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„Die Kriminalität im Netz steigt rasant“

Wie sicher können sich die Bürger im Steirerland fühlen und welche kriminellen Attacken drohen Unternehmern aus dem Netz? Wir haben den „neuen“ Landespolizeidirektor Gerald Ortner zum großen Interview gebeten.

Gerald Ortner ist seit Juni 2017 steirischer Landespolizeidirektor.
© Foto Fischer Gerald Ortner ist seit Juni 2017 steirischer Landespolizeidirektor.
Sie haben im Sommer letzten Jahres die Nachfolge von Josef Klamminger als Landespolizeidirektor angetreten. Mit welchen Zielen?

Gerald Ortner: Mein Motto ist, den Weg einer modernen Polizei zu gehen. Das betrifft Technik und Ausrüstung ebenso wie die Öffentlichkeitsarbeit – mit starkem Fokus auf Delikt-Prävention.

Stichwort Delikte: Was sagt die Kriminalstatistik?
Ortner: Was die Kriminalstatistik 2017 betrifft, so zeigt diese einen sehr positiven Trend für die Steiermark. Insgesamt sank die Gesamtkriminalität um 3,8 Prozent, gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote um 4,5 Prozentpunke. Etwas zugenommen haben die Zahlen im Suchtmittelbereich: Dieser Zuwachs ergibt sich, weil es sich um Kon­trolldelikte handelt. Aufgrund der verstärkten Polizeipräsenz kam es zu mehr Anzeigen.

Auch wenn die Zahlen insgesamt sinken, scheinen sich die Kriminellen im Internet aber ganz wohl zu fühlen …
Ortner: Ja, die Cyberkriminalität steigt stark an. Sie ist der negative Ausreißer in der sonst so positiven Statistik. Im Jahr 2017 verzeichnete man hier mit 1.977 Anzeigen ein Plus von 38,7 Prozent im Vergleich zu 2016 mit 1.425 Anzeigen. Von 2015 auf 2016 betrug der Anstieg 30 Prozent. Die Cyberkriminalität stellt Sicherheitsbehörden national und international vor enorme Herausforderungen. Denn Ermittlungen und Strafverfolgungen sind deshalb so schwierig, weil es sich zumeist um global agierende Kriminelle handelt. Es besteht kein Naheverhältnis zwischen Opfern und Tätern, wo man ansetzen könnte. Ebenso verändern die Kriminellen ihre Vorgehensweisen immer schneller: War vor ein, zwei Jahren noch das Auskundschaften von Bankdaten en vogue, sind es jetzt Ransomware und CEO-Frauds.

Was tut die Polizei dagegen, wo doch die Täter in den Weiten des Internet nur höchst selten zu fassen sind …
Ortner: Auf allen Ebenen hierzulande und in Zusammenarbeit mit den Behörden im Ausland wird versucht, diesem Problem entsprechend zu begegenen. Aber weil sich das so schwierig gestaltet, liegt der Schlüssel zum Erfolg eindeutig in der Prävention. Hier setzt auch der kürzlich präsentierte Cybermittwoch der Initiative „Gemeinsam sicher“ an. In Zusammenarbeit mit der WKO Steiermark informieren wir am jeweils ersten und dritten Mittwoch des Monats die Öffentlichkeit – insbesondere die Unternehmen –, wie sie sich vor Attacken aus dem Netz schützen können. Gleichzeitig bauen wir sukzessive unseren Mitarbeiterstand im Bereich der IT-Ermittlung und der Betrugssachbearbeitung aus.

Sie blicken bereits auf eine lange Polizei-Karriere zurück: Gibt es noch Momente, die selbst für Sie schwer zu verdauen sind?
Ortner: Natürlich gibt es Fälle, die selbst langjährige Polizeimitarbeiter an ihre Grenzen bringen: etwa die Amokfahrt in Graz oder die Bluttat in Stiwoll. Gott sei Dank waren Ereignisse dieser Art bislang selten und bleiben hoffentlich die Ausnahme.

Wie sicher können wir uns in der Steiermark fühlen?
Ortner: Sehr sicher. Das belegen die seit Jahren sinkenden Zahlen in der Kriminalitätsstatistik. Und im Ranking des Global Peace Index belegt Österreich Platz vier der weltweit friedlichsten Länder.

Wenn man aber die Leute fragt, zeigt sich mitunter doch ein deutlich anderes Bild …
Ortner: Es stimmt, dass sich die zuvor genannten positiven Fakten nicht mit dem subjektiven Empfinden der Bürger decken. Das kann zum einen mit der medialen Berichterstattung zu tun haben, wenn Vorfälle hochstilisiert werden, was Leser bzw. Zuseher dann auch umso stärker registrieren. Auch ungefilterte bzw. wenig recherchierte Postings in sozialen Kanälen tragen dazu bei, Ängste zu schüren. Zum anderen sehen wir uns ja auch mit gänzlich neuen Situationen konfrontiert, die, weil wir sie ja nicht kennen, eine generelle Unsicherheit auslösen – etwa Flüchtlingsströme oder Terroranschläge.

Fehlt es vielleicht auch an Informationen von Ihrer Seite?
Ortner: Die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Wir binden die Bevölkerung stark in die Polizeiarbeit mit ein – sei es mit Initiativen wie „Gemeinsam sicher“ oder durch die Nutzung der sozialen Netzwerke. Ja, auch die steirische Polizei twittert bereits eifig.

Zur Person:

Gerald Ortner – geboren 1974 in Innsbruck – startete direkt nach der Matura und dem Präsenzdienst seine Polizei-Karriere. Während seiner Zeit als Kriminalbeamter in Tirol absolvierte er das Studium der Rechtswissenschaften. Nach Positionen im Bundeskriminalamt und dem BMI führte sein Weg 2014 von Wien in die Steiermark. Seit Juni 2017 ist er Landespolizeidirektor. Infos: www.polizei.gv.at/stmk

Von Veronika Pranger

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