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„Die Börse ist kein Hort böser Spekulation“

Seit September führt Christoph Boschan die Wiener Börse. Wir haben mit ihm über die Auswirkungen des Brexits, den Finanzplatz Österreich und das noch immer schlechte Image des Aktienhandels gesprochen.

Christoph Boschan
© Börse Wien Christoph Boschan

Mit dem Brexit verabschiedet sich Europas größter Finanzplatz aus der EU. Ist das auch eine Chance für Wien? 

Christoph Boschan: Für die Wiener Börse als Unternehmen spielt der Brexit natürlich eine Rolle. Ein Großteil unserer Aufträge kommt von dort. Deshalb beobachten wir die Situation genau. Wir glauben aber, dass es kaum Auswirkungen geben wird. 

Haben es kleinere Finanzplätze wie die Wiener Börse in der EU eigentlich schwer?

Boschan: Der österreichische Markt gehört zum Mittelfeld und hat definitiv seine Berechtigung. Die Mehrheit der Unternehmen, nämlich 94 Prozent, geht an den Heimatmarktplatz. Das liegt daran, dass sie hier die große Bühne bekommen und auch einen Zugang zum Index haben. Würde ein österreichisches Unternehmen nach London gehen, würde es in der Masse der Aktien untergehen, und gerade diese Sichtbarkeit ist besonders wichtig für den Erfolg einer Aktie.

Trotzdem kämpfen viele Börsen in den Nachbarländern ums Überleben... 

Boschan: Früher war die Wiener Börse mit diesen Börsen gesellschaftlich verknüpft. Das ist heute nicht mehr der Fall. Trotzdem unterstützen wir die Finanzplätze in Prag, Budapest, Laibach und nun auch in Zagreb als Service Provider. Sie sind also unsere Kunden und das ist ein wichtiger Teil unseres Geschäfts. Zusätzlich erstellen wir einige osteuropäische Indizes, und das funktioniert sehr gut.

Woran liegt es eigentlich, dass europäische Start-ups selten an die Börse gehen? 

Boschan: Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, ist es meistens kein Start-up mehr. Es hat bereits mehrere Finanzierungsrunden hinter sich und verfügt meistens über einen positiven Cashflow. Zwischen der Start-up-Finanzierung und der Refinanzierung an der Börse vergeht sehr viel Zeit. Wir bemühen uns aber darum junge Firmen zu beraten, um das Fernziel des börsennotierten Unternehmens zu erreichen.

Warum gibt es derzeit so wenige Börsengänge in Wien? 

Boschan: Was die Neuzugänge betrifft, ist die Wiener Börse im europäischen Vergleich weder besonders schlecht noch besonders gut unterwegs. Wollte man mehr Börsengänge, bräuchte es auch mehr Anreize von der Politik. Es gibt aber auch so wenige Börsengänge weil der Eigenkapitalbedarf derzeit begrenzt ist und man sich bei den niedrigen Zinsen relativ günstig refinanzieren kann. Das heißt aber nicht, dass die Börse nicht funktioniert, denn wir hatten 2016 mit 48 Unternehmensanleihen so viele wie noch nie. 

Warum sind Aktien in Österreich nicht so populär wie in anderen Ländern? 

Boschan: Dabei handelt es sich um ein vielschichtiges Problem. Zum einen geht es da um die fehlende Finanzbildung im Land. Dem begegnen wir mit mehr als 300 Veranstaltungen im Jahr. Hinzu kommt eine gewisse Risikoaversion, die ja grundsätzlich nicht schlecht ist. In Österreich gilt die Börse aber als Hort der Spekulation, wo man entweder plötzlich reich wird oder über Nacht sein ganzes Geld verliert. Ein realistischer Blick auf die Börse bleibt jedoch verschlossen, denn trotz aller Krisen haben wir im ATX in den vergangenen 25 Jahren eine jährliche Rendite von sechs Prozent erzielt. 

Aber von diesen Renditen profitieren nur wenige... 

Boschan: Leider bekommen diese Renditen tatsächlich vor allem die Gutverdienenden. Da kann man nun in den ideologischen Schützengraben steigen oder man kann sich die Frage stellen, wie man jenen Menschen mit niedrigen Steuerklassen den Zugang ermöglicht. Für mich ist das eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit und mein Vorschlag wäre, sie von der hohen Kapitalertragssteuer zu befreien.

Autor: Michael Neumayr

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