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Die USA und ihr einsamer Präsident

Hannelore Veit gilt als ausgewiesene USA-Kennerin. Wir haben mit ihr über die Berechenbarkeit von Donald Trump und die wirtschaftlichen Folgen gesprochen.

Seit 2013 leitet Hannelore Veit das ORF-Büro in Washington.
© ORF Seit 2013 leitet Hannelore Veit das ORF-Büro in Washington.

Sie sind für den ORF in Washington stationiert. Hat sich die Stimmung in der Stadt seit der Wahl aus journalistischer Sicht verändert? 

Hannelore Veit: Eigentlich gar nicht. Trump hat sehr viel gegen die Medien gewettert und die Medien sind dadurch nur stärker geworden. Alle großen Zeitungen haben ihre Redaktionen aufgestockt. Je mehr er schimpft, desto mehr wird recherchiert. Auch für mich ist es nicht anders geworden. Zugang zum Weißen Haus hat man als Auslandskorrespondent eh nicht.

Werden Ausländer anders behandelt als vor der Wahl? 

Veit: Gar nicht. Ganz im Gegenteil, die Leute sind auch am Land extrem freundlich. Ich war gerade im tiefrepublikanischen North Dakota unterwegs und man wird sehr freundlich empfangen. Die Leute erklären auch gerne warum sie Trump gewählt haben, weil sie endlich angesprochen werden. 

Donald Trump ist seit etwa 140 Tagen im Amt und seine Politik wirkt unberechenbar. Teilen Sie diese Ansicht? 

Veit: Trump ist aktionistisch und muss immer zeigen wie viel er macht. Er unterschreibt viele Dekrete, aber wenn man sich diese ansieht, dann ist sehr viel heiße Luft dabei. Große Projekte sind ihm zum Teil überhaupt nicht durchgegangen, etwa die Einreiseverbote. Sogar bei der Mauer hat er Probleme. Er hat zwar das Dekret unterschrieben, nur der Kongress hat nicht einen einzigen Dollar dafür im Budget vorgesehen. Trump kann 15 Mal sagen er baut die Mauer, wenn er kein Budget dafür bekommt, wird es nicht passieren. 

Haben Sie den Eindruck, dass Trump auch ein willkommener Reibebaum für europäische Politiker ist? 

Veit: Ich denke, dass er vor allem eine Chance für Europa ist, sich darauf zu besinnen das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen. So wie Trump sich in Europa benommen hat und dann Merkels Aussage, dass wir auf uns selbst gestellt sind, wäre es vielleicht ein Anstoß zu zeigen, dass man es besser gemeinsam machen könnte. 

Das heißt Merkel hat recht, wenn sie sagt, dass man sich auf die USA nicht mehr verlassen kann? 

Veit: Trump versucht derzeit multilaterale Vereinbarungen wie das Pariser Abkommen aufzukündigen. Auch TTiP ist für mich eigentlich tot, aber jetzt hat der amerikanische Handelsminister gesagt, dass man es noch nicht abschreiben sollte. Darum tut man sich mit Trump so schwer. Man weiß nicht ob das was er heute sagt morgen noch gilt. 

Trump macht via Twitter
Politik. Wie ernst sollte man das wirklich nehmen? 

Veit: Na gar nicht. Seine Twittermeldungen sind eigentlich ein Ablenkungsmanöver. Er ist ja auch in seinen Twittermeldungen nicht konsistent. Da hat er Angela Merkel als Staatsgast und ist freundlich und sobald sie im Flugzeug ist, schießt er wieder einen bösen Tweet hinterher. Wenn er sich ärgert muss er das verbalisieren und wir müssen mit einem einsamen US-Präsidenten leben, der seine eigenen Emotionen nicht im Zaum zu haben scheint.

Die USA gilt als wirtschaftliche Weltmacht. Verspielt man das derzeit? 

Veit: Ich weiß nicht, ob es so viele Auswirkungen haben wird. Die Wirtschaft ist ja international extrem verflochten. 

Und was wäre wenn Schutzzölle kommen? 

Veit: Ja wer sagt denn, dass die wirklich kommen? Hoffentlich wird irgendjemand ihm das ausreden, denn die USA braucht auch die Investitionen aus dem Ausland und die kommen oft aus Europa.

Pfingstdialog im Zeichen Amerikas

Obwohl es bei den alle zwei Jahre stattfindenden Pfingstdialogen „Geist und Gegenwart“ im Schloss Seggau eigentlich um Europa geht, drehte sich heuer alles um die fragilen europäisch-amerikanischen Beziehungen. Experten aus Politik, Wirtschaft, Medien und Religion – unter ihnen Alfred Gusenbauer, Erhard Busek, Wilhelm Krautwaschl und Alexander Tessmar-Pfohl – diskutierten darüber wie es zwischen Europa und den USA weitergehen soll. Im Rahmen dieser Veranstaltung haben wir auch Hannelore Veit zum Interview getroffen. 

Die Journalistin ist seit 2013 ORF-Korrespondentin in Washington hat bereits in den USA an der rennomierten University of Notre Dame studiert. Davor moderierte sie die „Zeit im Bild“.



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