global vor einer Vielzahl an Turbulenzen und Unsicherheiten. Es wäre wichtig, wieder mehr Stabilität ins System zu bringen.

Und für welches Vergehen ziehen Sie da die Rote Karte?

Knill: Wenn wir in der Steiermark drei Viertel unserer Waren exportieren, dann sollte doch allen klar sein, wie wichtig internationale Handelsabkommen für uns sind. Deshalb zücke ich die Rote Karte für Realitätsverweigerer, die solche internationalen Spielregeln für unsere Wirtschaft ständig torpedieren. Ihnen sei gesagt: Sie verbauen damit fahrlässig Chancen, der Schaden ist enorm. Man muss nur in Richtung Großbritannien blicken, um zu sehen, wohin solche unseriösen Debatten am Ende des Tages führen können.

Aber bleiben wir beim internationalen Geschäft: Die heimische Industrie hat doch erst jüngst über neue Export­rekorde gejubelt…

Knill: Ja, die Exportstatistik für 2018 war sehr erfreulich. Wir haben aber früh darauf hingewiesen, dass diese eine Ausnahme darstellt. Denn für das aktuelle wie auch das kommende Jahr zeigen bereits sämtliche Parameter nach unten und weisen deutlich auf ein Ende der Dynamik und des Beschäftigungsaufbaus hin. Die Konjunktur kühlt ab, schwierige Zeiten stehen der Wirtschaft bevor – umso wichtiger sind gute Handelsabkommen und starke internationale Partnerschaften. 

Wechseln wir das Thema: Wo sonst braucht es Ihrer Meinung nach neue Spielregeln?

Knill: Unser Land ist durch Innovationen groß geworden: Gewohntes wurde in Frage gestellt und Neues hat sich seinen Weg gebahnt. Nichts anderes stellen heute Angebote wie etwa Uber oder Airbnb dar. Wenn man aus Angst vor dieser Veränderung neue Player – sprich Innovationen – von vornherein vom Spielfeld verbannt, halte ich das für bedenklich. Gleichzeitig muss man natürlich für einen fairen Wettbewerb sorgen, indem man bürokratische Hindernisse generell und für alle aus dem Weg räumt. 

Stichwort digitale Veränderungen: Chance oder Risiko?

Knill: Auf jeden Fall Chance – und wir wollen die Steiermark hier zur Gewinnerregion machen. Bereits jetzt werden 42 Prozent aller Bruttoanlageninvestitionen aufgrund der Digitalisierung getätigt.

Die Digitalisierung braucht aber auch immer mehr gut qualifizierte Fachkräfte. Und da gibt es zu wenige…

Knill: Ja, aber seien wir ehrlich: Das Problem beim Fachkräftemangel ist größtenteils hausgemacht. Unser Bildungssystem hat viel zu langsam auf die durch Automatisierung und Digitalisierung veränderten neuen Arbeitswelten reagiert. Wenn ich heute ein Curriculum ändere, braucht es fünf bis zehn Jahre, bis die ersten Absolventen für den Arbeitsmarkt bereitstehen. Das geht so nicht mehr! Die Demographie darf für den aktuellen Mangel keine Ausrede sein, schließlich waren und sind die Veränderungen seit Jahrzehnten bekannt.

Wo muss aus Ihrer Sicht also angesetzt werden?

Knill: Zum einen beim qualifizierten Zuzug. Diesem hat man sich ja viel zu lange verwehrt – jetzt heißt es schnell agieren, denn Österreich ist nicht der einzige Staat, der um Spezialisten aus dem Ausland buhlt. Zum anderen sollte man sich endlich trauen, das tatsächliche Pensionsantrittsalter dem gesetzlichen anzunähern. Damit wäre schon viel erreicht. Wir sind bei den Männern mit 61 ganze vier Jahre vom gesetzlichen Antrittsalter entfernt. Und nicht zuletzt: Jedes zusätzliche Jahr in Arbeit bringt dem Steuerzahler unterm Strich eine Milliarde Euro jährlich. 

Sie nehmen die Politik in die Pflicht: Was wünschen Sie sich von der nächsten Bundes- bzw. Landesregierung?

Knill: Auf Bundesebene wünsche ich mir eine rasche und vor allem stabile Regierung, die die eigentlich schon beschlossene Steuer- und Abgabenreform tunlichst umsetzt. Der Reformkurs muss beibehalten werden, um arbeitende Menschen wie auch Unternehmen zu entlasten und Planungssicherheit zu ermöglichen. Denn die aktuelle Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft, insbesondere, weil sich die Konjunktur europaweit eintrübt. Der Termin der Landtagswahl ist aus dieser Sicht zu begrüßen, weil wir in der Steiermark handlungsfähig sein müssen. 

Das könnte Sie auch interessieren

  • Steiermark
JW-Vorsitzender Christoph Kovacic (l.) und JI-Vorsitzender Dominik Santner fordern eine Senkung der Steuerlast. "Ziel muss es sein, dass der Tax Freedom Day künftig im ersten Halbjahr stattfindet, denn halbe-halbe ist mehr als genug."

Bis zum 5. August wird nur für den Staat gearbeitet

Junge Wirtschaft und Junge Industrie fordern anlässlich des bevorstehenden Tax Freedom Days am 5. August mehr Zukunfts- und Generationengerechtigkeit. Ihr Ziel: Der Tax Freedom Day soll wieder in der ersten Jahreshälfte stattfinden. mehr

  • Steiermark
Das Bauknecht-Werk (heute bekannt als ATB Spielberg GmbH) in Spielberg Mitte der 1970er-Jahre.

Steirerland im Arbeitsg’wand – eine Spurensuche

Unter diesem Titel gibt eine Ausstellung im Grazer Museum für Geschichte ab sofort Einblick in den Wandel von Arbeit und Wirtschaft in der Steiermark. mehr