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Die Zeichen stehen auf Aufbruch

Der letzte Teil unseres Streifzugs durch die Länder der Pazifik-Allianz führt nach Kolumbien. Ein Land mit viel Potenzial.

Kolumbien im Fokus: Die Staaten der Pazifik-Allianz bieten zahlreiche Business-Chancen für steirische Unternehmen.
© Franck Camhi – Fotolia Kolumbien im Fokus: Die Staaten der Pazifik-Allianz bieten zahlreiche Business-Chancen für steirische Unternehmen.
Die Staaten der Pazifik-Allianz bieten auch für steirische Unternehmen viele Chancen. Aus diesem Grund hat das ICS nun ein entsprechendes Fokusprogramm gestartet – wir haben die Märkte unter die Lupe genommen. Der vierte und letzte Teil unserer Serie führt uns dabei nach Kolumbien, ein Land, das nach über 50 Jahren Bürgerkrieg 2016 einen Friedensprozess eingeleitet hat.
2017 lag das Wirtschaftswachstum zwar noch bei (nur) 1,8 Prozent, doch es geht aufwärts. 2019 soll das Plus bereits 3,4 Prozent betragen. „Der Markt ist vor allem für Unternehmen interessant, die spezielle Leistungen anbieten und den doch entfernter liegenden Markt langfristig bearbeiten möchten“, weiß Karl-Heinz Dernoscheg, Direktor der WKO Steiermark: „Grundsätzlich sind europäische, insbesondere österreichische Anbieter willkommen. Spanische Sprachkompetenz ist von Vorteil.“
Zudem sei es einfach, eine Niederlassung in Kolumbien zu gründen: Man braucht dafür kaum Stammkapital und kann die Geschäfte von der Steiermark aus führen.

Schon seit 2001 hat die Andritz Hydro Gmbh eine kolumbianische Niederlassung. „Wir beschäftigen vor Ort rund 100 Mitarbeiter“, berichtet Geschäftsführer Harald Heber. „Knapp die Hälfte der im ganzen Land installierten Leistung von Wasserkraftwerken stammt aus Andritz-Turbinen.“ Erst kürzlich hat das Unternehmen den Zuschlag für das 20-Megawatt-Pelton-Projekt San Andres erhalten, drei weitere Projekte befinden sich in der Endmontage und werden demnächst an die Kunden übergeben.
Zweites steirisches Erfolgsbeispiel ist Binder und Co., für deren Sieb-, Trocknungs- und Mineraliensortier-Maschinen es in Kolumbien großes Potenzial gibt. „Wir arbeiten seit zwei Jahren vor Ort mit einem Vertriebspartner und sind auf sämtlichen relevanten Messen in Südamerika präsent“, erzählt Werner Wiedenbauer, der für die globale Geschäftsentwicklung des Unternehmens verantwortlich ist. „Vor allem im Bereich Bergbau haben die südamerikanischen Märkte – mit Ausnahme von Chile und Brasilien – noch viel Aufholbedarf“, so Wiedenbauer. „Insbesondere bei Minen, die schon lange in Betrieb sind.“

Interview mit Hans-Jörg Hörtnagl:

Wie entwickelt sich Kolumbien?
Kolumbien bietet investorenfreundliche Rahmenbedingungen, einfache Unternehmensgründung, motivierte Mitarbeiter und Ressourcenreichtum. Durch die Lage – Pazifik- und Atlantikküste – könnte das Land künftig als „der“ Produktions-, Dienstleistungs- und Business-Hub für Lateinamerika fungieren.
Wie stabil ist die politische Situation?
Kolumbien ist eine funktionierende Demokratie mit starken Institutionen, welche in der Vergangenheit durch die Aktivitäten von Guerrillas, Paramilitärs und Drogenkartellen stark gelitten hat. Was noch fehlt, ist ein Friedensprozess mit der zweiten Guerrilla-Gruppe ELN – dann könnte das Land endlich sein enormes Potenzial nutzen.
Wie steht es um Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit Kolumbien?
Das Außenhandelsvolumen mit Kolumbien beträgt knappe 170 Millionen Euro und ist ausbaufähig. Die österreichischen Exporte sind letztes Jahr um 32,5 Prozent gestiegen. Derzeit gibt es 35 österreichische Niederlassungen mit einem Investitionsvolumen von 90 Millionen Euro.

Hörtnagl ist Wirtschaftdelegierter im AußenwirtschaftsCenter Bogota, Kontakt: bogota@wko.at

Wissenswertes über Kolumbien:

  • Kolumbien ist 13,5 Mal so groß wie Österreich und mit knapp 50 Millionen Einwohnern das drittgrößte Land Lateinamerikas.
  • Es gibt zahlreiche Freihandelsabkommen: So mit der EU, den USA, Kanada und der EFTA. Aktuell wird mit Japan und der Türkei verhandelt. Die Pazifik-Allianz umfasst Kolumbien, Mexiko, Peru und Chile.
  • Kolumbien ist der weltweit drittgrößte Exporteur von Kaffee, der fünftgrößte bei Kohle und führend bei Smaragden.
  • Aus der Steiermark wurden im ersten Halbjahr 2017 Waren im Wert von 8,4 Millionen Euro nach Kolumbien exportiert, das ist ein Plus von 36,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Waren im Wert von 7,7 Millionen Euro wurden im ersten Halbjahr 2017 aus Kolumbien in die Steiermark geliefert. Das entspricht einem Plus von 25,6 Prozent.
  • Gute Marktchancen gibt es im Bereich Verkehrsinfrastruktur, Urban Technologies, Umwelttechnologie, Energiewirtschaft bzw. erneuerbare Energien, Beratung und Engineering, Agrarwirtschaft, Tourismus-Know-how und -Infrastruktur sowie Medizintechnik und Laborbedarf.
Fokusprogramm Mexiko, Kolumbien, Peru, Chile: Ansprechperson im ICS: alexandra.neugebauer@ic-steiermark.at, www.ic-steiermark.at

Von Petra Mravlak

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