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"Die Welt retten, braucht viel Know-how"

Warum Unternehmen von sozialem Engagement auch wirtschaftlich profitieren: Christian Hlade, Gründer von „Weltweitwandern“, im großen Interview.

Christian Hlade
© Fischer Christian Hlade

Herr Hlade, das Jahr 2018 ist erst ein paar Tage jung. Gibt es Vorsätze, die Sie sich als Unternehmer gesetzt haben?

Christian Hlade: Ja, wir wollen  unser soziales Engagement noch stärker mit unserem Hauptgeschäft verbinden. Das ist meine Vision für 2018. Wer beginnt, sich sozial zu engagieren, spendet zunächst Weihnachtsgeschenke oder Prämien. Kraft als Unternehmer kriegt man aber erst, wenn man das soziale Engagement ganz nah am Kerngeschäft ansiedelt, oder wenn man Kunden einbezieht. So entsteht eine ganz eigene Dynamik.


Welche Projekte schweben Ihnen da konkret vor?

Hlade: Derzeit haben wir Schulprojekte in Marokko und Nepal laufen, das wollen wir noch weiter ausbauen und dort Berufsausbildungen im Tourismus anbieten, etwa für Guides. Wir wollen den österreichischen Tourismus mit unserem Know-how hinaus in die Welt tragen. Nach dem Motto: Was ich gut kann, davon sollen auch andere im Zuge profitieren. 

Soziale Verantwortung war schon immer Teil Ihrer Unternehmensphilosophie?  

Hlade: Ja, sogar schon vor der Gründung. Ich habe mich im Zuge meiner Diplomarbeit mit einem Schulprojekt im Himalaya beschäftigt. Ab 1994 hab ich dafür Geld gesammelt, im  Jahr 2000 hab ich dann „Weltweitwandern“ gegründet und die Schule wurde gebaut.

Wo steht das Unternehmen „Weltweitwandern“ heute?

Hlade: Wir sind im Vorjahr um 17 Prozent gewachsen. Seit dem Herbst haben wir acht neue Mitarbeiter eingestellt, insgesamt haben wir jetzt über 20 Mitarbeiter in Graz. Und über Werkvertrag leben als Träger, Guides, Karavanenführer rund 500 bis 600 Leute auf dem Erdball sehr wesentlich von uns. 

Wie schaffen Sie es, dass Ihre Partner auf der ganzen Welt die Mission Ihres Unternehmens nicht nur teilen, sondern auch leben?

Hlade: Wir müssen ja bei unseren Kunden einlösen, was wir versprechen. Das gelingt über viel Kommunikation mit unseren Partnern und Zulieferern. Ich versuche als Drehscheibe, die Begeisterung hinauszutragen. Über Sozialprojekte gelingt es zudem, mehr Bindung, Beziehung aufzubauen. Das ist wichtig für die Markenbildung.

Inwiefern?

Hlade: Ich muss meine Kunden nicht über Rabattaktionen anziehen, sondern erzeuge mit der Marke „Weltweitwandern“ einen Magnetismus. Das gilt nicht nur für die Kunden, sondern auch für Stellenausschreibungen: Wir bekommen oft 200 oder 300 Bewerbungen für eine Stelle, weil die Marke strahlt.

Kürzlich haben Sie erklärt, soziales Engagement hat nichts mit einem „Kuschelkurs“ zu tun. Wie ist das zu verstehen?

Hlade: Man muss Grenzen setzen und soziales Engagement hat auch viel unternehmerische Aspekte. Die Sozialprojekte waren mir immer ein Herzensanliegen, aber seit dem Erdbeben in Nepal hat es eine neue Dimension bekommen: Innerhalb kurzer Zeit hatten wir 600.000 Euro gesammelt. Wir mussten das auf professionelle Beine stellen, brauchten eine eigene Struktur und einen Verein. Für Sozialprojekte braucht man hochqualifizierte Leute. Oder anders gesagt: Wer die Welt retten will, braucht viel Know-how.


Welche Dimensionen haben Ihre Sozialprojekte mittlerweile?

Hlade: In Nepal entsteht eine Schule für 400 Kinder, ich rechne mit Kosten von einer Million Euro. Mit dem Schulbau ist es aber nicht getan, danach müssen Lehrergehälter bezahlt und der Betrieb aufrecht erhalten werden. Für 2018 planen wir eine Halle aus Bambus, dafür brauchen wir rund 50.000 Euro. In Marokko haben wir 2017 rund 120.000 Euro in eine Schule investiert, das Spendenziel für heuer ist 40.000 Euro.


Die Tourismusbranche ist ja hart umkämpft. Welche Kundenschichten sprechen Sie an?

Hlade: Wir versuchen Kundenbindung mit dem Herzen, nicht über den Preis. Unsere Zielgruppe hat einen bewussten Lebensstil, Werte wie „Fairness“ und „Gerechtigkeit“ sind ihnen wichtig.


Was braucht es für eine Firmengründung, abgesehen von Mut und Risikobereitschaft?

Hlade: Viel Energie, Glück und das Gefühl, etwas Sinnstiftendes zu tun.


Interview: Karin Sattler

Zur Person: Christian Hlade, geb. am 1. Juli 1964, hat nach seinem Architektur-Studium und zahlreichen Reisen im Jahr 2000 das Unternehmen „Weltweitwandern“ gegründet. Heute zählt Hlade zu den sozial engagiertesten Reiseveranstaltern weltweit.

Spendenkonto für Bildungsprojekte an „Weltweitwandern Wirkt!“: IBAN: AT 37 6000 0000 7361 5501 / BIC: BAWAATWW. Mehr Infos online unter: www.weltweitwandern.com


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