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Australien: Ein Kontinent im Katastrophenmodus

Seit vier Monaten wüten in Australien Buschbrände enormen Ausmaßes. Wir haben uns beim Wirtschaftsdelegierten in Sydney nach der Lage vor Ort erkundigt.

Koala auf der Flucht vor den Flammen in Australien.
© bennymarty.stockadobe Laut WWF sollen bereits über eine Milliarde Tiere in Australien Opfer der Flammen geworden sein.

Die Bilder von einem feuerroten Horizont und von qualvoll verendeten Tieren sind um die Welt gegangen. In Australien herrscht Ausnahmezustand – und das seit Monaten. Ein Ende der extremen Wettersituationen ist nicht in Sicht, zum Feuer kommen nun Staubstürme, Überflutungen oder Hagel. 

Wie die Lage vor Ort ist, weiß Karl Hartleb, Wirtschaftsdelegierter in Sydney, das wie Melbourne oder Brisbane vor direkten Auswirkungen der Feuer verschont geblieben ist. Dennoch sei Sydney seit Mitte November des vergangenen Jahres vor allem von der Rauchentwicklung stark betroffen. „Wir sahen hier Schulschließungen, die kurzzeitige Einstellung des Fährverkehrs im Hafen, aber auch Fehlalarme in U-Bahnstationen und Hochhäusern, da Rauchmelder angeschlagen haben“, so Hartleb. Australien sei geschockt darüber, dass es nicht gelingt, den Verlust von Menschenleben zu verhindern und die Katastrophe in den Griff zu bekommen. Auch, dass die Tierwelt so massiv betroffen ist, belaste die Menschen stark.

Politischer Zündstoff

Die australische Regierung unter Premierminister Scott Morrison tat sich allerdings äußerst schwer damit, einen Zusammenhang zwischen den Buschbränden und dem Klimawandel zu erkennen. Hatte doch die amtierende Mitte-Rechts-Koalition aus Liberals und Nationals die Unterstützung aus ländlichen Gebieten dadurch gewonnen, dass sie den weiteren Abbau und die Nutzung von Kohle versprach. Schon jetzt ist das Land weltweit wichtigster Kohlexporteur. „Der Umgang mit diesem Thema wird für Australien wohl politisch schwierig“, so Hartleb. „Ironischerweise könnten gerade die aktuellen Ereignisse dazu führen, dass es auch im ländlichen Australien zu einem Umdenken im Bergbau- und Energiebereich kommen könnte.“ Aus dem Wahlergebnis könne man jedenfalls nicht schließen, dass die Mehrheit der Bevölkerung hinter der aktuellen kohlefreundlichen Energiepolitik des Landes steht. „Die mächtigen Bundesstaaten werden wohl den seit zehn Jahren eingeschlagenen Weg des Ausbaus von erneuerbaren Energien weitergehen, auch ohne die Regierung in Canberra“, so die Einschätzung Hartlebs.

Unabsehbare Folgen

Die Folgen der verheerenden Brände für Mensch und Natur, aber auch für die Wirtschaft sind noch kaum absehbar (siehe auch Artikel rechts). 

Akut betroffen ist freilich die Landwirtschaft. „Derzeit wird ein Rückgang von rund drei Prozent aller landwirtschaftlichen Produkte erwartet“, berichtet Hartleb. Besonders betroffen sind beispielsweise die Milch- und die Futterproduktion für Nutzvieh. So könnte bereits im März das Heu ausgehen. Weiters sei damit zu rechnen, dass die Lebensmittelpreise in den kommenden Monaten beträchtlich steigen werden. „Im ländlichen Queensland könnten sie, Schätzungen von Experten zufolge, um bis zu 50 Prozent hinaufschnellen.“ Massive Auswirkungen erwartet man auch im Tourismus. So waren viele der betroffenen Landstriche bisher Anziehungspunkt für Touristen. „Sollten die Einnahmen langfristig entfallen, könnte sich die Landflucht verstärken“, so Hartleb. „Australiens wirtschaftliche Lage ist und bleibt aber trotz der Feuer stabil.“

Stimmen aus "Down under"

Wir haben bei österreichischen Unternehmen vor Ort nachgefragt, wie sie die katastrophalen Brände in Australien erleben und mit welchen Konsequenzen sie rechnen.

„Zur Zeit gibt es für uns wirtschaftlich keine Beeinträchtigungen, da die Brände sich in Regionen befinden, die wirtschaftlich nicht sonderlich stark sind“, berichtet Michael Kemeny von Knapp Australien in Melbourne. „Menschlich ist die Geschichte eine ganz andere, inzwischen sind an die 30 Personen und eine Milliarde Tiere in den Feuern umgekommen und es wurden mehrere tausend Häuser zerstört.“ 

Auch das Energieinfrastrukturunternehmen Mosdorfer ist nicht direkt von den Bränden betroffen. Wirtschaftliche Auswirkungen seien noch ungewiss, so Christiane Harrer-Ficsòr von der übergeordneten Knill Holding. „Die Feuer brennen immer noch, sodass die Energieversorger noch nicht in die betroffenen Gebiete kommen und der Schaden noch nicht abschätzbar ist.“ Da die meisten Brände sich in abgelegenen Gebieten befänden, würden nicht viele Stromleitungen beschädigt werden, deshalb erwarte man auch keine großen Auswirkungen hinsichtlich des Auftragseingangs. 

Und auch von Seiten der AVL hieß es, dass deren Mitarbeiter nicht schwer betroffen seien. Allerdings sei die Luftqualität auch in der Gegend von Melbourne, wo die meisten der Geschäftsaktivitäten des Unternehmens stattfänden, relativ schlecht. 

Die direkten Auswirkungen auf die rund 140 österreichischen Niederlassungen und etwa 800 heimischen Unternehmen, die dorthin exportieren, hält auch der Wirtschaftsdelegierte Karl Hartleb für überschaubar. „Denn die Niederlassungen befinden sich eher in den größeren Städten.“ 

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Australien und Österreich sind äußerst gut, besonders aus heimischer Sicht, denn es gibt einen Handelsbilanzüberschuss von rund einer Milliarde Euro. Interessant für Exporteure sind etwa die massiven Investitionen in die Infrastruktur, der Nachholbedarf bei der Bautechnologie, die Modernisierung der Logistik sowie die Gesundheitsbranche.


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