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Die Kollektivverträge regeln jeden Job

Welcher Kollektivvertrag für welchen Job gilt, das hängt von der Gewerbeberechtigung des Unternehmers ab. Die WKO-Expertin mit allen Details.

Justitia hat immer ein Auge auf die Mitarbeiter und deren Zuordnung zum Kollektivvertrag.
© Gina Sanders - stock.adobe.com Justitia hat immer ein Auge auf die Mitarbeiter und deren Zuordnung zum Kollektivvertrag.

Alexandra Richter, Expertin im WKO-Rechtsservice,  räumt gleich einmal mit einem Irrglauben auf: „Für die Zuordnung ist es irrelevant, welchen Beruf der Arbeitnehmer erlernt hat bzw. tatsächlich ausübt. So unterliegt etwa ein Buchhalter, der in einem Hotel arbeitet, dem Kollektivvertrag für Angestellte im Gastgewerbe.“

Eine Berechtigung

Was ist, wenn es nur eine Gewerbeberechtigung gibt? Verfügt der Arbeitgeber nur über eine einzige Gewerbeberechtigung und ist von der Fachorganisation für dieses Gewerbe ein Kollektivvertrag abgeschlossen, so hat ihn der Arbeitgeber auf die vom Kollektivvertrag erfassten Arbeitsverhältnisse anzuwenden. Auch Mitarbeiter von Arbeitgebern, die eine gewerbliche Tätigkeit ohne die hierfür erforderliche Gewerbeberechtigung unbefugt ausüben, unterliegen jenem Kollektivvertrag, der bei rechtmäßiger Gewerbeausübung anwendbar wäre. Schließt die Fachgruppe keinen Kollektivvertrag ab, so ist auf die vom Arbeitgeber abgeschlossenen Arbeitsverhältnisse auch kein Kollektivvertrag anwendbar.
Richter: „Verfügt der Arbeitgeber über mehrere Gewerbeberechtigungen, gilt für jeden einzelnen Wirtschaftsbereich der zur jeweiligen Gewerbeberechtigung passende Kollektivvertrag. Voraussetzung dafür ist, dass der Betrieb in Betriebsteile oder in organisatorisch und fachlich abgegrenzte Betriebsabteilungen strukturiert ist.“ Diese Trennung muss vom ausschließlichen Einsatz der Arbeitnehmer im jeweiligen Wirtschaftsbereich, einer gewissen räumlichen Trennung, von getrennten Abrechnungen und einem separaten Verantwortlichen (Bereichsleiter) gekennzeichnet sein.

Mischbetriebe

Liegt eine organisatorische Trennung nicht vor, dann ist jener Kollektivvertrag anzuwenden, der dem Wirtschaftszweig entspricht, der für den Betrieb die maßgebliche wirtschaftliche Bedeutung hat (da stellt sich die Frage nach dem unternehmerische Kerngeschäft). Liegt weder eine organisatorische Trennung noch eine maßgebliche wirtschaftliche Bedeutung vor, dann ist jener KV zur Anwendung zu bringen, dessen Geltungsbereich unbeschadet der Verhältnisse im Betrieb die größere Anzahl von Arbeitnehmern erfasst.
Richter über die Regelung in Mischbetrieben mit kollektivvertragsfreiem Kerngeschäft: „Liegt in einem Mischbetrieb die maßgeblich wirtschaftliche Bedeutung auf einem Wirtschaftsbereich, für den kein Kollektivvertrag gilt, so ist der Kollektivvertrag des weniger bedeutsamen Bereiches auf alle zur jeweiligen Berufsgruppe gehörenden Arbeitnehmer (Arbeiter bzw. Angestellte) anzuwenden.“

Alle Infos: WKO Rechtsservice, Tel. 0316/601-601, E-Mail rechtsservice@wkstmk.at

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