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Aufgeben ist keine Option

Christoph Strasser ist aktuell der beste Ultraradsportler der Welt. Im rasanten Interview erzählt er, wie man 3.950 Kilometer in knapp sieben Tagen radelt und warum Grenzen nur im Kopf existieren.

Ultraradsportler Christoph Strasser beim Race Across America
© Lupi Spuma Christoph Strasser beim Race Across America
Sie sind vor wenigen Monaten in nur sechs Tagen, zehn Stunden und 58 Minuten quer durch Australien geradelt. Wir sprechen hier von 3.950 Kilometern – mal ehrlich: Wie verrückt muss man sein, um so etwas durchzuziehen?

Christoph Strasser: Ich bin mit Sicherheit nicht verrückt – obwohl ich in dieser Zeit insgesamt nur zehn Stunden nicht am Rad verbracht habe. Aber irgendwann muss man ja mal auf die Toilette oder für wenige Minuten ein Schläfchen einlegen (lacht). Aber nein, dieser oder meine anderen Rekorde sind nicht das Resultat eines durchgeknallen Steirers mit übermenschlichen Kräften, sie sind das Ergebnis langer akribischer Vorbereitung, enormer Disziplin und der Leidenschaft für schnelles und langes Radfahren.


Was Sie tun, entbehrt jedweder Vorstellungskraft. Da müssen Kopf und Körper ja schreien: Aus, es geht nicht mehr. Erreichen Sie nie den Punkt, wo Sie stehen bleiben und sagen: Mir reichts.
Strasser: Solange es sich nicht um gesundheitsgefährdende Situa­tionen handelt – wie etwa beim Race Across America 2009, als ich aufgrund einer Lungenentzündung aus dem Rennen musste – ist Aufgeben keine Option. Wenn man sich so intensiv auf ein Rennen vorbereitet, wirft man das Handtuch nicht deshalb, weil es gerade nicht lustig ist, mitten in der Nacht bei strömendem Regen den zweiten Tag in Folge ohne Pause in die Pedale zu treten.


Was ist wichtiger, der Kopf oder der Körper?
Strasser: Viele Grenzen existieren nur im Kopf. Wenn man in weniger als acht Tagen 5.000 Kilometer quer durch Amerika radelt und dabei Temperaturen von null bis plus 45 Grad aushält, zeigt das doch, dass ein trainierter Körper das leisten kann. Oft ist der Kopf das größere Problem, es braucht mentale Stärke, um diese Monotonie auszuhalten. Ich beispielsweise visualisiere mein Ziel lange bevor es tatsächlich ins Rennen geht. Das hilft, wenn es schwierig wird. Man tritt einfach weiter, weil man weiß, dass in wenigen Tagen alles wieder gut ist. Aber Psyche und Körper sind nur zwei Drittel der Medaille: Ich könnte kein Rennen ohne das eingespielte Team im Hintergrund bestreiten.


Sie sind Vortragender bei der aktuellen JW-Roadshow. Welche Parallelen ziehen Sie zwischen Sport und Business?

Strasser: Egal ob Sport oder Business: Es geht immer darum, das Ziel zu erreichen. Das ist eine Frage der Motivation und des Durchhaltevermögens. Mein Erfolgsgeheimnis ist: Ich bin in dem, was ich tue, deshalb so gut, weil es mir Spaß macht. So einfach ist das. Viele verlieren aber mit der Zeit ihre Leidenschaft für den Beruf. Das macht das Durchtauchen von problematischen Situationen dann so besonders schwierig.


Welche Botschaft geben Sie also den Unternehmern mit?
Strasser: Ich bin das ganze Jahr über mein eigener Chef, aber wenn es ins Rennen geht, gebe ich die komplette Verantwortung an mein Begleitteam ab. Sie entscheiden für mich, ob Pausen gemacht werden und sogar, wie viel ich wann trinke. Das ist nicht einfach, aber notwendig, denn ich befinde mich im Rennen mental und körperlich in einem Ausnahmezustand. Wenn ich hier selbst Entscheidungen treffen würde, wären das mit Sicherheit nicht die richtigen, weil sie aus dem Affekt heraus gemacht werden. Umgelegt auf Unternehmen kann das heißen: Bestimmte Ausnahmesitua­tionen verlangen es, die Kontrolle, zumindest ein Stück weit, auch abzugeben, weil man als Chef meist zu sehr in der Sache drin ist und Emotionalität den Blick aufs große Ganze verhindert. Um das Ziel zu erreichen, braucht es also, wie im Rennen, Menschen, die neutraler an die Sache rangehen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.


Wenn Sie nicht gerade Kontinente am Rennrad durchqueren, wie sieht Ihr Leben aus?  
Strasser: Ich bin Ultraradsportler was bedeutet, dass ich mit meinen Kräften haushalten muss und nur zwei, drei Projekte in diesen Dimensionen pro Jahr angehen kann. In erster Linie bin ich ja Unternehmer und kümmere mich, neben dem Training, selbst um die Medienarbeit, meinen Webshop, meine Vortragstätigkeiten und natürlich um Sponsoren. Denn vom Ultrabiken alleine kann man nicht leben: Beim RAAM, dessen Teilnahme mich 50.000 Euro kostet, winken als Gewinn eine Medaille und Holzbrettl mit Gravur.

Christoph Strasser ist dreifacher RAAM-Gewinner und hat sich mit der Durchquerung Australiens in sechs Tagen und elf Stunden einen erneuten Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde gesichert. Wenn Strasser nicht gerade radelt, hält er Motivationsvorträge.
Infos: www.christophstrasser.at

Christoph Strasser ist Speaker der aktuellen Roadshow "Grenzen existieren nur im Kopf" der Jungen Wirtschaft Steiermark.

Termine: 25. 4. (Fürstenfeld), 27. 4. (Saaz/Feldbach), 2. 5. (Graz), 3. 5. (Weiz), 4. 5. (Murau), 10. 5. (­Leoben) und 11. 5. (Leibnitz)

Infos und Anmeldung: www.roadshow.st

Das Interview führte Veronika Pranger

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