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"Das Internet ist wie der Wilde Westen"

Dominic Neumann, Sprecher der steirischen IT-Branche, im Gespräch über die dunkle Seite des Internets, fehlendes Bewusstsein bei Unternehmen und in der Politik sowie Qualitätsmerkmale für IT-Dienstleister.

Gesetzlose haben das Internet längst als Geschäftslokal entdeckt.
© Fotomicar/stock.adobe.com Gesetzlose haben das Internet längst als Geschäftslokal entdeckt.

Das Stichwort „IT“ verbindet man heute schon fast automatisch mit „Sicherheit“ und „Cybercrime“. Wie schätzen Sie die Situation ein?
Dominic Neumann: Wir haben definitiv steigenden Handlungsbedarf. Es fehlt vielfach das Bewusstsein, dass eine vernetzte Welt auch Gefahren mit sich bringt. Wenn man an die Falschen gerät, ist das Internet wie der Wilde Westen. Nur geht es heute nicht mehr darum, wer schneller zieht, sondern wer besser hackt.

Wie kann ich mich und mein Unternehmen schützen?
Neumann: Erstens: Schutz der Infrastruktur durch entsprechende Maßnahmen, zum Beispiel eine Firewall. Die meisten Internetrouter bieten das ohnehin standardmäßig an – und die sollte man auf jeden Fall aktiviert lassen. Zweitens: Regelmäßige Backups machen und – das ist ganz wichtig – die Backup-Datenträger dann physisch aus dem Netzwerk rausnehmen. Sprich: Ausstecken, wenn man sie nicht braucht. Bleibt das  Gerät angesteckt, kann es etwa bei einer Attacke mit einem Verschlüsselungstrojaner ebenfalls betroffen sein – dann ist auch das Backup wertlos. Und drittens, der wichtigste Punkt: Bewusstsein schaffen – auch bei den Mitarbeitern! Man muss sich zu jedem Zeitpunkt im Internet fragen: Wo gebe ich meine Daten an? Wo klicke ich hin? Nicht jeder, der mir Mails schickt, ist gleich mein bester Freund. Normalerweise sind es  zwei-drei Klicks, die zum Schaden führen. Problembewusstsein ist also dabei schon ein guter Schutz. Wenn doch einmal etwas passiert: Möglichst schnell den Rechner herunterfahren – wenn noch möglich, sonst den Stecker ziehen. Und dann sofort die WKO-Cyber-Security-Hotline anrufen.

Viele neue Geräte, die mit dem Internet verbunden werden, erfüllen Sicherheitsanforderungen nur sehr bedingt. Warum gibt es hier nicht strengere Vorschriften?
Neumann: Ich glaube, dass das Internet in seiner Komplexität und mit seinen Möglichkeiten noch immer stark unterschätzt wird – auch von Entscheidungsträgern. Das muss sich ändern, denn das Internet wächst rasant. Dafür brauchen wir Rahmenbedingungen.

IT-Dienstleister können zumindest nach Stand der Technik schützen. Nach welchen Kriterien wähle ich einen geeigneten Partner aus?
Neumann: Wir sind ein freies Gewerbe, das heißt, theoretisch kann jeder ein IT-Dienstleistungsunternehmen gründen. In unserem breit gefächerten Fachgebiet gibt es dabei viele Spezialisierungsmöglichkeiten: Ein Infrastruktur-Experte muss jetzt noch nicht zwangsläufig im Bereich der Cybersecurity ein Fachmann sein. Das ist im ersten Schritt für den Konsumenten also nicht einfach. Deshalb empfehle ich, vor allem auf die zahlreichen Produktzertifizierungen zu achten. Das heißt: Habe ich ein Microsoft-Problem, suche ich jemanden, der von Microsoft für dieses Problem als Partner zertifiziert ist. Für uns als Fachgruppe ist das natürlich genauso unbefriedigend wie für die Konsumenten, denn meiner Meinung nach sollte ein Bereich, der ein derart großes Schadenspotenzial zum Gegenstand hat, unbedingt eine Mindestqualifikation – sprich eine Reglementierung im Zugang – abverlangen. Es ist für mich ein klassisches Beispiel für die fehlgeleitete Diskussion in Bezug auf die Gewerbeordnung: Eine Reglementierung brächte eine Qualitätssicherung, was letztlich den Kunden entgegenkäme.

Gibt es Qualitätsmerkmale wie beispielsweise fundierte Ausbildungen?
Neumann: Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Reglementierung wurde nun ein Lehrgang konzipiert, der absichtlich enorm anspruchsvoll gestaltet wurde. Er nennt sich „Data- & IT-Security-Expert“ und startet im Herbst. Kunden können IT-Dienstleister, die in Zukunft diese Ausbildung vorweisen können, als absolute Experten vom Fleck weg engagieren (mehr Infos dazu hier).

Wo setzen Sie weitere interessenpolitische Schwerpunkte?
Neumann: Wir fordern seit Jahren ein eigenes Ministerium für IKT und Infrastruktur, damit das Thema endlich auch beim Gesetzgeber ankommt. IT ist allgegenwärtig, das Internet der Dinge längst da.  Wir sind mittendrinnen und dafür braucht es viel mehr Bewusstsein in der Politik – aber auch bei den Unternehmen. Die Bewusstseinsbildung ist also das große Thema. Das versuchen wir auch mit Veranstaltungen, etwa unserem großen Digitalisierungskongress TrendIT, der heuer am 17. Oktober stattfinden wird (mehr Infos dazu hier).

Was erwarten Sie sich von der neuen Datenschutzverordnung?
Neumann: Das Ziel dabei ist, den Missbrauch personenbezogener Daten einzudämmen. Die Kriminellen werden sich davon natürlich nicht abschrecken lassen, aber die Verordnung sollte doch auf Seite der Unternehmen für mehr Bewusstsein sorgen, und damit insgesamt auch das Schadenrisiko ein wenig eindämmen.


UBIT-Obmann Dominic Neumann
© Fischer UBIT-Obmann Dominic Neumann
Dominic Neumann ist unter dem Markennamen „DerneumanN.Consulting“ als Berater und Sachverständiger sowie  Lektor an der FH Campus 02 (Studienrichtung Informationstechnologien und Wirtschaftsinformatik) tätig. Seit Jänner 2014 ist er Obmann der Fachgruppe UBIT Steiermark.

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