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„Bildung ist der entscheidende Hebel für den digitalen Erfolg“

Teil vier unserer Sommergespräche mit den Spitzen der im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen: Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark, über Wege aus dem Fachkräftemangel, Störgeräusche in der Sozialpartnerschaft und Chancen der Digitalisierung.

„Wir müssen die vorhandenen Potentiale besser nutzen, das Talentcenter ist hierfür ein echter Meilenstein“, betont Georg Knill im StWi-Sommergespräch.
© Foto Fischer „Wir müssen die vorhandenen Potentiale besser nutzen, das Talentcenter ist hierfür ein echter Meilenstein“, betont Georg Knill im StWi-Sommergespräch.

Herr Knill, immer mehr Unternehmer klagen über den Fachkräftemangel. Wie akut ist dieser in der Industrie?  

Knill: Sehr akut. Zurzeit sind rund 2.000 Stellen in steirischen Industriebetrieben unbesetzt. Die Palette reicht hier von Lehrlingen bis hin zu HTL- und Hochschul-Absolventen und zieht sich quer durch alle Branchen und Regionen. Ein Mangel, der sowohl wachstums- als auch investitionshemmend ist.

Wo sehen Sie die Ursachen dieser Entwicklung und – noch wichtiger – welche Möglichkeiten gibt es, diesen Mangel zu beheben?

Knill: Da gibt es mehrere Hebel. Zum einen muss es uns gelingen, die vorhandenen Potentiale besser zu nutzen. Trotz Höchstbeschäftigung und einem Rekord an offenen Stellen sind immer noch mehr als 30.000 Personen in der Steiermark als arbeitslos gemeldet. Oberstes Ziel muss es sein, diese wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern, dafür braucht es aber die entsprechende Qualifikation. Ein Großteil dieser Menschen hat nämlich maximal einen Pflichtschulabschluss, und das ist heute einfach zu wenig. Ein zweiter Aspekt betrifft die Bildungswahl, wo wir mit dem Talentcenter in der Steiermark nun ja ein echtes Vorzeigeprojekt haben. In unserer Gesellschaft herrscht leider noch immer die Meinung vor, dass jeder, der es zu etwas bringen will, maturieren und studieren muss. Dabei hat eine qualifizierte Fachkraft mindestens gleich viele Karrieremöglichkeiten. Und was ebenfalls sehr wichtig ist: Wir müssen die MINT-Ausbildungen forcieren, vor allem bei Frauen. Diese sind in technischen Berufen nach wie vor stark unterrepräsentiert. Berufsorientierung muss bei den Talente junger Menschen ansetzen. Klassische Männer- Frauen-Berufsbilder dürfen keine Rolle spielen.

Aber reicht das in Zeiten großer demographischer Umwälzungen und Pensionierungswellen? 

Knill: Nein, darum habe ich eingangs auch von mehreren Hebeln gesprochen. Es braucht mit Sicherheit auch einen qualifizierten Zuzug. Hier wünsche ich mir vor allem einen einfacheren und unbürokratischeren Zugang zur Rot-Weiß-Rot-Karte. 

Wechseln wir zu einem anderen sehr heiß diskutierten Thema, der Arbeitszeitflexibilisierung. Was sagen Sie zur massiven Kritik der ­Gewerkschaften?

Knill: Hier wurden leider Horror-Szenarien an die Wand gemalt. Eine Aufregung, die ich so nicht nachvollziehen kann. Denn ein Großteil der Arbeitnehmer wünscht sich genau diese Form der Flexibilität. Darum sehe ich im Protest der Gewerkschaften auch weniger eine Kritik in der Sache als vielmehr ein Klagen über Veränderung an sich. Vergangene Regierungen haben viele Entscheidungen den Sozialpartnern überlassen, die in dieser Frage aber zu keiner Einigung kamen. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt eine Regierung haben, die umsetzt, was sie vor der Wahl in ihren Programmen angekündigt hat. 

Wie sieht Ihre Bilanz der neuen Bundesregierung nach rund einem dreiviertel Jahr im Amt generell aus?

Knill: Positiv. Nicht nur wegen der Arbeitszeitflexibilisierung, sondern weil hier generell ein Reformeifer spürbar ist. Diese Bundesregierung hat bewiesen, dass sie die Anliegen der Industrie und Wirtschaft versteht und ernst nimmt. Erste standortstärkende Maßnahmen sind umgesetzt – weitere müssen und werden folgen.  Wichtig ist mir aber auch, zu betonen, dass die Regierung das nicht macht, um ein paar Industrielle zufriedenzustellen. Sie macht das, um den Wohlstand in unserem Land zu sichern. Denn ein gesunder Wirtschaftsstandort bringt mehr Beschäftigung – und mehr Beschäftigung heißt mehr Wohlstand.

Sie haben auch die Sozialpartnerschaft angesprochen. Wie sehen Sie deren Rolle?

Knill: Die innerbetriebliche Sozialpartnerschaft ist eine wesentliche Säule, denn hier wird auf Augenhöhe situationsbedingt entschieden – sie gehört gestärkt. Was die institutionalisierte Sozialpartnerschaft betrifft, so hat diese in der Vergangenheit mit Sicherheit vieles bewegt. Zuletzt hat man aber Entwicklungen in der Wirtschaft übersehen, hier spreche ich vor allem die Seite der Arbeitnehmer an. Man muss sich auch hier – wie in jedem Unternehmen üblich – ständig anpassen und weiterentwickeln. Aber vielleicht tut man sich damit in der Sozialpartnerschaft schwer, weil es keinen Markt gibt.  

Die steirische Industrie hat zuletzt ein sehr erfreuliches Exportplus verzeichnet. Wie gefährlich sind nationalistische Tendenzen in Europa und den USA für eine Fortsetzung dieser Erfolgsstory?

Knill: Wir stellen eine enorme Kräfteverschiebung in Richtung China fest. Europa ist also gut beraten, mit vereinten Kräften aufzutreten. Der Brexit schadet allen Beteiligten, schließlich verfügt Großbritannien über eine Wirtschaftskraft wie jene der 20 kleineren EU-Staaten zusammen. Darüber hinaus sollten wir neue Allianzen suchen, Russland wäre wirtschaftlich sehr interessant. 

Kommen wir zum Abschluss noch zur digitalen Revolution. Wann wird diese abgeschlossen sein? 

Knill: Es ist keine Revolution, sondern vielmehr eine Evolution, die längst begonnen hat. Und ihre Auswirkungen werden ähnlich sein wie jene der Dampfmaschine oder anderer großer industrieller Fortschritte. Meine Vision ist es, dass die Steiermark zum Gewinner dieser Evolution wird. Der Schlüssel dazu ist Bildung  – und da dürfen wir niemanden aus der Verantwortung entlassen.

Interview: Mario Lugger

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