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Belarus: Unruhiges Land mit großem Potenzial

Kaum ein Tag vergeht in Belarus ohne Massendemonstrationen. Der Wirtschaftsdelegierte Rudolf Lukavsky analysiert die Lage abseits der aktuellen Krise im Land.

Belarus Demonstration: Frau mit Flagge
© Genya Savilov, AFP, Picturedesk Proteste in Belarus: Die Opposition wirft der Regierung Wahlbetrug bei der Präsidentenwahl im August vor.

30 Jahre sind seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vergangen. Wie hat sich die ehemalige Sowjetrepublik entwickelt?

Lukavsky: Belarus ist nach wie vor eng mit Russland verbunden und von der russischen Konjunkturentwicklung abhängig. 42 Prozent seiner Gesamtexporte gehen in den östlichen Nachbarstaat und 56 Prozent der Importe kommen von dort. Zudem kann das Land russisches Rohöl zollfrei importieren, was die Abhängigkeit verstärkt. Dieser Rabatt trägt zu etwa acht Prozent des belarussischen BIP bei und es ist ein eigener Industriezweig rund um die Weiterverarbeitung entstanden. In Sowjetzeiten waren Industrie und Landwirtschaft hoch entwickelt, heute sind die Technologien veraltet. Bisher wurden auch keine weitreichenden Privatisierungen durchgeführt, aktuell werden 70 Prozent des BIP von Unternehmen im Staatseigentum erwirtschaftet.

Wo sehen Sie die wirtschaftlichen Stärken von Belarus?

Lukavsky: Aufgrund seiner langjährigen Tradition im Bereich der MINT- und STEM-Fächer hat das Land eine stark entwickelte, wettbewerbsfähige IT-Branche. In Sowjetzeiten galt die Hauptstadt Minsk als Technologiezentrum der UdSSR, das ist noch heute spürbar. Es gibt etwa 100.000 IT-Experten und die Stärke der Gaming-Industrie und der Start-up-Kultur zeigen die Innovationskraft des Landes. Die Modernisierung wird dann Auftrieb erhalten, wenn staatliche Unternehmen privatisiert werden – wie es von internationalen Organisationen erwartet und als notwendig erachtet wird. 

Wie wirkt sich die angespannte politische Situation auf österreichische Unternehmen vor Ort aus?

Lukavsky: Die Wirtschaft wurde 2020 aufgrund der Konsequenzen der Präsidentschaftswahlen und der Covid-Krise doppelt getroffen. Die Rahmenbedingungen haben sich sowohl für die österreichischen Unternehmen, die in Belarus tätig sind, als auch für deren Geschäftspartner verschlechtert. So hat die belarussische Nationalbank die Kreditvergabe eingeschränkt und nach den Präsidentschaftswahlen ist die Währung zunehmend verfallen. Die Unsicherheit auf den Straßen, massive Polizeigewalt und -willkür, brutale Ausschreitungen, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und Internetabschaltungen stellen die Firmen vor enorme Herausforderungen. So hatten beispielsweise Kunden von A1 Belarus aufgrund von Entscheidungen der belarussischen Regierung zeitweise keine oder eingeschränkte Internetverbindungen.

Wie hat Belarus bisher die Corona-Krise gemeistert?

Lukavsky: Der erste Infektionsfall wurde am 28. Februar offiziell bestätigt. Seither nahm die Zahl der Infizierten stetig zu und näherte sich zu Spitzenzeiten tausenden täglichen Neuinfektionen. Derzeit verzeichnet man wieder eine Steigerung der Covid-19-Fälle. Eine mögliche zweite Welle wird für November-Dezember erwartet.

Rudolf Lukavsky ist Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau.


Belarus – Türöffner in den Osten für österreichische Firmen

Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit Belarus haben zuletzt zugenommen – und das nicht ohne Grund: In weniger als zwei Stunden Flugzeit gelangt man von Wien aus nach Belarus. Dies und so manche andere Anreize haben das westlich von Russland gelegene Land bisher für heimische Unternehmen sehr interessant gemacht. So ist es etwa eine Alternative zur Verlagerung betrieblicher Wertschöpfungsketten in EU-Länder Osteuropas. Auch für Unternehmen, die Interesse am Zugang zum 185 Millionen Einwohner zählenden Markt der EAWU – Belarus, Russland, Kasachstan, Armenien und Kirgistan – haben, ist das Land bestens geeignet.
Die aktuelle politische Lage hat die Rahmenbedingungen allerdings stark verschlechtert. Nichtsdestotrotz sind österreichische Firmen wichtige Investitionspartner in Belarus, so etwa in der Holzverarbeitung und Forstwirtschaft, im Bereich Telekommunikation sowie im Banken- und Versicherungswesen. Raiffeisen, die Vienna Insurance Group, A1 Telekom Austria und Kapsch sind nur einige der vor Ort aktiven heimischen Unternehmen. Aktuell ist auch die steirische Andritz AG an der Modernisierung einer Papierfabrik im belarussischen Dobrush tätig. Das Projekt soll bis 2022 abgeschlossen sein. 

Von Petra Mravlak

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