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"Der Raiffeisengedanke bleibt aktuell"

Am 19. Mai feiert die Raiffeisen-Landesbank ihren 90. Geburtstag. Als steirischer Wirtschaftsfaktor ist sie nicht mehr wegzudenken. Wir haben mit Generaldirektor Martin Schaller über Vergangenheit und Zukunft gesprochen.

Martin Schaller
© Fischer Martin Schaller ist seit 2013 Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark

1927 wurde die Raiffeisen-Landesbank offiziell gegründet. Was war der ausschlag­gebende Grund dafür?

Martin Schaller: Man ist damals einfach zur Ansicht gekommen, dass man eine organisatorische Trennung zwischen dem Waren- und dem Geldsektor vornehmen sollte, weil es zwei unterschiedliche Dinge sind. Wir ergänzen uns zwar perfekt, aber Banken und der Warensektor, wie die Lagerhäuser, sind unterschiedliche Geschäftsmodelle.


Was bedeutet der oft beschworene Raiffeisengedanke eigentlich in der Praxis?

Schaller: Die Grundprinzipien sind Solidarität, Subsidiarität und Regionalität. Wir haben von der Gründung her das Ziel, dass wir Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Die ersten Kassen wurden gegründet, damit die ländliche Bevölkerung Geld zur Verfügung hat. Da steht bei unseren Primärgesellschaften auch heute nicht die Profitmaximierung im Vordergrund. Natürlich müssen wir Gewinne machen, allein schon wegen der strengen Eigenkapitalanforderungen. Aber wir wollen nicht unter allen Umständen Gewinn maximieren.


Spielt der Hilfsgedanke heute noch die gleiche Rolle?

Schaller: Natürlich haben sich die Zeiten geändert. Aber wenn wir von den Primärbanken sprechen, sind sie noch immer die Geldinstitute, die für die regionale Bevölkerung da sind. Wir nehmen für uns in Anspruch, der Blutkreislauf der regionalen Wirtschaft zu sein.


Raiffeisen steht vom Image her für die kleine Bank im Dorf. Gefällt Ihnen das?

Schaller:
Es hat sich schon gewandelt, man muss heutzutage differenzieren. Unsere primären Raiffeisenbanken sind unsere Wurzeln in der Region. Die Landesbanken sind aber sehr wohl im größeren Firmenkundengeschäft verankert, und dann gibt es die Raiffeisenbank International, die in Zentral- und Osteuropa aktiv ist. Der Gedanke Kirche, Gasthaus und Raiffeisenbank hat sich in der letzten Zeit verändert. Wir unterstützen die regionale Wertschöpfung, wir können aber nicht die Bevölkerungswanderung stoppen. Daher ist die Digitalisierung so wichtig. Im Herbst gehen wir daher mit einer neuen Plattform, der „digitalen Regionalbank“, online.


Das heißt, Sie wollen als Bank effizienter werden?

Schaller: Genau, wir dürfen nicht im Strukturkonservativen verharren. Wenn sich die Welt verändert, dann müssen wir uns auch verändern.


Das Bankgeschäft verändert sich rasant. Was hat die damalige Raika mit der heutigen Raiba noch gemeinsam?
Schaller: Ich würde sagen, wir haben eigentlich immer den Ansprüchen der Zeit Genüge getan. Wir haben in der Vergangenheit durch unser dichtes Bankstellennetz und durch die damals geringere technische Entwicklung die Infrastruktur geboten, dass jeder seinen Geldgeschäften nachgehen konnte. Und wir bieten das heute auch, aber mit anderen Mitteln und einem noch viel breiteren Produktspektrum.


Wir leben in turbulenten Zeiten und haben einen neuen Wirtschaftsminister, was soll und kann er bis zur Wahl noch machen?

Schaller: Ich äußere mich ungern zu tagespolitischen Fragen. Wirtschaftspolitisch ist viel notwendig, aber dass bis zu den Neuwahlen viel passieren wird, halte ich für unwahrscheinlich. Für danach sollte man sich schon viel vornehmen.


Was braucht es danach?

Schaller: Wir brauchen Strukturreformen auf breitester Ebene. Wir brauchen eine Entbürokratisierung, eine Deregulierung, Reformen im Pensionsystem, im Sozialsystem und im Gesundheitssystem. Wir müssen die Eigenverantwortung fördern und so weiter. Sie sehen, es gibt vieles zu tun.


Was meinen Sie mit Deregulierung? Das klingt doch nach Turbokapitalismus.

Schaller:
Nein! Nein! Turbokapitalismus und Raiffeisen, das wäre ein 180-Grad-Widerspruch. Ich meine, dass wir bürokratische Hindernisse eingeführt haben, die uns im täglichen Wirtschaften behindern. Die gibt es nicht nur bei den Banken. Diese Regeln, die sollte man wieder auf ein vernünftiges Maß zurückführen.

Zur Person: Martin Schaller ist seit 2013 Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark. Davor war der studierte Politologe und Handelswissenschafter bei der Creditanstalt und in der Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich tätig.


Interview: Michael Neumayr

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