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Cybercrime: Vor allem kleine und mittlere Unternehmen bedroht

Warum gerade Ein-Personen-Unternehmen und KMU häufiger von Internetkriminalität betroffen sind, erklärt der „oberste Cyber-Polizist“ Österreichs, Leopold Löschl.

Ungewollter Zugriff von außen kann große Schäden anrichten.
© Africa Studio/stock.adobe.com Ungewollter Zugriff von außen kann große Schäden anrichten.

Herr Löschl, Sie leiten im Bundeskriminalamt das Cyber-Crime-Competence-Center. Wie schätzen Sie die Bedrohungslage aktuell ein?
Leopold Löschl: Österreich lässt sich hier von internationalen Gegebenheiten nicht abkoppeln. Es gibt immer neue Technologien, immer neue Methoden der Kriminellen und vor allem auch immer mehr Schadsoftware. Insgesamt ist die Bedrohungslage also relativ hoch.

Von welchen Szenarien sprechen wir derzeit konkret?
Löschl: Das aktuell größte Phänomen ist Ransomware, sogenannte „Verschlüsselungstrojaner“. Dabei erlangen Kriminelle Zugriff auf Daten, verschlüsseln diese und fordern „Lösegeld“. Außerdem wird Cyberkriminalität immer mehr als „Dienstleistung“ im Darknet angeboten: Man kann sich also das technische Know-how für eine Cyberattacke zukaufen. Das erhöht das Gefahrenpotenzial deutlich.

„Ich bin nur ein kleiner Unternehmer und habe kein Vermögen. Wer wird von mir schon etwas wollen?“ Stimmen Sie dieser Aussage zu?
Löschl: Das ist ein Trugschluss. Während sich beispielsweise herkömmliche Einbrecher meist gezielt ein Objekt – etwa mit einem gekippten Fenster – aussuchen, gehen Cyberkriminelle sprichwörtlich von einer Tür zur nächsten und versuchen, jede einzelne zu öffnen. Sobald eine Tür unversperrt ist, treten sie ein und suchen gezielt nach, gespeicherten Ausweisinformationen, Finanzdaten, Kreditkarten oder Zugängen zu Online-Konten. Bei Firmen sind auch häufig Kundendaten das Ziel.

Das heißt, gerade Ein-Personen-Unternehmen und KMU sind besonders gefährdet.
Löschl: Das ist die Realität. Während Großunternehmen interne IT-Spezialisten beschäftigen, fehlt hier bei den kleineren Firmen einerseits oft das Bewusstsein und andererseits das Budget, um ständig am Stand der Technik zu bleiben.

Wie kann man sich schützen?
Löschl: Die Lösung beginnt im Kopf. Man muss sich ständig vor Augen halten, dass jederzeit jemand versucht, einem zu schaden. Wenn Sie heute einen Computer einschalten und mit dem Internet verbinden, garantiere ich Ihnen, dass binnen zehn Minuten jemand versucht haben wird, sich bei Ihnen einzuloggen. Das geht mittlerweile vollautomatisch. Daraus folgt: Niemals seine Firewall deaktivieren, niemals Standardpasswörter verwenden, immer aktuelle Virensoftware benutzen. Cyberkriminelle gehen dorthin, wo es am einfachsten geht. Wer also ein Mindestmaß an Schutzmaßnahmen aufrecht erhält, kann damit schon etwas erreichen. Das ist die gute Nachricht.

Und die schlechte Nachricht?
Löschl: Das „Internet der Dinge“ wächst enorm, alle möglichen Geräte lassen sich mittlerweile über das Handy fernsteuern. Die Sicherheitsstandards etwa bei WLAN-Glühbirnen und Kühlschränken sind aber meist kaum vorhanden. Das bereitet mir ernsthafte Sorgen und wird die Bedrohung erhöhen.

Was ist zu tun, wenn ich eine Cyberattacke registriert habe?
Löschl: Reagieren Sie wie bei einem Brand: Zuerst Schaden begrenzen, nötigenfalls den Strom abschalten. Danach Hilfe holen: Die Polizei verständigen, auf Beweissicherung achten. Auch die neue Cyber-Security-Hotline der WKO halte ich für begrüßenswert.


Leopold Löschl
© BK/Löschl Leopold Löschl
Leopold Löschl leitet des „C4“ (Cyber-Crime-Competence-Center) im Bundeskriminalamt.


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