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Die Beziehung zu Serbien hat Tradition

Belgrad ist für viele Unternehmen das Tor nach Südost-Europa. Auch steirische Unternehmen sind vor Ort erfolgreich. Marko Čadež, Präsident der serbischen Kammer für Handel und Industrie, im Interview über die österreichisch-serbischen Wirtschaftsbeziehungen.

Marko Čadež, Präsident der serbischen Kammer für Handel und Industrie: Österreich zählt zu den Top-Investoren in Serbien.
© Kokhanchikov - stock.adobe.com Marko Čadež, Präsident der serbischen Kammer für Handel und Industrie: "Österreich zählt zu den Top-Investoren in Serbien."

Südost-Europa ist seit Jahren ein wichtiger Markt für steirische Unternehmen. An Serbien wurde dabei lange (zu) wenig gedacht. Dabei bietet das Land viele Chancen, und auch die Kooperationen nehmen stetig zu, wie Marko Čadež, Präsident der serbischen Wirtschaftskammer, im Interview (siehe unten) betont. Während die Exporte aus Österreich in den ersten zehn Monaten 2017 nämlich auf 560 Millionen Euro gestiegen sind, wuchsen die Importe von Serbien in die Alpenrepublik im selben Zeitraum auf 416 Millionen Euro – damit überstieg das bilaterale Handelsvolumen sogar erstmals wieder das Rekordergebnis aus dem Jahr 2008. Die wichtigsten nach Serbien exportierten Waren sind Maschinen, elektrische Anlagen, pharmazeutische Erzeugnisse, Glas und Glaswaren, Kunststoffe, Traktoren sowie Anhänger. Zudem sind Österreichs Unternehmen größter ausländischer Investor in Serbien – mit einem Gesamtvolumen von 2,03 Milliarden Euro. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern sind seit jeher ausgeprägt und Serbien ist für heimische Unternehmen nicht selten auch das Tor nach Südost-Europa.
So zum Beispiel für das Grazer Medizintechnikunternehmen Mides, das weltweit mit Ultraschallgeräten handelt. Seit zehn Jahren unterhält es auch einen Standort in Belgrad. „Serbien hat eine wichtige strategische Bedeutung“, sagt Geschäftsführer Christian Brunner. „Zum einen ist das Land Ausgangspunkt für unsere Aktivitäten in Süd-Bosnien, Montenegro und im Kosovo. Andererseits ist es ein wichtiger Absatzmarkt für gebrauchte Ultraschallgeräte.“ Auch Ejot ist schon seit Anfang der 2000er-Jahre am Balkan aktiv. Der Verbindungstechnik-Spezialist beliefert Kunden aus der Industrie, der Baubranche und dem Bereich Wärmedämmverbundsysteme mit Befestigungslösungen und Verbindungselementen. „Wir sind in Serbien hauptsächlich im Bausektor tätig und erzielen gute Ergebnisse, in den letzten zwei Jahren, vor allem durch eine Zunahme an Bauprojekten“, so Jürgen Hauer, Geschäftsführer von Ejot Austria, das von Voitsberg aus für die Region Südost-Europa verantwortlich ist. „Ich bin optimistisch, denn auch weiterhin stehen viele Bauprojekte und Investments ausländischer Unternehmen an, die Serbien für uns interessant machen.“
Einen Standort mit 30 Mitarbeitern in Belgrad betreibt auch die Steuerberatungskanzlei Confida. „Wir haben zunächst deutschsprachige Unternehmen beim Markteintritt begleitet. Viele unserer Mandanten sind auch Kooperationen mit serbischen Unternehmen eingegangen“, so Christian Braunig, Managing-Partner Confida Südost-Europa. „Das Image Serbiens hat sich zum Positiven gewandelt“, ist Braunig überzeugt.

Marko Čadež, Präsident der serbischen Kammer für Handel und Industrie, im Interview:

Serbien hat nun ein Kammersystem eingeführt, das dem österreichischen ähnlich ist. Was waren die Gründe dafür?
Marko Čadež: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ein modernes und effizientes Kammersystem zu etablieren. Es sollte ausreichend stark und repräsentativ sein, um mit der Regierung auf Augenhöhe kommunizieren zu können, wenn es um die Einführung von wirtschaftspolitisch bedeutsamen Maßnahmen und Vorschriften geht. Gleichzeitig sollte es der Wirtschaft effektive und nützliche Dienstleistungen anbieten können. Das österreichische Modell ist nicht nur eines der effizientesten, sondern für uns auch das passendste hinsichtlich Größenordnung und Wirtschaftsstruktur. Daher ist es bestens geeignet, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Wir befinden uns in einem Reform- und Modernisierungsprozess des Kammersystems und sind dabei, alle unsere Tätigkeitsfelder, von der Interessensvertretung über die Internationalisierung bis hin zur Wirtschafts- und Bildungsförderung, zu stärken. Die Wirtschaftskammer Österreich und das österreichische Kammersystem sind dabei Vorbild, Mentor und größte Stütze.
Serbien führt auch das duale Ausbildungsmodell ein, das es in Österreich gibt.

Wie gestaltet sich dieser Prozess?
Čadež: Serbien ist das erste Land im Westbalkan, das ein Gesetz zur dualen Bildung eingeführt hat, das im September 2019 umgesetzt wird. Bisher haben 4.559 Schüler an Pilotprojekten teilgenommen. Sie wurden in 128 Schulen und 205 Betrieben in 19 Lehrberufen und 43 Berufen mit dualen Ausbildungselementen ausgebildet. Die Wirtschaftskammer Serbien wird bei der Umsetzung des Gesetzes zur dualen Bildung eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Wirtschaft bei der Schaffung oder Aktualisierung von Ausbildungsprofilen, Schulung von Ausbildnern für Schüler und Betriebe und bei der Bildung von Kooperationen zwischen Betrieben und Schulen unterstützt. Daher wird die Förderung der Wirtschaftskammer Österreich und der Austrian Development Agency, die die Projektaktivitäten finanziert, in nächster Zeit speziell dem Transfer österreichischen Know-hows zu den äquivalenten serbischen Institutionen gelten. Außerdem wird die Wirtschaftskammer Serbien nach dem Vorbild des österreichischen WIFI Ausbildungsprogramme und Aktivitäten für die kürzlich ins Leben gerufene Business-Akademie entwickeln.

Zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Österreich: Inwiefern ist Österreich als Markt und inwiefern als Investor bedeutsam?
Čadež: Österreich zählt zu den Top-Investoren in Serbien. In den vergangenen 15 Jahren stammte der mengenmäßig größte Anteil an ausländischen Direktinvestitionen aus diesem Land. So wurden seit 2010 beinahe 1,9 Milliarden Euro in die serbische Wirtschaft investiert. Rund 500 Unternehmen aus Österreich sind in Serbien aktiv tätig. Sie haben auch maßgeblich zur Ankurbelung der serbischen Exporte und Verbesserung der Exportstruktur unserer Produkte beigetragen. Diese Unternehmen zählen zu den größten Exporteuren aus Serbien und zu den größten Importeuren aus Österreich und sind daher für den Handel zwischen den beiden Ländern von immenser Bedeutung. Im vergangenen Jahr ist das Handelsvolumen auf eine Milliarde Euro angestiegen, wovon die Exporte aus Serbien einen Anteil von 400 Millionen Euro hatten. Wir glauben, dass wir in den kommenden Jahren durch neue Auslandsinvestitionen und auch durch die Stärkung der Investitions-, Produktions- und Exportkapazitäten der lokalen Unternehmen mehr serbische Produkte am österreichischen Markt platzieren und auch das Außenhandelsdefizit reduzieren und ausgleichen werden können.

Wie sieht der Ausblick für die serbische Wirtschaft aus?
Čadež: Offizielle Hochrechnungen prognostizieren für die nächsten Jahre ein Wirtschaftswachstum zwischen 3,5 und vier Prozent. Serbien hat es dem Reformprozess der vergangenen Jahre zu verdanken, dass der Wirtschaftsstandort heute günstiger ist als je zuvor: Es ist makroökonomisch gestärkt, politisch stabil, bekennt sich zum europäischen Integrationsprozess, verfügt über eine funktionierende Infrastruktur, die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden verbessert, Risiken haben abgenommen und die Bonität hat sich verbessert. Serbien ist ein attraktiver Investitions- und Wirtschaftsstandort, der nun das zweite Jahr in Serie ungefähr die Hälfte aller ausländischen Direktinvestitionen im Westbalkan für sich verbuchen konnte.

Wie bedeutsam ist die EU-Mitgliedschaft für ­Serbien?
Čadež: Serbien bekennt sich klar zur Migliedschaft in der EU, was sich auch in unserem Fortschritt beim europäischen Integrationsprozess zeigt. Die EU ist der wichtigste Außenhandelspartner Serbiens und der größte Investor. Der Eintritt in den europäischen Binnenmarkt wird uns noch größere Exportchancen und neue Möglichkeiten für Kooperationen und Partnerschaften eröffnen. Die wettbewerbsfähigsten Unternehmen werden daraus den größten Nutzen ziehen und von den größten Erfolgschancen profitieren. Daher ist es wichtig, dass die serbische Wirtschaft als Gesamtes und auch die einzelnen Unternehmen im Beitrittsprozess ihre Kapazitäten für mehr Exportproduktion und mehr Investitionen verbessern. So können sie ihre Technologie modernisieren, produktiver und wettbewerbsfähiger werden und sich nach dem EU-Beitritt nicht nur am europäischen Binnenmarkt, sondern auch am heimischen Markt besser gegenüber der Konkurrenz behaupten. Je rascher wir unsere Rechtsvorschriften an die europäischen angleichen, die Anpassungskosten bewältigen und die europäischen Werte, Standards und Geschäftsmodelle übernehmen, desto rascher werden wir bei den regionalen und europäischen Integrationsprozessen Fortschritte erzielen und desto stabiler und wettbewerbsfähiger wird unsere Wirtschaft sein.

Mehr über den Wirtschaftsstandort Serbien erfahren Sie im AußenwirtschaftsCenter Belgrad per E-Mail unter belgrad@wko.at, Tel. 00381 11 301 5850 bzw. im Internet unter http://wko.at/aussenwirtschaft/rs

Von Petra Mravlak

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