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„Die Zukunft der Wirtschaft liegt in der Bildung unserer Jugend“

Teil zwei unserer Sommergespräche mit den Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen: Karlheinz Winkler vom Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband über einen Fachkräftemangel, der nicht nur den Fokus auf Bildung, sondern auch auf Migration erfordert.

Karlheinz Winkler prangert in Bezug auf den Fachkräftemangel das nötige Engagement in den Schulen an: „Zu spät werden die Talente ­gefördert.“
© Foto Fischer Karlheinz Winkler prangert in Bezug auf den Fachkräftemangel das nötige Engagement in den Schulen an: „Zu spät werden die Talente ­gefördert.“
Herr Winkler, die steirischen Betriebe klagen quer durch alle Branchen und Regionen über den Fachkräftemangel. Wo sehen Sie die größten Versäumnisse?

Karlheinz Winkler: Es fehlt sicherlich nicht an den Talenten, es hapert vielmehr daran, dass der jungen Generation in ihrer Schullaufbahn meist zu spät – wenn überhaupt – gesagt wird, worin sie wirklich gut ist. Das Talentcenter der WKO Steiermark leistet hier einen wesentlichen Beitrag dazu, die Begabungen junger Menschen detailliert herauszufiltern und sie individuell über Bildungs- und Berufsfelder zu informieren.

Intensivere Berufsinfo in Schulen löst das Problem fehlender Fachkräfte?
Winkler:
Nein, das alleine ist zu wenig. Was es braucht, ist eine grundsätzliche Schulreform – denn viel zu oft versagt der Staat in seinem Bildungsauftrag. Zu viele Jugendliche aus dem Polytechnikum sind nicht auf dem Level, um eine Lehre zu absolvieren. Nicht zuletzt deshalb verlagern immer mehr Betriebe die Lehrlingssuche auf HTL- und Studienabbrecher, weil sie hier von adäquaten Grundkenntnissen ausgehen können, die es für eine Ausbildung braucht.

Abbrecher höherer Schulen bzw. von Unis wären also von vornherein mit einer Lehre erfolgreicher gewesen?
Winkler:
Für viele trifft das sicher zu. Die Frage, die sich stellt, ist nur: Warum mussten sie diesen Umweg gehen und wertvolle Jahre vergeuden? Deshalb plädiere ich dafür, in Schulen schon viel früher Talente stärker als bisher individuell zu fördern und dann ab der achten Klasse sukzessive jene Mängel auszubessern, die es in anderen Bereichen vielleicht noch gibt. Und wenn auch das nicht reicht, kann ich mir ein zehntes, berufsvorbereitendes Schuljahr gut vorstellen.

Ein zehntes Schuljahr als Vorbereitung zur Lehre?
Winkler:
Warum nicht? Natürlich wäre es besser, wenn es die politisch Verantwortlichen endlich schaffen würden, ein Bildungssystem zu gestalten, wo neun Jahre auch ausreichend sind. Ebenso nehme ich den Staat in die Pflicht, einem Unternehmer, der bereit ist, einen Lehrling aufzunehmen, der einen Vierer oder Fünfer in einem Hauptfach hat, und mit diesem dann extra lernt, diesen Zusatzaufwand direkt zu entgelten. Denn hier übernimmt schließlich der Lehrherr die Aufgabe, die das Bildungssystem gehabt hätte.

Wo sehen Sie noch Lösungen, den Mangel an guten Mitarbeitern anzugehen?
Winkler:
Nicht nur bei uns, sondern europaweit beklagt man das Fehlen geschickter Hände, während wir gleichzeitig die Augen vor jenen verschließen, die in unsere Länder kommen, um hier ein besseres Leben zu beginnen. Migration sollte also nicht nur aus humanitärer Sicht in unser aller Fokus rücken, sondern auch, wenn es um künftige Mitarbeiter geht. Dass sich hier enorme Potenziale heben lassen, das bestätigt eine Vielzahl erfolgreicher Projekte. Etwa jenes der Talenteküche in Eggenberg, wo jugendliche Migranten mittels Praktikum in Küche und Café sowie bei gleichzeitiger Schulausbildung mit intensiven Deutschkursen erfolgreich auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. Damit erfolgt gleichzeitig auch die Integration.

Was fordert der Arbeitsmarkt von jungen Menschen?
Winkler:
Bei zahlreichen Lehrberufen rückt der Fokus auf technische Serviceleistungen. Denn jemand muss ja die smarten Fabriken der Zukunft, die autonomen Fahrzeuge und die digitalisierten Anlagen auch instandhalten können.

Von einem Brennpunkt-Thema zu einem anderen: Was sagen Sie als sozialdemokratischer Unternehmervertreter zur Debatte rund um die Arbeitszeitflexibilisierung?
Winkler:
Die Arbeitszeitflexibilisierung ist für einige Unternehmen erforderlich. Diese Möglichkeit sollte aber gezielt und mit flankierenden Maßnahmen umgesetzt werden. Gebraucht hätte es da  auf jeden Fall die Einbeziehung der Sozialpartner – schließlich zählen Fragen wie diese zu ihren Kernbereichen. Darum stelle ich das Vorgehen rund um dieses Gesetz absolut in Frage. Kritisieren möchte ich vor allem die vielen Verunglimpfungen, die es in dieser Causa gegenseitig gegeben hat. Das ist eines sozialpartnerschaftlich geprägten Landes wie Österreich nicht würdig.

Gerade an der Sozialpartnerschaft hat es zuletzt aber auch viel Kritik gegeben. Aus Ihrer Sicht berechtigt?
Winkler:
Nach den letzten Erfahrungen rund um die Arbeitszeitflexibilisierung ist an der Gesprächskultur zu arbeiten. Ihre Berechtigung hat die Sozialpartnerschaft aber auf jeden Fall, und das auch in Zukunft. Sie ist nämlich Garant für die Wahrung des sozialen Friedens und die Ausgeglichenheit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Ausgeglichenheit muss aber auch zwischen Lohn und Gewinn herrschen, und da möchte ich auch auf die aus meiner Sicht drängendsten Probleme zu sprechen kommen: Sozialversicherung und Steuern – die größte Last für EPU, Kleinst- und Kleinunternehmen, die gemeinsam 98 Prozent aller heimischen Betriebe repräsentieren.

Kommen wir abschließend zur Wirtschaftskammer: Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit der Fraktionen in der Steiermark?
Winkler:
Als SWV liegen uns vor allem die Klein- und Kleinstbetriebe am Herzen. Und was die Zusammenarbeit betrifft, die ist in der Steiermark vorbildlich. Denn eine Einstimmigkeit über alle Fraktionen, so wie wir es oft haben, ist auf Bundesebene meist gar nicht möglich. Da bringen wir sehr viel weiter für unsere Unternehmen – hier ist auch dem wirtschaftspolitischen Beirat viel geschuldet.

"Sommergespräche" in der Steirischen Wirtschaft:

Zur Person
Karlheinz Winkler (53) ist gelernter Elektriker und seit 1992 Taxiunternehmer in Graz. Im Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) ist Winkler seit 1993 tätig. Außerdem ist er stellvertretender Obmann der Sparte Verkehr in der WKO Steiermark.
Zur Fraktion
Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband wurde 1897 in Wien als „Verein sozialdemokratischer Gewerbetreibender“ gegründet – den heutigen Namen trägt der Verband seit 2004. Aktuell stellt der SWV sieben Abgeordnete zum steirischen Wirtschaftsparlament. Der SWV fokussiert als Interessensvertreterung – insbesondere für EPU bzw. Kleinst- und Kleinbetriebe – das Thema „fairer Wettbewerb unter Einhaltung gerechter und sozialer Rahmenbedingungen“.
Zur Serie
Die „Steirische Wirtschaft“ lädt auch heuer wieder die Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Parteien zum großen Sommerinterview. Als Schauplatz für die Gespräche haben wir uns diesmal das „Talentcenter“ der WKO Steiermark ausgesucht: Hier werden die Fachkräfte von morgen auf ihre Begabungen hin getestet. Damit wird das Talentcenter zu einem wichtigen Instrument beim derzeit aktuell brennendsten Thema – dem Fachkräftemangel.

Von Klaus Krainer und Veronika Pranger

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